Sollten Alzheimer-Patienten auf Gluten verzichten?

 

Heute wird es mal wieder Zeit für eine Kontroverse. So etwas kann so nur aus konservativen, naturheilkundlich angehauchten Kreisen kommen.

 

Ich habe mich vor Kurzem mit dem „Bredesen-Protokoll“ auseinandergesetzt. Dr. Bredesen ist ein renommierter Neurologe mit einem ganzheitlichen Ansatz zum Thema Alzheimer bzw. Demenz. Viel von dem, was er schreibt, macht aus Sicht eines ganzheitlich orientierten Therapeuten Sinn. Aber dennoch bin ich von selbst nicht hinter die Gluten-Frage gestiegen: warum sollten Alzheimer-Patienten seiner Meinung nach Gluten vermeiden? Gibt es da irgendwas, das auf einen Zusammenhang hindeutet?

 

Gluten und Alzheimer: das sagt das Internet

 

Entschuldigen Sie bitte, wenn ich zunächst einmal etwas rassistisch klinge: ich habe mir einiges aus dem englischsprachigen Internet zusammengesucht. Was man da im deutschsprachigen Internet findet, grenzt an Beleidigung eines sachlichen, der Neutralität verpflichteten Journalismus. Insbesondere in den so genannten „wissenschaftlich aufgeklärten“ Leitmedien à la Spiegel, TAZ oder Süddeutsche.

 

Daher legen wir deutschsprachigen Artikel zu diesem Thema mal dahin, wo sie hin gehören: in den Papierkorb - und wenden uns ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Artikeln zu.

 

Unter dem Arbeitstitel: „Gluten sensitivity – from gut to brain“ fasst ein wissenschaftliches Paper eine britisch-italienische Arbeit zusammen, die tatsächlich einige interessante Aspekte zu diesem Thema enthält:

  • Gluten-Sensitivität wurde das erste Mal im ersten Jahrhundert v. Chr. in Griechenland beschrieben
  • Bis allerdings zum ersten Mal eine Empfindlichkeit gegen das Getreide-Klebereiweiß im Zusammenhang mit neurologischen Symptomen beschrieben wurde, vergingen noch einmal 20 Jahrhunderte. Die erste wissenschaftliche Dokumentation zu diesem Thema war 1966 (!).
  • Eine interessante immunologische Beobachtung: wenn sich die verschiedenen Formen der Gluten-Sensitivität ausschließlich im Darm manifestieren, ist die Betrachtung von IgG-Vermittelten Antigen-Antikörper-Reaktionen uninteressant. Es sei denn, es liegt ein Mangel an sekretorischem IgA vor.
  • Bei Antikörpern gegen bestimmte Formen der Transglutaminase können Darmsymptome völlig fehlen! Der Betroffene entwickelt unter dem Einfluss von Gluten ausschließlich neurologische Symptome, also Nerven- und Gehirnstörungen
  • dieser Störungen betreffen außerhalb der Zöliakie auch Patienten mit einer so genannten glutensensitive Enteropathie sowie mit Glutenataxie. Letztere reagieren auf kleine Mengen von Gluten hochempfindlich und entwickeln neurologische Störungen.

Eventuell interessant für unsere Betrachtung: während ein Zusammenhang zwischen Glutensensitivität bzw. Zöliakie und der Manifestation von multipler Sklerose ausdrücklich verneint wird, sind die Nervenschädigungen infolge einer Glutensensitivität ganz eindeutig auf die immunologische Komponente zurückzuführen. Das bedeutet: Sie sind nicht die Folge eines Vitamin-oder sonstigen Nährstoffmangels, sondern sie sind tatsächlich auf Immunreaktionen zurückzuführen!

 

Starker Tobak: begünstigt Gluten Demenz oder Alzheimer auch bei Gesunden?

 

Seit dem Jahr 2012 scheint die Kontroverse entbrannt zu sein: vor allen Dingen ein Neurologe namens Dr David Perlmutter spielt sich bezüglich dieses Themas in den USA seit dieser Zeit in den Vordergrund. Grundsätzlich ist er ein Advokat einer Kohlenhydratearmen Ernährung. Doch in seinem Buch The Grain Brain spricht der Arzt ganz offen darüber, wie Gluten seiner Meinung nach eine generalisierte Entzündung ermöglicht, welche die Blut-Hirn-Schranke lockert - und damit die Nervenzellen des Gehirns angreifbar für alle möglichen Schadstoffe und oxidativen Prozesse macht.

 

Allein, wie die Zwischentöne hört, liegt klar: denn für Dr. Perlmutter trifft das gesagte auch dann zu, wenn sich grundsätzlich nur um Dichte Kohlehydrate handelt.

 

Dass Gluten keine überragende Rolle bei der Entwicklung von Alzheimer spielt, der Meinung ist auch der Biologe Nick McKeehan, der sich mit der medikamentösen Behandlungsmöglichkeit von Alzheimer auseinandersetzt. Worin er allerdings mit Dr. Perlmutter übereinstimmt: der exzessive Gebrauch einfacher Kohlenhydrate, etwa mit Mehl und Zucker, erhöht das Risiko für subtile Entzündungen im Körper, metabolisches Syndrom - und Alzheimer. McKeehan sagt, dass sich drei verschiedene Ernährungsformen als günstig bei der Prävention und eventuell sogar bei der Behandlung von Alzheimer bzw. Demenz erwiesen haben:

  • Die mediterrane Ernährung oder Mittelmeer-Diät
  • Die DASH-Diät („Dietary Approach to Stop Hypertension“) und die
  • MIND-Diät, welche die beiden anderen Diättypen zusammenfasst

Fazit: wir begeben uns tatsächlich in einem Grenzbereich der Ernährungswissenschaften. In der Naturheilkunde-Szene gab es ja in den letzten anderthalb Jahrzehnten einen regelrechten Hype um glutenfreie Ernährung. Auch ich war am Anfang nicht frei davon, da mir die glutenfreie Kost bei der Verringerung der Symptome meines Morbus Crohn ebenfalls etwas geholfen hat. Ich sehe dies heute etwas differenzierter und denke nicht, dass wir aus Gluten den Antichrist machen sollten. Für mich stellt sich nach dem aktuellen stand der Forschung und Wissenschaft eher die Frage: tragen hohe glykämische Indizes bzw. –Lasten eventuell indirekt zur Entstehung von Alzheimer bei?

 

Die Botschaft ist damit klar: weg von exzessivem Verzehr von Getreide und Zucker, hin zu mehr Obst, Gemüse und vor allen Dingen grünen Blattgemüse bzw. Salat!

 

Quellen:

 

https://blogs.webmd.com/webmd-guests/2014/02/dementia-is-gluten-to-blame.html

https://jeffreydachmd.com/wp-content/uploads/2013/03/Gluten-sensitivity-from-gut-to-brain-Marios-Hadjivassiliou-Lancet-2010.pdf

https://www.alzdiscovery.org/cognitive-vitality/blog/three-promising-diets-to-improve-cognitive-vitality

https://www.alzdiscovery.org/cognitive-vitality/blog/going-gluten-free-for-your-brain

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