Der eklatante Unterschied zwischen Burnout-Syndrom und chronischem Erschöpfungssyndrom

„Burnout“ bedeutet ausgebrannt. Ausgebrannt wiederum ist ein Synonym für erschöpft. Zumindest, wenn es um Menschen und nicht um Kaminscheite geht.

 

Da stellt sich natürlich die Frage: was ist dann der Unterschied zwischen einem Burn-Out-Syndrom und einem chronischen Erschöpfungssyndrom? Wenn man sich eine Weile damit beschäftigt, ist es fast trivial: eins von den beiden ist nämlich eine echte Krankheit und keineswegs ein Syndrom. Das Andere ist und bleibt hingegen ein Syndrom.

 

Allgemeinplätze beim Allgemeinarzt?

 

Nehmen wir einmal an, Sie gehen mit folgenden Symptomen zum Arzt:

 

  • Sie fühlen sich ständig müde und erschöpft.
  • Sie fühlen sich müde und erschöpft in dem Sinne, als ob Sie eine Grippe hätten, die „irgendwie nicht aufhört“.
  • Sie haben nicht das Gefühl, dass Schlaf Ihnen auch nur ansatzweise Erholung bringt.
  • Sie haben jedoch das Gefühl, dass jede kleinste Anstrengung - ob diese nun körperlich ist oder mental - Ihre Beschwerden verschlimmert und sie sich nicht wieder davon erholen können (oder nur sehr langsam).
  • Dabei frösteln Sie beständig.
  • Sie haben auch geschwollene Lymphknoten - was in das Bild von der „Grippe, die nicht aufhört“ passt.
  • Sie haben diese Beschwerden jetzt schon einige Monate.
  • Muskeln und Gelenke schmerzen, Sie fühlen sich wie zerschlagen.
  • Versuche, Ihr Leben umzustellen, scheitern kläglich: erstens haben Sie das Gefühl, gesunde Ernährung entweder nicht zu vertragen oder, dass es Ihnen dadurch noch schlechter geht. Zweitens: jeder Ansatz, sich zu mehr Sport aufzuraffen, scheitert kläglich - weil Sie schon nach einem Spaziergang das Gefühl haben, zusammenzubrechen.

 Wenn der Arzt tatsächlich nur 8 Minuten Zeit für sie hat, wird es eng mit der Diagnose. Läuft es schlecht, diagnostiziert er ein „Burn-Out-Syndrom“ und speist Sie mit: „nehmen Sie mal zwei Wochen Urlaub!“ ab. Dann könnte es Ihnen durchaus blühen, dass der Arzt „eine Ratte riecht“ - und sie mit Verdacht auf eine Krebserkrankung oder Leukämie zum Facharzt weiter verweist. Wenn ihr Arzt clever sein sollte, diagnostiziert er hormonelle Probleme, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion. Sollte er sehr clever sein, nimmt er labormedizinisch unspezifische Immun- und Entzündungsparameter und diagnostiziert eine Fibromyalgie. Und wenn er phänomenal clever ist, macht er das gleiche - und diagnostiziert ein chronisches Erschöpfungssyndrom.

 

Sollte das Letztere zutreffen, weiß er auch, dass es sich dabei um eine ernst zu nehmende Krankheit handelt, auch wenn sie nicht an einem konkreten Organbild festzumachen ist.

 

Das bedeutet: der Unterschied zwischen der Diagnose „Burnout-Syndrom“ und „chronisches Erschöpfungssyndrom“ sind zwei Enden einer Skala. Und das meine ich so, wie ich es sage!

 

Der Allgemeinplatz ist die Diagnose „Burnout-Syndrom“!

 

Fakt: die Diagnose Burnout-Syndrom ist im vorliegenden Fall ein Allgemeinplatz, zudem einer, der nicht stimmt. Denn ein Burn-Out-Syndrom ist tatsächlich „nur“ eine Erschöpfung. Während das chronische Erschöpfungssyndrom zwar eine Erschöpfung beinhaltet - daher der Name - aber eben nicht nur.

 

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist eine systemische Erkrankung, die eine chronische Entzündung beinhaltet. Sie beinhaltet ebenso eine lang bestehende Entgleisung des Immunsystems. Und wie das so ist mit dem Immunsystem: wenn dieses hyperaktiv ist, besteht erstens eine chronische Entzündung und zweitens gibt es im Organismus ein Problem, das nicht ausschließlich mit zu viel Arbeit, zu viel Stress oder mit Problemen in der Familie begründbar ist.

