Meine Erfahrungen mit Morbus Sudeck

 

Vorneweg: ich möchte meine hier vorgestellten Erfahrungen keineswegs verallgemeinern, da es noch zu wenige sind. Bei meiner Erfahrung mit der Erkrankung bin ich allerdings zu etwas anderen Ergebnissen gekommen, als man in entsprechenden medizinischen Fachpublikationen vorfindet.

 

Morbus Sudeck wird auch als komplexes regionales Schmerzsyndrom bezeichnet. Es handelt sich dabei um die Folgen einer Verletzung, die in eine andauernde, schmerzhafte Veränderung der Funktionalität der betroffenen Körperpartien mündet. Besonders betroffen sind die Extremitäten, und hier in der Nähe von Gelenken: beispielsweise Sprunggelenk, Ellenbogen, Hand- oder Fingergelenke.

 

Man unterscheidet zwei verschiedene Typen von Morbus Sudeck sowie drei Phasen. Die beiden Typen erklären sich aus der Verletzung bzw. nicht-Verletzung in der Nähe befindlicher Nerven. Die drei Phasen der Erkrankung sind:

  • Entzündliches Stadium
  • Dystrophes Stadium
  • Atrophes Stadium

 

Welche Symptome macht ein Morbus Sudeck?

 

In der ersten Phase sind die klassischen Symptome einer akuten Entzündung typisch: Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung und Einschränkung der Beweglichkeit bzw. Funktion. In der zweiten Phase klingt die Schwellung ab, es kann jedoch zu einer Versteifung und einem Abbau der umgebenden Muskulatur kommen. In der dritten Phase bestehen Blässe, eine auffallend dünne Haut und eine erhebliche Funktionseinschränkung, die bis zur völligen Versteifung gehen kann. In allen drei Stadien gesellen sich zu diesen offensichtlichen Symptomen Schmerz, Schwäche, die Unfähigkeit bestimmte (feinmotorische) Bewegungen auszuführen. Der Bewegungsspielraum der betroffenen Körperpartien wird immer weiter eingeschränkt.

 

Was sind die Ursachen für ein Morbus Sudeck?

 

Ich zitiere mal einen Arzt: „so genau kann ich Ihnen das auch nicht sagen.“ - Was ich damit sagen will: Nichts genaues weiß man nicht. Immerhin: mit einem Ursachen klärenden Ansatz gehe ich konform: nämlich, dass das autonome Nervensystem an der Erkrankung beteiligt ist. Sympathikus und Parasympathikus reagieren reflektorisch auf eine Verletzung von Nervenzellen. Dabei sind 3-5 % aller Personen mit einer Verletzung der Extremitäten langfristig von Morbus Sudeck betroffen. Es sind vor allen Dingen Frauen zwischen den 40. und 70. Lebensjahr, die diese Probleme nach einer Verletzung bekommen.

 

Womit ich nicht einverstanden bin ist, dass ausschließlich der Stressnerv Sympathikus an Morbus Sudeck beteiligt sein soll. In der Praxis habe ich nämlich diesbezüglich völlig andere Erfahrungen gemacht.

 

Die mutmaßliche Theorie dahinter ist, dass der Sympathikus-Nerv infolge einer Nervenverletzung überreagiert. Er würde dann der Theorie zufolge die Blutgefäße im umschriebenen Bereich verengen und so die Blut- und Sauerstoffzufuhr in die betroffene Körperregion einschränken. Das sehe ich nicht so.

 

Ich bin vielmehr der Auffassung, dass bei Morbus Sudeck ein generelles vegetativ-hormonelles Ungleichgewicht vorliegt, und dieses von vornherein. Ich bin sogar der Ansicht, dass die Betroffenen in der Mehrzahl eine überschießende Parasympathikus-Reaktion haben, hauptsächlich durch den Nervus vagus repräsentiert.

 

Ich möchte Ihnen erklären wieso:

 

Der Parasympathikus regelt sowohl regional begrenzte als auch generalisierte immunologische Reaktionen herauf. Außerdem beeinflusst er den Kalziumstoffwechsel, zum Beispiel durch das Verhältnis von Parathormon zu Calcitonin, den Hormonen der Schilddrüse bzw. Nebenschilddrüse, welche die Freisetzung bzw. Einlagerung von Calcium regulieren.

