Sodbrennen - was Sie wissen und tun muessen!

Sodbrennen – es klingt harmlos, ist es aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn es regelmäßig auftritt.

 

Zunächst einmal: warum bekommt man Sodbrennen?

 

Der Magen hat ein extrem saures Milieu: er hat einen pH-Wert von 2, gelegentlich sogar 1. Das ist etwa 100 x so sauer wie Coca-Cola. Aus diesem Grund verfügt der Magen über eine spezielle Zusammensetzung der Schleimhaut, die die Magenwand vor der Säure schützt. Die für den Menschen extreme Säure ist übrigens notwendig, um Eiweiß vor zu verdauen. Erst durch diesen Schritt kann es dann im Zwölffingerdarm von den Säften der Bauchspeicheldrüse so weit aufgespalten werden, dass es von der Darmschleimhaut aufgenommen werden kann.

 

Beim Sodbrennen steigt durch verschiedene Mechanismen die Magensäure in die Speiseröhre auf. Die Speiseröhre hat nicht den Schleimhautschutz des Magens. Sie wird durch die Säure gereizt und (bei längerem Kontakt) verätzt. Dadurch entsteht diese Kombination aus Brennen und dumpfem Schmerzgefühl unter dem Brustbein. Im Extremfall steigt die Magensäure bis in den Rachen auf.

 

Warum geschieht das?

 

Mit der Zeit habe ich fünf verschiedene Gründe für Sodbrennen herausfiltern können:

 

  1. Reflektorisch durch Reizstoffe: „zu heiß, zu süß, zu sauer, zu scharf, zu kalt“
  2.  Durch zu üppiges Essen: hohe Mengen an Eiweiß und Fett („Festessen“) erzwingen eine lange Verschlusszeit des Pylorus, des Magenpförtners. Der sitzt am Ausgang des Magens. Dadurch kann Säure im Magen nach oben steigen und bis zur Speiseröhre gelangen.
  3.  Durch einen Zwerchfellhochstand oder einen Zwerchfellbruch. Dadurch wird die Eigenbeweglichkeit des Magens verändert.
  4.  Durch große Gasansammlungen im querliegenden Dickdarm (Blähungen): die Mechanik ist ähnlich wie unter Punkt 3 und schließlich
  5.  Durch Histaminfreisetzung: dadurch werden die so genannten H2-Rezeptoren aktiviert, was mit einer verstärkten Bildung und Ausschüttung von Magensäure einhergeht

 

Nicht nur „schlechte Essensgewohnheiten“ provozieren Sodbrennen…

 

Schlechte Essensgewohnheiten sind der Haupt- aber nicht der alleinige Grund, warum es zu Sodbrennen kommt. Langfristig kann Übergewicht Sodbrennen begünstigen, wenn es zu einem Zwerchfellhochstand kommt. Auch eine veränderte Darmflora kann mit verstärkter Gasbildung im Quercolon Sodbrennen begünstigen. Überraschend viele Medikamente können Sodbrennen begünstigen oder direkt hervorrufen. Nicht nur solche zur Behandlung von Krankheiten im Verdauungstrakt im Übrigen. Antibiotika, Kortison, Medikamente, die auf das Immunsystem wirken, sogar Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, selbst Herz-Kreislauf-Medikamente und überhaupt alle Arzneimittel, die irgendwie Einfluss auf das vegetative Nervensystem nehmen, können Sodbrennen verursachen oder begünstigen. 

 

Medikamente verändern den Stoffwechsel und wirken auf vielen verschiedenen Wegen auf den Magen ein.

 

Auch Atopiker – also Personen, die von Allergien, allergischem Asthma oder Neurodermitis betroffen sind, neigen häufiger zu Sodbrennen als Menschen, die nicht von diesem Gesundheitsproblemen troffen sind. Der Grund ist in Histamin zu suchen. Entweder wird dieses verstärkt freigesetzt oder es besteht eine verstärkte Empfindlichkeit gegenüber diesem „biogenen Amin“.

