Wenn vor natuerlichen Wirkstoffen gewarnt wird...

Heute möchte ich mal wieder etwas Allgemeines in meinem Blog schreiben. So bin ich neulich bei meinem privaten E-Mail-Provider mal wieder über einen Artikel „gestolpert“, der die besondere Verbundenheit gewisser EU-Institutionen mit der Naturheilkunde ausdrückt: „EU warnt vor Grüntee-Extrakt“.

 

Das wäre eigentlich noch nicht einmal etwas Besonderes gewesen. Was aber an diesem speziellen Artikel ziemlich erstaunt hat, war die Tatsache, dass dieser Artikel sage und schreibe für eine Woche auf dem Server eben jenes E-Mail-Providers zur Ansicht gestanden hat. Wenn man bedenkt, dass die meisten Artikel, auch zu wichtigen politischen Themen, bereits nach spätestens 48 Stunden vom Server fliegen, beeindruckend.

 

Man kann vor so vielem warnen…

 

So etwas gibt es immer wieder mal. Nun ist es bekannt, dass auch Pflanzenextrakte natürlich überdosiert werden können, zu lange eingenommen werden können und natürlich in Abhängigkeit von der Konstitution und der Dosierung auch „Nebenwirkungen“ oder besser „unerwünschte Wirkungen“ entfalten können. Nur: die „schulmedizinischen“ Medikamente können das viel besser. Und schneller. Und nachhaltiger. Vor denen wird aber in solchen öffentlichen Nachrichtenportalen und bei den Portalen von E-Mail-Providern eher selten gewarnt…

 

Jeder einigermaßen vernünftige und verantwortungsbewusste Therapeut weiß, dass „Naturheilmittel“ nicht vollkommen risikofrei sind…

 

Ein kluger Mensch soll den Satz des Paracelsus: „die Dosis macht das Gift!“ Einmal so formuliert haben: „alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosis an!“

 

Wenn damit das Problem an sich alleine bereits abgehakt wäre, hätten wir Therapeuten (insbesondere wir Heilpraktiker) ein recht einfaches Leben. Die meisten Nahrungsergänzung Mittel, Naturheilmittel und sekundären Pflanzenstoffe sind von seriösen, besonders europäischen Herstellern so dosiert, dass sie an sich keinen Schaden anrichten können und keine Nebenwirkungen haben. Natürlich gibt es fragwürdige Hersteller mit ebenso fragwürdigen Produkten.

 

In den englischsprachigen Ländern gibt es diesbezüglich ein Gütesiegel, das abgekürzt GMP lautet und ausgeschrieben: „good manufacturing practise“ bedeutet: ein Qualitätsmerkmal bei der Herstellung und Verarbeitung von Vitaminen, anderen Nährstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Naturheilmitteln. Dieses Gütesiegel GMP bezieht sich keineswegs nur auf eine vernünftige Dosierung der einzelnen Einheiten, sondern auch auf ein Produkt, dass möglichst unbelastet von Umweltschadstoffen ist und darüber hinaus so wenig Hilfsstoffe wie möglich zu seiner Herstellung verwendet. Solche Produkte sind in aller Regel frei von Stoffen wie beispielsweise Titandioxid (E 171) oder auch künstlichen Süßstoffen, wie Aspartam, Acesulfam-K oder Sucralose.

 

Wer in seiner Therapie auch solche Produkte zurückgreift und sich an die empfohlenen Dosierungen hält, macht in der Regel nichts verkehrt…

 

…oder?

 

Eine relativ wenig beachtetes Dilemma in der Naturheilkunde: Wechselwirkungen

 

Dummerweise ist es so, dass Menschen bei kleineren Problemen nicht zuerst einen Heilpraktiker und dann einen Arzt aufsuchen, wenn der Heilpraktiker Ihnen nicht helfen kann. Vielmehr ist es so, dass Menschen mit großen Problemen lange Zeit medizinisch therapiert wurden und dann irgendwann „austherapiert“ bei einem Heilpraktiker vorstellig werden.

 

Das bedeutet: wir Heilpraktiker haben es keineswegs mit dem „gesunden Idealmenschen“ zu tun, sondern mit einer kranken Person, die in den allermeisten Fällen eine Kombination verschiedener Medikamente zu sich nimmt.

