Ernaehrung: lieber viele kleine oder wenige große Mahlzeiten? (Teil 1)

Es ist eine der vielen Streitfragen in Sachen Ernährungsphysiologie: lieber fünf oder sechs kleine Mahlzeiten pro Tag? Oder doch lieber drei große Mahlzeiten? Sollte man die erste Mahlzeit des Tages oder die letzte gleich ganz ausfallen lassen, vor allen Dingen mit bestimmten sportlichen oder kosmetischen Zielen?

 

Auch in Heilpraktikerkreisen war das Konzept „viele kleine Mahlzeiten“ lange Zeit dominant

 

Ich beschäftige mich natürlich schon von Anfang an meiner Heilpraktikerzeit mit dem Thema Ernährung. Ich hatte seinerzeit eher den Eindruck, dass viele kleine Mahlzeiten am Tag gesünder für den Körper sind:

  • Der Verdauungstrakt wird nicht belastet
  • es werden mehr Nährstoffe aufgenommen
  • mit fünf Mahlzeiten kann man sich abwechslungsreicher ernähren
  • die Enzyme können bessere Arbeit leisten
  • die Blutzuckerschwankungen sind ausgeglichener und nicht zuletzt
  • durch zehrende Krankheit entkräftete Personen können besser zu alter Form finden

In meiner Anfangszeit als Heilpraktiker verfolgten mich die letzten Schatten meiner eigenen Crohn-Krankheit. Ich hatte mich um die Jahrtausendwende durch verschiedene Entgiftungsprozesse gequält und dementsprechend vor allen Dingen an Körpermasse „Federn gelassen“. Es fiel mir wesentlich leichter, mit fünf Mahlzeiten am Tag wieder zuzunehmen als mit nur drei Mahlzeiten.

 

Kann man mit vielen Mahlzeiten pro Tag theoretisch auch abnehmen?

 

Die offiziellen Ernährungsinstitutionen empfehlen nach wie vor eher, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu verzehren als wenige große oder gar eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. Aber wenn man es recht bedenkt, gehören einige Vorteile vieler kleiner Mahlzeiten über den Tag eher ins Reich der Mythen. Ich denke da vor allen Dingen an die enzymatische Aktivität des Verdauungstrakts. Zwar ist es richtig, dass kleine Mahlzeiten den Körper weniger belasten als Große. Ob es der enzymatischen Aktivität allerdings wirklich zugute kommt, alle drei oder 4 Stunden eine Kleinigkeit zu essen, darf bezweifelt werden. Aus Indien bzw. der traditionellen indischen Heilkunst stammt der Spruch: "setze dich nicht eher an den Tisch, als bis du richtig hungrig bist!"

 

Ich bin heute der Ansicht, dass das klassische Hungergefühl (es wäre eher korrekt, von „Appetit“ zu sprechen!) Überhaupt erst eine vernünftige enzymatische Aktivität möglich macht: Magen, Bauchspeicheldrüse und der obere Dünndarm werden auf die Aufnahme von Nahrung vorbereitet. Andererseits ist die Gefahr des "Überessens" immer noch größer, wenn man sich mit einem großen Hungergefühl an den Tisch setzt.

 

In einem Aspekt kann eine Ernährung mit vielen kleinen Mahlzeiten daher tatsächlich dazu beitragen, dass man Gewicht verliert: das Bedürfnis, sich mit Kohlenhydraten voll zu stopfen, wie es so schön heißt, nimmt ab. Daher kann man bei einer Ernährung mit fünf Mahlzeiten pro Tag leichter auf den glykämischen Index der Nahrungsmittel achten und über diese Schiene eine ausgeglichene Blutzuckerbilanz erzielen. Wir wissen: hauptsächlich der Zucker bzw. die Stärke sind es, die im Übermaß als Fett gespeichert werden und letztendlich dick machen. Bei Fetten hingegen muss man differenzieren und diese in den gesamten Kontext von Ernährung und Stoffwechsel mit einbeziehen (Sie wissen schon: "gesunde" und "ungesunde" Fette…)

 

Gesundheitsbewusste Menschen verzehren als Zwischenmahlzeit einen Naturjoghurt mit etwas Leinsamen oder Flohsamen, erzielen so ein Sättigungsgefühl, nehmen wenig kalorienrelevante Kohlenhydrate aber dafür ein ordentliches Maß an Ballaststoffen zu sich. Pflegt man diese Praxis etwa gegen 16:00 Uhr, ist der Appetit zum Abendessen in aller Regel deutlich geringer und die für das Körpergewicht und den Wohlfühlfaktor relevante Kalorienmenge zum Abendessen wird reduziert.