 

Übergewicht begünstigt einen Zwerchfellhochstand, wodurch sich Sodbrennen häufiger manifestieren kann. Der Zustand des Bindegewebes spielt dabei noch eine Rolle.

 

Sodbrennen und die Folgen…

 

Solange Sodbrennen nur ein seltenes Phänomen ist, dass vielleicht einige Male im Jahr vorkommt, hat es in aller Regel keine Konsequenzen - bis auf das Unwohlsein, die eventuell damit verbundene Angst (Sodbrennen kann Symptome so ähnlich wie bei einem Herzinfarkt oder bei einer Angina Pectoris hervorrufen, weswegen es im englischen auch als „Heartburn“, sprich: „Herzbrennen“ bezeichnet wird) und den Schmerz.

 

Sobald Sodbrennen aber zu einem häufigen oder gar regelmäßigen Phänomen wird, wird es zur ernsthaften Gesundheits-Gefahr. Die Speiseröhre wird kontinuierlich verätzt. Das führt zunächst zu einem dumpfen Dauerschmerz. Scharf gewürzte, süße, saure und heiße Nahrungsmittel verstärken den Schmerz. Wird das Problem nicht bekämpft, können Ösophagus-Polypen, Varizen (Gefäßerweiterungen) und sogar Speiseröhrenkrebs begünstigt werden. Man sollte also Sodbrennen nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern aktiv bekämpfen. Hier die wichtigsten Tipps:

 

Erstens: beobachten Sie sich!

 

Wodurch wird das Sodbrennen provoziert? Sind Sie eher der Typ, der auf reizende Nahrungsmittel reagiert? Oder bekommen Sie eher Sodbrennen, wenn Sie zu viel essen - vor allen Dingen viel Eiweiß und Fett? Das lässt auf einen unterschiedlichen Stoffwechsel schließen. Ist Letzteres der Fall, leiden Sie wahrscheinlich unter chronischem Stress - der im übrigen auch vom Körper selbst ausgehen kann und nicht nur psychisch sein muss. In diesem Fall sollten Sie eine leichte, fettarme und überwiegend vegetarische Ernährung pflegen.

 

Im anderen Fall besteht entweder eine vegetative Labilität – oder der große „Darm-Nerv“, der Nervus vagus ist besonders aktiv. Ist das der Fall, sollten Sie unbedingt Alkohol, Zucker, Koffein und Tabak meiden oder zumindest drastisch reduzieren. Sorgen Sie für eine ausreichende Zufuhr von gesunden Fetten und vermeiden Sie so genannte „Trans-Fettsäuren“, also erhitzte oder gehärtete Pflanzenöle und –Fette.

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass ihr Sodbrennen sich nach dem Beginn der Einnahme eines bestimmten Medikaments entwickelt hat? Versuchen Sie sich zu erinnern und reden Sie mit einem Arzt oder Therapeuten über dieses Phänomen. Wenn Sie eine Zeit lang Schmerzmittel nehmen mussten, beispielsweise Ibuprofen, kann die Magenschleimhaut angegriffen sein - das führt reflektorisch häufig zu Sodbrennen. Theoretisch können ungefähr 80 % aller verschreibungspflichtigen Medikamente Sodbrennen auslösen!

 

Falls das Sodbrennen nach dem Genuss von Tomaten, Zitrusfrüchten, geräucherten Nahrungsmitteln, Rotwein, gereiften Käse, Schokolade oder Konserven auftreten sollte, ist eventuell Histamin ein Problem. Versuchen Sie, histaminhaltige Nahrungsmittel zu vermeiden und eventuell auch so genannte Histaminliberatoren. Das sind Nahrungsmittel, die im Darm Histamin freisetzen.

 

Zweitens: trinken Sie regelmäßig – Wasser

 

Sie haben es sicherlich schon gehört: Sie sollten täglich mindestens zwei, besser 3 l Wasser trinken. Aber nicht nur die Menge an sich ist wichtig, sondern auch, wie es über den Tag verteilt ist. Konkret sind zwei Tipps wichtig: trinken Sie zwischen den Mahlzeiten - nicht dazu. Dadurch sind sie gezwungen, beim Essen besser zu kauen. Das optimiert den gesamten Verdauungsvorgang. Der zweite Tipp: trinken Sie bis 18:00 Uhr jede Stunde ein Glas Wasser. Danach trinken Sie jede Stunde ein halbes Glas Wasser. Nach 21:00 Uhr sollten Sie nichts mehr trinken.

