Wann ist positives Denken gesund - und wann krankhaft?

Tschakka!!!

 

Scherz beiseite...

 

Für die meisten Menschen stellt sich diese Frage nicht: „Positives Denken kann krank machen!“

 

Aber es gibt sogar ein Buch darüber mit exakt jenem Titel. „Positives Denken macht krank!“ titulierte Anfang des neuen Jahrtausends der Psychotherapeut Günther Scheich. Sicher haben sich seine Bücher längst nicht so häufig verkauft wie die der Gurus des positiven Denkens. Die reißen einen mit, motivieren einen. Vor allen Dingen: der eine positive Botschaft verbreitet, der macht sich selbst beliebt. Wer sagt, dass sich jeder selbst helfen kann, der motiviert.

 

Nachvollziehbar: die Erfolge der Motivations-Gurus

 

Gerade wenn das Eigenleben nicht so richtig rund läuft - und bei wem ist dies nicht der Fall? - Kann die Botschaft, dass man sich selbst mit positivem Denken aus der Krise ausziehen kann, zu neuem Optimismus verhelfen. Es gibt in der Tat eindrucksvolle Erfolge selbst bei Menschen, die sich durch die Botschaft von positivem Denken haben anstecken und mitreißen lassen. Dies kann keiner bestreiten.

 

Andererseits: positives Denken ist kein Allheilmittel. Und: es gibt sicherlich etliche Personen, die sich mit positivem Denken an den Rand des persönlichen Untergangs gebracht haben.

 

Dabei fällt es den Motivations-Gurus leicht, die Schuld auf die Opfer zuschieben: „Sie haben es nicht richtig gemacht!“ Auch ist schwer zurück verfolgbar, mit welchem auf neudeutsch „Mindset“ sich die Probleme des Einzelnen durch positives Denken eher noch verstärkt haben.

 

Diese Frage muss man sich gefallen lassen: wann ist es gut, positiv zu denken und wann ist es nicht gut?

 

Advokaten des positiven Denkens sind überzeugt, dass die Formeln zur richtigen Zeit angewandt (im so genannten alpha-Zustand) ins Unterbewusstsein übergehen und ein Manifester Teil der eigenen Persönlichkeit werden. Doch über die Tiefe und die Komplexität des Unterbewusstseins kommt es hier zu einer Fehlannahme:

 

Das Unterbewusstsein reagiert nicht auf Worte, sondern auch Schlüsselereignisse und Situationen. Es reagiert auf Bilder. Zwischen den Verstand dem Unterbewusstsein gibt es eine Art Filter, der in den frühen Kinderjahren wie ein sehr grobes Sieb funktioniert und viele Eindrücke ins Unterbewusstsein herab sinken lässt. Die damit verbundenen emotionalen Reaktionen werden durch entsprechende Schlüsselsituationen zu jederzeit wieder aktiviert. Wenn die betroffene Person älter wird und damit der Verstand immer ausgeprägter, beginnend etwa mit dem siebten Lebensjahr wird dieser Filter immer dichter und lässt immer weniger Informationen ins Unterbewusstsein durchfallen.

 

Es werden mehr Informationen gespeichert und vor allen Dingen beschrieben. Dieses beschreiben von Situationen ist ein wichtiger Aspekt zur emotionalen Kontrolle und bewussten Einordnung dieser Situation. Doch die durch den Filter gefallenen Situationen wirken zu jeder Zeit auf das Verhalten, die Sensibilität und die Emotionen des Betroffenen.

 

Trauma ist abgeleitet von Traum und beschreibt etwas Unbewusstes, Diffuses, Nebulöses. Es werden keinerlei Worte oder Beschreibungen in Worte und keine Analyse des Verstandes mit solchen Ereignissen verbunden. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, der Mensch bringt an Worte gebundene Inhalte im Bereich des Bewusstseins hinein!

 

Ich bin zwar kein Psychologe, aber das muss man auch nicht sein, um aus dieser Situation folgendes herleiten zu können: die mit Worten verbundenen Inhalte und die Traumata können miteinander in keinerlei Kommunikation treten. Das bedeutet zwangsläufig: Worte können Traumata nicht auflösen.

 

Traumata stellen eine nichtzugängliche Information dar - wie eine Systemdatei auf einem Computer

 

Alle Erlebnisse, auch Traumata, haben einen Informationsgehalt. Die Information läuft im Hintergrund des eigenen Lebens mit und beeinflusst subtil das tägliche Verhalten. In Schlüsselsituationen wird sie als Information reaktiviert und löst ein bestimmtes Verhalten aus. Man könnte auch Programm dazu sagen. Ich gebe zu, dieses Beispiel ist stark vereinfacht: aber was passiert mit einem Computer, wenn wir in ein Hintergrundprogramm irgendwelche Worte einspeisen? Der Computer wird „verrückt“.

 

Und das gleiche kann auch passieren, wenn eine Person gegen die in seinem Unterbewusstsein enthaltenen Informationen „positiv an denkt“. Eine Zeit lang durchaus mit Erfolgen in Bezug auf ein besseres Leben wirkend, verstärkt sich die Diskrepanz zu einem mittels einer Schlüsselsituation reaktivierten Trauma. Oder etwas kürzer beschrieben: „der Absturz ist dann umso tiefer!“

 

Dieser Absturz kann für ein neues Trauma sorgen, dass das alte noch verschärft. Im Unterbewusstsein entsteht ein starker Konflikt, der den positiv denkenden Menschen immer wieder ärgert.

 

Deswegen ist nur eine Form von positivem Denken langfristig wirklich gesund!

 

Es ist das authentische positive denken, dass aus Ihnen selbst heraus geschieht und immer wieder motiviert wird. Es ist kein falsches Lächeln, keine aufgesetzte Maske wenn Sie sich einmal schlecht fühlen. Auch wenn es Ihnen einmal schlecht geht, sind Sie authentisch! Dann denken Sie eben nicht positiv, sondern lassen die schlechte Laune, die Wut und die Trauer eben zu!

 

Das ist wie ein reinigendes Gewitter, dass sich bald wieder verzieht und schönem Wetter Platz macht.

 

Unauthentisch und krankmachend ist es hingegen, mit positivem denken gegen den negativen Gefühle ankämpfen zu wollen. Und hier wird es ausnahmsweise einmal religiös: als Jesus gesagt hat, man solle aus seinem Herzen keine Mördergrube machen, hat er genau das gemeint! Kein „Plastic smile“, kein falsches Lächeln. Nicht nach außen, aber vor allen Dingen erst recht nicht nach innen! Denn der größte Betrug ist Selbstbetrug!

 

Und diese Form von positivem Denken macht tatsächlich langfristig krank (wobei ich nicht abstreiten, dass sie kurzfristig zu Erfolgen führen kann - dies ist aber ein trügerischer Erfolg!)

 

 

 

Quelle: eigene Erfahrungen

 

 

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