 

Beim chronischen Erschöpfungssyndrom können organspezifische Begleiterscheinungen auftreten

 

Das chronische Erschöpfungssyndrom geht häufig mit organspezifischen, begleitenden Krankheiten einher. Recht häufig ist Reizdarm. Ebenfalls recht häufig sind diffuse Muskel- und Gelenkbeschwerden. Erscheinungen wie bei einer chronischen Erkältung oder einer leichten echten Grippe sind ebenfalls an der Tagesordnung. Auffällig ist, dass entweder recht häufig in Wellen eine leicht erhöhte Temperatur besteht oder sogar eine notorisch zu tiefe Körpertemperatur im Bereich von 35,0-35,7°C („Kerntemperatur“, z.B. oral gemessen). Meiner Erfahrung nach weist die notorisch leicht erhöhte Temperatur auf Beteiligung einer chronischen Virusinfektion hin (so genannte „Slow-Virus-Infection“, z.B. mit Mononukleose, HPV, Cytomegalie, Herpes, Coxsackie-Viren o.a.).

 

Auf jeden Fall ist beim chronischen Erschöpfungssyndrom immer ein Prozess beteiligt, der das Immunsystem beständig reizt und so einer Einseitigkeit hervorruft. Diese Einseitigkeit führt zu einer Entzündung im Organismus. Eine Entzündung wiederum bindet Energie.

 

Jemand, der nicht von einem chronischen Erschöpfungssyndrom betroffen ist, sollte sich einfach nur mal vorstellen, wie es wäre, „eine Grippe zu haben, die nicht aufhört“.

 

Beim Burnout-Syndrom besteht keine offensichtliche Entzündung - mit einer Ausnahme

 

Das Burnout-Syndrom wird als Synonym für „Erschöpfung durch dauerhaften, mentalen, emotionalen oder allgemein psychischen Stress“ gebraucht. Das ist in den meisten Fällen sicher richtig, aber meinem Erachten nach nicht 100 % korrekt. Organischer Stress ist fast immer am Burn-Out-Syndrom mitbeteiligt. Unsere zivilisatorische Lebensweise beinhaltet zwangsläufig so einiges an organischem Stress:

 

schlechte Ernährung, Nahrungsmittelzusatzstoffe, technische Strahlung, sitzende Lebensweise sind die wichtigsten. Ich sehe beim Burn-Out-Syndrom häufig auch das Thema unterdrückte Erkältungen. Jemand ist ab und an erkältet, kann es sich aber nicht leisten, der Arbeit fern zu bleiben und sich auszukurieren. Was tut er? Er nimmt eine Paracetamol und arbeitet weiter. Ist jedoch Paracetamol so etwas Ähnliches wie ein David Copperfield in Tablettenform? Schwingt „ES“ den Zauberstab und bringt die Erkältungsviren wunderbarer Weise zum Verschwinden? Nein, es unterdrückt nur Symptome. Die Viren sind aber immer noch da. Sie verbleiben möglicherweise lange im Körper. Dabei ist das Immunsystem (auch aufgrund des chronischen Stresses) unterdrückt. Da wir jedoch die Eigenschaft haben, in den Zell- und Energiestoffwechsel des Organismus einzugreifen, wird auf diesem Weg das Stressmanagement-System des Körpers ausgehebelt, es kommt zu einem Erschöpfungszustand, nämlich zu „Burn-Out“.

 

Dabei kann durchaus sogar ein latentes immunologisches Problem bestehen, es kommt nur nicht zu einer offensichtlichen Entzündung.

 

Je nach der Konstitution des Betroffenen kann sich eine chronische Entzündung manifestieren, was letzten Endes zur Diagnose „chronisches Erschöpfungssyndrom“ führt. Oder das Immunsystem wird langfristig unterdrückt, folgt einem anderen Pfad und es kommt einfach nur zu Burnout. Das chronische Erschöpfungssyndrom ist jedoch insgesamt von seiner Symptomatik und Thematik her wesentlich ernsthafter, vielschichtiger und tief gehender.

 

Das Dilemma beim chronischen Erschöpfungssyndrom

 

Da die Krankheit so unspezifisch ist, die Erschöpfung das hervorstechende Merkmal und keine „eigenen“ Laborparameter für das chronische Erschöpfungssyndrom erhoben werden können, nimmt man die Krankheit (leider!) medizinischerseits häufig nicht ernst. Was einen Patienten dazu veranlasst, eine Therapie beim Umweltmediziner oder eventuell beim Heilpraktiker aufzunehmen.

 

Abgesehen davon ist die unspezifische Entzündung beim chronischen Erschöpfungssyndrom auch schwer zu therapieren. Zumindest, was die medizinische Seite angeht. Betroffene haben häufig eine jahrelange Leidenszeit.

 

Zusammengefasst: bei einem chronischen Erschöpfungssyndrom beruht die Erschöpfung auf einer langen Phase organischer und im Stoffwechsel verhafteter Probleme. Bei einem Burn-Out-Syndrom sind es überwiegend psychische Probleme bzw. psychischer Stress, „angereichert“ um eine kleine, organische Komponente.

 

Quellen:

 

https://www.mind-body-health.net/burnout.shtml

http://myburnoutthing.com/definition-of-burnout/the-difference-between-adrenal-fatigue-and-mecfs/

https://cfsremission.com/2017/01/08/th1-th2-ratio-and-probiotics/

http://www.prohealth.com/library/showarticle.cfm?libid=7639

 

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