 

Drittens: Bauen Sie Übergewicht ab!

 

Wenn sich Ihr Übergewicht vor allen Dingen um den Bauch herum konzentriert, sollten sie langfristig Übergewicht abbauen. Nicht nur dann, aber vor allem dann. Bauchfett begünstigt einen Zwerchfellhochstand. Dadurch wiederum wird Sodbrennen begünstigt. Bauchfett begünstigt auch generalisierte Entzündung im Körper. Entzündung bedeutet für den Körper Stress. Die Peristaltik verändert sich, Sodbrennen kann begünstigt werden.

 

Viertens: vor dem Essen Spannungen abbauen!

 

Man sollte sich nie gestresst an den Tisch setzen. Durch Stress und Ärger ist der Verdauungstrakt beeinträchtigt. Dadurch kann es leichter und schneller zu Sodbrennen kommen.

 

Fünftens: Hausmittelchen für den Akutfall

 

Die beiden wichtigsten Hausmittel gegen Sodbrennen: Natron und feine Heilerde! Nehmen Sie im Akutfall einen gut gestrichenen Teelöffel davon ein! Benutzen Sie vor allen Dingen Natron aber keineswegs „prophylaktisch“. Natron neutralisiert die Magensäure. Dadurch kann unter Umständen Säure beim eigentlichen Verdauungsvorgang fehlen. Eiweiß wird nur mangelhaft verdaut, gelangt unverdaut in den Dickdarm und löst dort eine Veränderung der Darmflora aus. Diese wiederum kann reflektorisch Sodbrennen eher noch verstärken!

 

Heilerde ist da weniger problematisch. Sie ist nicht ganz so basisch und regt außerdem die Peristaltik an.

 

Medikamente nur, wenn das Leiden chronisch ist und anders nicht in den Griff zu bekommen!

 

Protonenpumpenhemmer und magensafthemmende Medikamente sind durchaus stark wirksame Medikamente mit Konsequenzen für den Stoffwechsel. Ist die Situation ausgeprägt und chronisch, sind Protonenpumpenhemmer zunächst das kleinere Übel, bevor die Schleimhäute der Speiseröhre zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie sind aber keine endgültige Lösung für das Problem! Durch das absetzen der Protonenpumpenhemmer kommt es zu einem Phänomen, das man „Rebound-Effekt“ nennt: das Sodbrennen wird verstärkt. Abgesehen davon kann es nicht Sinn der Sache sein, permanent die Eiweißverdauung zu hemmen. Ich habe da in meiner Naturheilpraxis schon sehr schlechte Erfahrungen von Patienten berichtet bekommen. Der „Gipfel“ dieser Erfahrungen war, dass ein Patient nach stressbedingtem Sodbrennen und dessen medikamentöser Therapie sich einen Abszess im Analbereich eingehandelt hat!

 

Langfristig kommt man um eine Sanierung des Milieus nicht herum. Dieses besteht aus drei wichtigen Punkten:

 

  • Darmsanierung und Regulation der Darmflora
  • Stimulation und Koordination des darmassoziierten Nervensystems, vegetative Regulation
  • Behandlung der eventuell bestehenden Grunderkrankung (auch, um eventuell notwendige Medikamente absetzen zu können)
  • Noch eine Anmerkung zum Schluss: wer längere Zeit Protonenpumpenhemmer eingenommen hat, benötigt viel Geduld beim Absetzen!

 

Quellen:

 

https://www.webmd.com/heartburn-gerd/triggers#1 

https://www.prevention.com/food/5-real-causes-heartburn 

http://www.health.com/health/gallery/0,,20389438,00.html

https://www.emedicinehealth.com/heartburn/article_em.htm

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