Fibromyalgie: wie ein Stresshormon daran beteiligt sein kann

Wirft man eine bekannte Suchmaschine an und gibt die Frage nach der Ursache für das primäre Fibromyalgie-Syndrom ein, erntet man nicht viel Brauchbares.

 

Von „Ursache nicht bekannt“ über „Schmerzverarbeitung gestört“ bis hin zu „vegetativen und psychosozialen Faktoren“ reichen die (vor allen Dingen für den Betroffenen) nicht wirklich befriedigenden Antworten.

 

Zeit, dem chronischen Schmerz auf den Zahn zu fühlen…

 

Zunächst einmal zur Frage: was ist das, eine primäre Fibromyalgie bzw. ein primäres Fibromyalgie-Syndrom (FMS)? Es handelt sich um eine subklinische Entzündung mit diffusen, flächigen oder lokalen tief in der Muskulatur steckenden Schmerzzuständen, einer Erschöpfung (Parallelen zum chronischen Erschöpfungssyndrom!) und verschiedenen vegetativen Symptomen.

 

Man hält die Fibromyalgie immer noch für eine Verlegenheitsdiagnose, man hält sie aber auch für selten und für harmlos. Pustekuchen! 6 % aller Patienten, die in Deutschland eine Allgemeinarztpraxis aufsuchen, leiden am Fibromyalgie-Syndrom! Also ist sie durchaus nicht so selten, wie man eigentlich annehmen sollte.

 

Ich bin grundsätzlich der Meinung: unklare allgemeine Erkrankungen mit einer unterschwelligen Entzündungsaktivität haben grundsätzlich eine Kombination von mehreren Ursachen, die freilich von Patient zu Patient unterschiedlich gewichtet sind. Ich möchte mich in diesem Blogbeitrag auf eine mögliche Ursache konzentrieren: nämlich das körpereigene, hormonell-vegetative Stressmanagement.

 

Mehrere Studien zum Thema Fibromyalgie-Syndrom stellen bei vielen der Patienten einen Zustand fest, der medizinisch als „Hypocortisolismus“ bezeichnet wird. Hinter diesem sperrigen Wort verbirgt sich eine Erschöpfung des körpereigenen Stressmanagement-Systems, das über die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren läuft. Einige andere Studien wiederum finden eine erhöhte Cortisol-Konzentration bei Fibromyalgie-Patienten. 

 

Nun hat Cortisol ja so einige langfristige Wirkungen auf den Körper, wenn man es entweder als Arzneimittel nimmt oder der Körper aufgrund verschiedener Stressfaktoren dazu gezwungen wird, Lange verstärkt Cortisol auszuschütten. Cortisol ist ein Langzeitstresshormon, das nach den Akut-Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin aktiv wird. Es hat sehr viele Eigenschaften, die es durchaus mit einem Fibromyalgie-Syndrom in Verbindung bringen. Hier einige Eigenschaften von Cortisol:

 

  • Es ist ein „kataboles Hormon“, das den Abbau von Eiweiß aus dem Gewebe anregt
  • mit dieser Eigenschaft beeinflusst es indirekt den Säure-Base-Haushalt
  • es erhöht den Blutzuckerspiegel – langfristig
  • ein langfristig erhöhter Cortisolspiegel wird mit der Entwicklung des Cushing-Syndroms in Verbindung gebracht. Zwar ist dieses bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei langfristiger medizinischer Anwendung einer hohen Dosierung von Cortison, in Ansätzen kann sich jedoch ausbilden.
  • Zu diesem Syndrom zählt, dass es langfristig „Einschmelzungen“ von Bindegewebe verursachen kann. Dadurch verliert das Bindegewebe seine Elastizität.
  • Der Muskeltonus wird erhöht, dadurch kommt es zu einer verstärkten Bildung von Milchsäure im Gewebe
  • All diese Eigenschaften erhöhen sowohl die Schmerzsensibilität als auch die Neigung zu Schmerz im Bindegewebe und in der Muskulatur. Aber eine Eigenschaft wird meist nicht beachtet - und die ist mindestens genauso wichtig!

