Muss eigentlich alles, was wir tun, Sinn machen?

 

 

Überall fragen Menschen nach dem Sinn. Sinn-Sprüche wie „suche nicht den Sinn Deines Lebens, gib ihm einen!“ reflektieren diese menschliche Eigenschaft.

 

Sinn-Suche im Leben kann manchmal ganz schön frustrierend sein. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Sinn-Suche kann so tief gehend sein, dass manche Menschen deswegen in eine tiefe Krise geraten. Sie stellt alles infrage: Ihre Einheit, ihre Errungenschaften, ihr Umfeld, ihr ganzes Leben. Darin liegt allerdings auch eine Chance: spirituelle Menschen wissen, dass eine tiefe Krise eine große Transformation bewirken kann. Sie führt zu einer neuen Art von Lernen. Sie kann das Bewusstsein erweitern. Aber: der Weg dahin ist unbequem. Er kann zu einer inneren Frustration führen, die sich kaum beschreiben lässt - die fast Ausmaße einer Depression oder einer psychischen Krankheit annehmen kann.

 

So gesehen ist es fast leichter, dem Leben „einen Sinn zu geben“

 

„suche nicht den Sinn Deines Lebens, gib ihm einen!“ Gerade weil diese Suche so frustrierend ist und das ganze Bewusstsein auf wühlt, weil sie alles infrage stellen kann, gehen Menschen am liebsten einen anderen Weg: Sie versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben.

 

Anders formuliert versuchen Sie, in Ihrem Leben etwas zu bewegen - natürlich zum besseren (wie sie glauben).

 

Wer kennt sie nicht, die Weltverbesserer? Sie engagieren sich, sie glauben an das gute, Sie meinen, die Welt mit ihrer Schaffenskraft ein kleines Stückchen vollkommener machen zu können. „Macht Sinn“, sozusagen. Sie engagieren sich sozial, für die Umwelt, für benachteiligte Menschen, für eine Verbesserung der Wirtschaft, politisch. Sie engagieren sich für die Gesundheit ihrer Mitmenschen.

 

Gut ist dies alles, keine Frage! Sinnvoll ist es sicherlich - menschlich interpretiert. Aber dennoch: dieses Engagement wird ausnahmslos immer - und das meine ich so, wie ich es sage - ein Problem auf: es wird nämlich immer Menschen geben, die mit den angestrebten Veränderungen nicht einverstanden sind. Man nennt diese aus dem eigenen Blickwinkel die Opposition, abstammend vom Wort opponent, was soviel wie gegenüberliegend oder gegensätzlich bedeutet.

 

Anders ausgedrückt: egal wie gut, wie edel, wie altruistisch die eigenen Pläne, der eigene Beitrag zur Verbesserung der Welt auch immer sein mag. Es wird immer Menschen oder Personenkreise geben, die damit nicht einverstanden sind. Anders ausgedrückt: jeder Versuch, die Welt zu „verbessern“ wird irgendwo auf Widerstand stoßen. Eben auf Opposition!

 

Positives bewirken (wollen) und sich in negative Emotionen verstricken

 

Sie kennen sie alle, diese Menschen: Sie opfern sich auf, sie setzen alles in Bewegung, was sie können, um das Ziel einer „besseren Welt“ zu erreichen. Doch es scheint so, als ob diese Personen irgendwann wie gegen eine Wand rennen. Von irgendwo her tun sich immer und immer mehr Widerstände auf. Man wird zum „Kämpfer“ für das gute. Und wie man es auch dreht und wendet: kein Kämpfer der Welt siegt ständig. Jeder erleidet irgendwann einmal eine Niederlage. Die (eigene) Welt dreht sich im Kreis. Man scheint nicht weiterzukommen, man scheint immer auf das gleiche Problem zu treffen. Und das ist der Zeitpunkt, an dem sich irgendwann eine Sinnkrise einstellt.

 

Erfolge können über so etwas nicht hinwegtäuschen. Angeblich zeitlose Konzepte zur Verbesserung der Welt entpuppen sich als Trugschluss bzw. als Falle. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint!“ Sagt der Volksmund. Dieser Fall sehen wir sehr schön bei politischen Konzepten: sicherlich ist es eine gute Idee, wenn es heißt: alle Menschen sollen gleich sein. Dieser Gedanke ist im Sozialismus formuliert. Die Idee dahinter ist sicherlich gut und edel, konterkariert allerdings mit einer menschlichen Eigenschaft: dem Drang nach persönlicher Freiheit und „mehr zu erreichen“.

 

Daher endet die sozialistische Idee in schönster Regelmäßigkeit in der Diktatur.

 

Fast alles, was zeitlos ist, ist auch „sinnlos“

 

Wer schöpferisch tätig ist, verbessert damit nicht unbedingt die Welt. Trägt Musik zur Rettung des Klimas bei? Haben die großen Werke der Weltliteratur wie etwa von Shakespeare oder Goethe Hunger und Armut in Afrika bekämpft? Sicherlich nicht. So gesehen haben Johann Sebastian Bach, Johann Wolfgang von Goethe, Enzo Ferrari oder Heinz G. Konsalik sinnlose Sachen getan!

 

Und dennoch haben diese Menschen viele Leute inspiriert.

 

Da stellt sich natürlich die Frage: sollten wir mehr Dinge tun, die „sinnlos“ sind?  Ich denke ja!

 

Eine Prise Sinnlosigkeit in unserem Leben kann uns inspirieren, sie kann uns zum Lachen bringen oder entspannen. Sie kann den Geist lösen und neue Einsichten vermitteln. Kreativ zu „spinnen“ kann Lösungen für Probleme mit sich bringen, die sich rein vom Verstand her als unlösbare Knoten entpuppt haben. Etwas sinnloses zu tun, bringt immer irgendeine Art von Erfolg - solange wir dabei auf der kreativen Seite bleiben. Übrigens: kreative Sinnlosigkeit kann uns auch vor destruktiver Sinnlosigkeit schützen!

 

Und zu guter letzt: wer Sinnloses bewusst tut, kann ebenfalls eine Erweiterung seines Bewusstseins erleben!

 

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