 

Das Problem dabei? Wechselwirkungen verschiedener rezeptpflichtiger Medikamente untereinander sind in aller Regel recht gut dokumentiert. Wenn man sich in die Materie eingearbeitet, kann man zumindest auf seinem Spezialgebiet relativ schnell eine Übersicht gewinnen. Weniger gut ist es um die Wechselwirkungen zwischen Naturheilmitteln und rezeptpflichtigen Medikamenten bestellt. Hier muss man schon sehr genaue Nachforschungen anstellen. Dennoch kann es dann und wann der Fall sein, dass die Wechselwirkungen als Naturheilmittels mit verschiedenen Medikamenten nicht dokumentiert sind.

 

Dazu kommt, dass der durchschnittliche Patient eines Heilpraktikers bereits ein geschwächte Funktion verschiedener Organe hat, die man unbedingt mit in die Gleichung einbeziehen muss. Therapeuten, die z.B. mit Komplexmittelhomöopathie arbeiten, haben es vielleicht sogar einfacher als solche, die mit sekundären Pflanzenstoffen therapieren. Hier kann man schlicht und ergreifend Schwachpunkte des Organismus therapieren, die man vorher in einen gründlichen Anamnese erhoben hat. Diese Schwachpunkte müssen nicht unbedingt mit dem Sitz der Symptome übereinstimmen.

 

Man kann den Schwachpunkt Leber (Blutgerinnung, Cholesterin, Triglyceride, Zuckerstoffwechsel, Gefäßtonus, Entzündungsfaktoren) therapieren und dies relativ unbelastet von der Tatsache, dass der betroffene Patient seit Jahren auf blutdrucksenkende Medikamente eingestellt ist.

 

Bei einer Therapie mit sekundären Pflanzenstoffen oder Naturheilmitteln ist das etwas schwieriger. Wechselwirkungen mit verordneten rezeptpflichtigen Medikamenten sind wahrscheinlicher. So ist es schwierig, ein „Adaptogen“ zu verordnen (= ein Mittel für verbesserte Stressresistenz), wenn ein Patient ein rezeptpflichtiges Psychopharmakon oder Schlafmittel einnimmt.

 

Ich könnte an dieser Stelle einige weitere Beispiele aufführen, aber ich denke, Sie wissen, worauf es hinausläuft.

 

Ich sehe das Problem weniger in den Naturheilmitteln an sich begründet, sondern vielmehr in der Tatsache, dass ein Patient bei einem Heilpraktiker kein unbeschriebenes Blatt ist. Oft sind verschiedene Funktionen verschiedener Organe bereits erheblich geschwächt, so dass sich der Einsatz bestimmter Mittel entweder ganz verbietet oder bei Dosierung erhebliche Abstriche gemacht werden müssen. Ich verordne zu Beginn von Naturheilmitteln daher häufig ein drittel, ein Viertel oder gar ein Sechstel der empfohlenen Tagesdosierung. Manchmal habe ich das Gefühl, dass selbst diese letzte Dosierung für den ein- oder anderen noch zu viel sein kann.

 

Warnungen vor Extrakten sekundärer Pflanzenstoffe haben durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung. Nur liegt das Problem selten an dem angeprangerten Stoff an sich. Es gibt in der Therapie mit konzentrierten sekundären Pflanzenstoffen, beispielsweise wie Grüntee-Extrakt, Wermutkraut oder Cascararinde zahlreiche „Fettnäpfchen“, in die der Therapeut treten kann.

 

Um auf der sicheren Seite zu bleiben, starte ich fast immer mit einem Naturheilmittel erheblich unter der empfohlenen Dosierung und begrenze den Zeitraum der Einnahme zunächst auf etwa vier Wochen. Im Einzelfall und bei besonderen Belastungen reicht selbst das nicht aus. Dessen muss man sich klar sein, wenn man mit solchen Stoffen therapiert. Natürlich abgesehen von der Tatsache, dass es auch minderwertige Produkte auf dem Markt gibt…

 

Quellen: eigene Erfahrungen und Forschungen.

 

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