 

Menschen, die Gewicht zulegen wollen, setzen auf viele Mahlzeiten

 

Am anderen Ende der Fahnenstange sind Sportler, bei denen es auf Masse ankommt - beispielsweise Kraftathleten und Bodybuilder. Hier habe ich über die Jahre kaum jemanden kennen gelernt, der sich tatsächlich mit drei Mahlzeiten am Tag bescheidet. Üblich sind in diesen Kreisen 5-6 Mahlzeiten, Extremisten nehmen sogar acht Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich und dieses teilweise sogar nachts. Oder Sie nehmen die letzte Mahlzeit sehr spät und die erste Mahlzeit sehr früh zu sich, beispielsweise gegen 23:00 Uhr und dann wieder gegen 4:30 Uhr.

 

Dass dieses Gebaren, auf die Spitze getrieben, alles andere als gesund ist, kann man sich auch als medizinischer Laie vorstellen. Aber welcher Sport im Extrembereich ist schon gesund? Bodybuilding bzw. Kraftsport sicherlich als allerletztes!

 

Bei Krankheit: Essen!

 

Dann gibt es natürlich auch die Menschen, die nicht an Gewicht zulegen wollen, sondern müssen. In diesen illustren Personenkreis habe ich mich selbst vor knapp drei Jahrzehnten eingereiht. Zu meinem schlimmsten Tagen wog ich bei knapp 1 m 90 Körpergröße weniger als 50 Kilo. Um in dieser Situation den Tod von der Schippe zu springen, muss sich vor allen Dingen drei Dinge tun: essen, essen, essen! Dass ich jetzt einige Kilo überstand habe, habe ich vor allen Dingen dieser Tatsache zu verdanken: man gewöhnt sich das viele Essen einfach irgendwann an! Und da der „gesunde“ Stoffwechsel in aller Regel nicht schneller, sondern langsamer wird, nimmt mit dieser Ernährungspraxis auch das Polster rund um die Taille zu. Auch mit mindestens 1 Stunde Bewegung pro Tag…

 

Das Notfallprogramm "Essen, was reingeht" betrifft Menschen mit einer so genannten "Kachexie". Dieser medizinische Begriff bedeutet: totale Entkräftung. Er betrifft Krebspatienten, Aids-Patienten, Patienten mit chronischen Darmerkrankungen (vor allen Dingen Morbus Crohn), solche mit einer "toxischen" Schilddrüsenüberfunktion und einer Hand voll weiterer Erkrankungen im Endstadium.

 

In einer solchen Situation kommt man mit zwei Mahlzeiten pro Tag schlecht hin.

 

Trotzdem sind viele Mahlzeiten nicht für jeden die ideale Lösung!

 

Auch wenn man mit vier, fünf oder mehr Mahlzeiten pro Tag theoretisch sowohl zu- als auch abnehmen kann, ist dies bei weitem nicht für jeden die ideale Lösung. Das fängt bei Berufstätigen an und endet bei bestimmten Krankheiten, die sogar eine Einschränkung der Mahlzeiten erfordern. Weitaus wichtiger sind auch solche Probleme, die eine sehr pünktliche und genaue Planung der Mahlzeiten erfordern.

 

  • Adipositas
  • Bestimmte Nierenerkrankungen
  • Bestimmte Lebererkrankungen
  • Anfallsleiden wie Migräne oder Epilepsie
  • Metabolisches Syndrom

Ich habe gerade in der Therapie von Migräne und auch Epilepsie immer wieder beobachtet, dass der Organismus zeitliche Verschiebungen in den Mahlzeiten (Sättigungs- / Hungergefühl) und Zwischenmahlzeiten sehr übel nimmt. Es kann zu einem Anfall kommen.

 

(Dieses Thema wird im nächsten Blogartikel weiter geführt…)

 

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