 

Außerdem regelt der Parasympathikus Energiegewinnung, bestimmte Faktoren der Atmungskette im Zellstoffwechsel sowie die Einlagerung von Zucker. Der Nervus vagus mit zum großen Teil Parasympathikus-Anteilen reagiert besonders sensibel auf Zucker, Alkohol, Säuren und kurzkettige Kohlenhydrate. Sie veranlassen hier bei entsprechend sensibilisierten Personen eine überschießende Reaktion.

 

Wie kann es durch eine Parasympathikus-Reaktion zu Sudeck kommen?

 

Liegt bei der betroffenen Person von vornherein eine Parasympathikus-Dominanz vor, ist sie gegenüber Verletzungen Schmerz-sensibilisiert. Auf der anderen Seite ist die Reizübermittlung der Nervenzellen aufgrund eines veränderten Verhältnisses von Kalium zu Natrium träger als im Normalzustand. Auf der Haben-Seite ist die Durchblutung verbessert.

 

Nimmt man all diese Faktoren zusammen, findet bei einer Verletzung eine intensivere immunologische Reaktion statt. Die Ausbildung eines Ödems (Schwellung) ist wesentlich wahrscheinlicher. Ich bin mir noch nicht sicher, welche Faktoren es genau sind, die eine definitive Heilung der Verletzung so lange hinauszögern, dass es zu bleibenden, degenerativen Veränderungen kommt. Meinen bisherigen Behandlungserfolgen in diesem Bereich nach gehe ich aber davon aus, dass das Problem auf der einen Seite in einer nicht adäquaten Nährstoffversorgung und Mineralisierung des betroffenen Gewebes, auf der anderen Seite in einer kontinuierlichen Reizung des Vagus liegt.

 

Ich konnte bei einigen Sudeck-Erkrankungen den Übertritt in die Phasen zwei und drei verhindern und mit meinen bisherigen Erfahrungen die Symptome der Phase eins um etwa 50-80 % verbessern, indem ich folgende Therapieschritte eingeleitet habe:

  • Nahrungsergänzung mit Palmitoylethanolamid (PEA)
  • Anregung der Tätigkeit des Nebennierenmarks zur Synthese von Dopamin und Adrenalin mithilfe der Vorstufen: Vitaminen C, Pantothensäure, Niacin, B6, Folsäure und B12, Magnesium, Zink, L-Tyrosin, L-Histidin, L-Glutamin, grüner Tee und Rhodiola rosea
  • Ernährungsumstellung auf eine Diät arm an Zucker, Alkohol, Fructose und Fruchtsäuren
  • Anregung der Atmungskette (Phosphorylierung) mit den Katalysatoren des Zitronensäurezyklus der Heel-Gruppe (cAMP, Acidum-α-Ketoglutaricum, Glandula parathyreoidea, Magnesium Mangan-phosphoricum, ACTH)
  • Konstitutionell: Pulsatilla, Calcium silicicum, Calcium carbonicum, Angostura [Galipea officinalis] in den Potenzen D12 bis D30

 

Ich muss natürlich einschränkend dazu sagen, dass ich diesbezüglich bisher erst wenige Patienten hatte und dass man diese Art der Therapie mit Sicherheit nicht auf alle betroffenen Patienten übertragen kann. Dennoch bleibe ich meiner Meinung treu, dass der Parasympathikus (insbesondere der Nervus vagus) mehr zum Entstehen und Erhalt der Erkrankung beiträgt als der Sympathikus.

 

Mit ins Kalkül ziehen sollte man bei den betroffenen Frauen der Altersklasse 40-70 Jahre natürlich auch immer die zu dieser Zeit anstehenden Veränderungen des Hormonhaushalts. In solchen Situationen ist eine diesbezügliche Hintergrundanamnese notwendig, wobei die oben genannten Therapiemaßnahmen dann entsprechend um pflanzliche Hormonersatztherapie ergänzt werden können.

 

Quellen: eigene Erfahrungen und Aufzeichnungen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    melanie melodie (Montag, 13 August 2018 20:39)

    sehr informativ und aufschlussreicher bericht. leide selbst an mc und an crps