Was es über Ihre Gesundheit aussagt, wenn Sie die Sonne nicht vertragen

„I can’t stand the rain“ - sang vor vielen Jahren Tina Turner. Es muss glaube ich in 1984 gewesen sein. Damals war ich 13 bzw. 14, und wenn ich mich recht zurück erinnere, kein besonders schöner Sommer.

 

Das „kein besonders schöner Sommer“ trifft ohne Einschränkung auch auf 2017 zu - zumindest hier, wo ich lebe: im Main-Kinzig-Kreis. Eine richtige, längere Schönwetterperiode gab es eigentlich überhaupt nicht. Die Sonnenstunden waren deutlich unter Durchschnitt. Dazu war es ständig feucht und je nach Temperatur entweder kühl - oder schwül. Eines von beiden. Der Herbst entpuppt sich bis jetzt als Totalausfall. Im September hatten wir einen (!) Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 20°. Im ersten Oktoberdrittel bis jetzt eine einstellige Zahl von Sonnenstunden. Die Temperatur? Höchstwerte meist um 10-12 °C.

 

Dennoch gibt es etliche Personen, für die dieser Sommer und dieser Herbst durch die Bank viel zu warm und außerdem - man glaubt es kaum! - zu sonnig war!

 

Die Sonne nicht vertragen?!

 

Ob Sonnenallergie, Mallorca-Akne oder Probleme mit Wärme ab Temperaturen um 25°C: in Internet-Foren, in denen es um das Wetter oder um die Gesundheit geht, werden die Menschen immer zahlreicher, denen selbst moderater Sonnenschein zu schaffen macht. Noch in den achtziger Jahren sah es völlig anders aus: damals beschwerten sich die Menschen darüber, wenn der Sommer mal wieder „ausfiel“.

 

Natürlich stellt sich die Frage: ist diese Entwicklung der Klimaerwärmung zu verdanken?

 

Ich persönlich habe ja nicht den Eindruck, dass unsere Sommer wesentlich sonniger geworden sind. Wärmer vielleicht - was aber zu einem großen Teil daran liegt, dass es in der feuchten Luft nachts nicht so stark abgekühlt. Aber sonniger? Die meisten Sommer in meiner Studienzeit, in den neunziger Jahren, waren wochenlang überwiegend sonnig und nur von kurzen Wärmegewittern unterbrochen. Der (vorläufige) Höhepunkt dieser Entwicklung: das „berühmt-berüchtigte“ 2003. Von da an ging es mit der Entwicklung unserer Sommer, was das sonnen-technische betrifft, eher bergab.

 

Ergo: es liegt nicht an den Sommern, sondern an den Menschen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: was hat es aus gesundheitlicher Sicht zu bedeuten, wenn Sonne und Wärme nicht mehr vertragen werden?

 

Hitzeempfindlichkeit, Photosensibilität, Sonnenallergie…

 

Sie kommt in verschiedenen Formen zu uns: Aktinischer Juckreiz, Urtikaria, aber auch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und sogar Atemnot sind Probleme, die mit einer Überempfindlichkeit gegen Sonne und Wärme assoziiert sind. Zunächst einmal müssen wir davon ausgehen, dass die Beschwerden durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Hier eine Aufzählung der wichtigsten:

 

  • Antidepressiva
  • Substanzen zur Steigerung der Aufmerksamkeit (Ritalin)
  • Nicht-steroidale Entzündungshemmer und Schmerzmittel
  • Antihistaminika
  • Hormonpräparate
  • Immunsuppressiva
  • Diuretika (entwässernde Mittel)
  • Blutverdünner
  • blutdrucksenkende Mittel
  • bestimmte Antibiotika

 Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass immer mehr Menschen Medikamente einnehmen. Das betrifft mittlerweile nicht nur alte Menschen. Das ist ein möglicher Grund, warum immer mehr Menschen überempfindlich gegenüber Sonne und Wärme werden.

 

Ein hormonelles Problem, das mit Hitze assoziiert ist

 

Normalerweise reguliert der Hypothalamus unserer Empfindung von Wärme und Kälte. Er sendet entsprechende hormonelle und nervliche Signale, die eine Reaktion des Organismus auf Hitze bzw. Kälte auslösen - Schweiß bzw. Zittern.

 

Wie auch immer: bei manchen Personen ist die Reizleitungsübertragung der Nervenzellen ab bestimmten Temperaturen gestört. Sie sprechen sozusagen nicht mehr physiologisch auf Hitze an. Dadurch ist die körpereigene Temperaturregulation gestört. Es kommt zu starker Erschöpfung, Schwindel, eventuell Übelkeit und Atemnot. Da der Hypothalamus über die Achse Hypophyse-Nebenniere vor allen Dingen Stressreize koordiniert (Hormon: Corticotropin-Releasing-Hormone), kann man davon ausgehen, dass Menschen mit dieser Art von Regulationsstörung zu einem gewissen Grad an einer vegetativen Erschöpfung leiden.

