Ernaehrungs-Paradigmen auf den Kopf gestellt: mehr Salz gegen Nierensteine?

Ist Salz sozusagen das neue Cholesterin?

 

Ein Artikel, der unlängst auf einem bekannten medizinischen Portal in den USA erschienen ist, fordert einem alten Ernährungsmythos heraus. Es geht um Salz - und die Bildung von Nierensteinen.

 

Jeder, der es schon einmal mit Nierensteinen zu tun gehabt hat, weiß Bescheid: die meisten Ärzte empfehlen, bei der Neigung zu Nierensteinen das Salz in der Ernährung möglichst zu reduzieren.

 

Neues Nierenstein-Paradigma: MEHR Salz anstatt WENIGER davon?

 

Eine Nierensteinenkolik ist eine extrem schmerzhafte, akute Situation, die auf der Bewegung von Nierensteinen fußt. Das betrifft etwa 8-10 % der Bevölkerung in den westlich-industrialisierten Ländern. Die meisten Nierensteinen bestehen aus Calciumoxalat, eine Verbindung von Calcium und Oxalsäure.

 

Ein Amerikanischer Arzt und Kardiologe (Herz-Spezialist) namens James J. DiNicolantonio aus Kansas behauptet: genau das Gegenteil ist richtig! Mehr Salz verringert sogar das Risiko für Nierensteine. Er begründet das so: durch mehr Salz in der Ernährung wird erstens der Durst gesteigert und zweitens mehr Flüssigkeit im Körper zurückgehalten („Retention“). Dadurch verringert sich sogar die Konzentration von Calciumoxalat in dem Wasser („Primärharn“), das die Nieren durchspült. Das Risiko für Nierensteine ist geringer.

 

In seinem Essay kommt er unter anderem auf das erhöhte Nierensteinrisiko von Morbus Crohn- sowie Colitis ulcerosa-Patienten zu sprechen: dies sei hauptsächlich deswegen erhöht, da die Aufnahme von Salz über den Darm behindert sei. Diesbezüglich muss gesagt werden, dass es hier auch noch eine andere Theorie gibt: nämlich das Fehlen von bestimmten Darmbakterien, Oxalobacter formigenes, die Calcium für den Körper besser bioverfügbar machen, indem Sie Calcium und Oxalsäure biochemisch voneinander „trennen“.

 

Eine Studie, die ein verringertes Risiko für Nierensteine bei erhöhtem Salzkonsum herausstellt, ist leider auf den medizinischen Fachportal PUBMED (warum auch immer?) nicht verfügbar.

 

James J. DiNicolantonio: „Zucker ist das eigentliche Problem“!

 

Während sich über die Salz-Hypothese trefflich streiten lässt, ist eine Sache mittlerweile unbestritten: eine erhöhte Aufnahme von Zucker erhöht auch das Risiko für Nierensteine. Des Arztes Begründung hierfür: „der vermehrte Konsum von Zucker, beispielsweise über Limonade oder Cola, sorgt für eine vermehrte Säurebildung und -Ausscheidung, wodurch auch Calcium mobilisiert wird und sich in der Flüssigkeit anreichert. Die Nieren müssen dabei mit diesem Mehr an Calcium umgehen.“

 

Salz: wenn schon, denn schon!

 

Mittlerweile gilt als erwiesen, dass es von bestimmten Parametern abhängt, inwieweit Salz zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt. Einigen Studien zufolge erhöht nur bei jedem sechsten Patienten der verstärkte Konsum von Salz den Blutdruck. Ich bin selbst nicht unbedingt für eine salzarme Diät. Viele Patienten mit einer chronischen Erschöpfung beispielsweise profitieren von einem erhöhten Salzkonsum. Man kann dies natürlich nicht verallgemeinern.

 

Dennoch gilt für Salz das gleiche wie für die meisten anderen Nahrungsmittel: je stärker es raffiniert und verarbeitet ist, umso mehr sollte man es meiden. Organisches Meersalz und Kristallsalz enthält neben dem Natriumchlorid auch noch andere Mineralstoffe und Spurenelemente und ist deswegen ein echtes „Lebens-mittel“, während man das von raffiniertem Salz nicht sagen kann!

 

Quellen:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6531057 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Comparison+of+dietary+calcium+with+supplemental+calcium+and+other+nutrients+as+factors+affecting+the+risk+for+kidney+stones+in+women 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29773847 

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/74344/Salzarme-Ernaehrung-Zu-wenig-Natrium-koennte-Risiko-fuer-Bluthochdruck-erhoehen

http://www.vitanet.de/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/sieben-irrtuemer-ueber-gesunde-ernaehrung/irrtum-salz

https://kidneystones.uchicago.edu/wean-off-sugar/

 

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