 

Wie die oben aufgezählten Medikamente auf den Organismus wirken

 

Wenn ich mir die oben genannte Liste von Medikamenten ansehe, lassen sie sich bei allen Unterschieden in drei Kategorien einordnen:

 

Einige der Medikamente verändern das humorale Abwehrsystem (die Th2-vermittelte Abwehr), wie beispielsweise Antibiotika und Immunsuppressiva und - indirekt (über die Ausschüttung von Prostaglandin-E) auch Schmerzmittel. Einige der Medikamente greifen in das hormonelle Gefüge ein und / oder verändern die Harmonie zwischen Sympathikus und Parasympathikus: dazu zählen auch die Diuretika - und zwar über die Ausscheidung von Natrium! Die dritte Gruppe greift ins Herz-Kreislauf-System ein: indirekt wird dem Sympathikus über diese Schiene ebenfalls Energie geraubt!

 

Auf einen Nenner gebracht: zwei große Grundprobleme?

 

Wenn ich aufgefordert bin, diese ganzen Erkenntnisse auf den größten gemeinsamen Nenner zu reduzieren, finde ich tatsächlich zwei große regulative Störungen, die Menschen über empfindlich gegenüber Sonne und Wärme machen: erstens die vegetative Erschöpfung, zweitens die Dominanz und die ständige Alarmbereitschaft der humoralen Abwehr, die auch zu Problemen wie Allergie und Atopie führt.

 

Beide Phänomene betreffen in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich mehr Personen als jemals zuvor. Und beide Phänomene sind die Folge der größten Probleme unserer Zeit: nämlich Stress und Schadstoffbelastung. Dabei können und sollten wir den Stress nicht allein auf das eingrenzen, was man landläufig darunter versteht: nämlich psychologischen Stress. Der Stress ist ebenfalls zu einem großen Teil organischer Natur, wie man ihn beispielsweise in Form latenter und subtiler Entzündungen sowie Einseitigkeiten des Immunsystems bei Krankheiten wie dem chronischen Erschöpfungssyndrom findet.

 

Ich gebe zu: das ist eine grobe Vereinfachung. Doch andererseits glaube ich nicht, dass sich unser Klima in den letzten 30 Jahren so radikal verändert hat, dass wir quasi „südmediterrane Verhältnisse“ hier in Mitteleuropa haben und der durchschnittliche mitteleuropäische Mensch nicht die Zeit hatte, sich diesen Umstand anzupassen. Wer einmal einen Sommerurlaub auf Sizilien oder in Tunesien verbracht hat, der weiß, dass die Sommer dort eine völlig andere Qualität haben als auch nur in Norditalien oder Südfrankreich, geschweige denn in Mitteleuropa!

 

Es geht dabei nicht so sehr um die Temperaturen. Die mögen in den vergangenen 30 Jahren durchaus um das ein- oder andere Grad angestiegen sein. Auch sind sizilianische Sommer - zumindest an den Küsten - nicht so heiß, dass uns die Temperaturen in Mitteleuropa völlig fremd werden. Allein die Intensität der Sonne und die „endlose“ Länge von Schönwetterperioden machen den Unterschied. Und diese haben wir in Mitteleuropa nach wie vor nicht, mit der Ausnahme von 2003!

 

Wir haben im Durchschnitt wärmere und mit großer Sicherheit auch schwülere Sommer. Aber wir haben keine „mediterranen“ Sommer - allen Unkenrufen zum Trotz! Ein vollmediterraner Sommer hat über die Dauer von 4 Monaten hinweg (Anfang Juni – Ende September) maximal 7 bewölktere Tage mit eventuellem Niederschlag! Der Rest ist durch die Bank sonnig, mit der intensiven, hoch stehenden „sizilianischen“ oder südspanischen bzw. griechischen Sonne!

 

Man kann es drehen und wenden wie man will: vor allen Dingen Sonnenempfindlichkeit, aber auch Wärmeempfindlichkeit bereits gegenüber moderat warmen Temperaturen um 25°C - dass mit über 35° Hitze so ziemlich jeder Mensch Probleme hat, bestreitet keiner! - Sind der Ausdruck gesundheitlicher Probleme. Und nicht eines veränderten Klimas!

 

Quellen:

 

https://www.accuweather.com/en/weather-news/4-ways-medications-make-you-more-vulnerable-to-heat-and-sun/70001888 

https://www.brainandspine.org.uk/heat-sensitivity-and-hot-temperatures 

http://www.nmbreakthroughs.org/daily-health/guide-to-heat-related-illness 

https://www.nih.gov/news-events/news-releases/sun-exposure-may-trigger-certain-autoimmune-diseases-women 

https://www.healthafter50.com/drugs-and-supplements/article/surprising-causes-of-sun-sensitivity 

https://www.health.harvard.edu/allergies/sun-allergy-photosensitivity 

http://www.skincancer.org/publications/photosensitivity-report/diseases-related-to-abnormal-photosensitivity-responses-of-the-skin

 

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