 

Cortisol und der Darm

 

Cortisol entzieht dem Verdauungstrakt als Langzeit-Stresshormon Energie. Das Enzymsystem funktioniert schlechter, die Peristaltik wird verlangsamt. Die Verdauung wird geschwächt. Die Darmflora wird umgebaut. Es kann zu schädlicher Gärung im Dünndarm und zu Fäulnis im Dickdarm kommen. Dadurch kommt es zur Vermehrung bestimmter Bakterien, die Histamin freisetzen. Eventuell kann sich - auch aufgrund eines dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegels - ein Darmpilz einstellen (Candida). Candida-Pilze produzieren „Neurotoxine“, also Nervengifte. Nervengifte reizen Nerven.

 

Dies, plus der permanente Stress im System, erhöht sukzessive die Schmerzempfindlichkeit von Nervenzellen.

 

Sie ahnen wahrscheinlich spätestens jetzt, worauf diese fatale Kombination hinausläuft:

 

  • Zunehmender Verlust von Flexibilität und Elastizität in Muskulatur, Sehnen und Bindegewebe
  • Verschiebung des Säure-Base-Haushalts
  • Darmdysbiose und damit Überflutung des Organismus mit Histamin und Nervengiften
  • Immer stärker werdende und permanente Reizung der Signalübertragung von Nervenzellen und schließlich
  • Erschöpfung des Systems durch eine zunehmende Insuffizienz von Hypothalamus und / oder Hypophyse und / oder Nebennieren - dadurch erhöhte Entzündungsbereitschaft.

 

Worauf laufen diese Symptome hinaus? Richtig: auf eine Fibromyalgie!

 

Frage: warum wird bei einigen Fibromyalgie-Patienten zu viel Cortisol im System registriert, bei anderen zu wenig?

 

Ich denke, dass sich ein voll manifestes Fibromyalgie-Syndrom schon in der „Stressphase“ ausbilden kann, wenn der Cortisolspiegel noch hoch liegt. Bereits in dieser Phase kann es durch Überreizung, Übersäuerung und Neurotoxine zu chronischen Schmerzzuständen kommen. Die Krankheit ist bereits da, aber erst mit der Erschöpfung des Stress-Management-Systems manifestiert sich die subtile, aber generalisierte Entzündung richtig und vor allen Dingen treten die übrigen Symptome, die mit einem Fibromyalgie-Syndrom verbunden sind, erst richtig zu Tage:

 

  • Erschöpfung
  • schlechter Schlaf
  • Konzentrationsschwäche
  • Überforderungsgefühle
  • depressive Verstimmung
  • und sogar Depressionen

 

Dass die Fibromyalgie auch viel mit dem Darm zu tun haben kann, kann ich daraus herleiten, dass das Syndrom häufig mit verschiedenen Nahrungsmittelunverträglichkeiten einhergeht. Ich habe bisher besonders häufig eine Fruchtzuckerintoleranz beobachtet. Auch andere Zuckerarten, aber auch Getreide, Milcheiweiß und sogar Gluten werden von vielen Fibromyalgie-Patienten schlechter vertragen.

 

In der Stressphase mit erhöhtem Cortisolspiegel wird oft auch tierisches Eiweiß schlecht vertragen, was die Auswahl der geeigneten Nahrungsmittel immer weiter einschränkt.

 

Kaum zu glauben, aber wahr: am Anfang all dieser Probleme stand eine raumgreifende, permanente Dauerstressbelastung und erhöhte Ausschüttung von Cortisol!

 

Natürlich muss man dazu sagen - meine regelmäßigen Leser wissen dies - dass dieser „Stress“ nicht nur von außen kommt, in Form von Problemen, an denen die Psyche zu kauen hat. Dieser Stress ist auch ein Zeichen dafür, dass im Organismus von vornherein etwas nicht in Ordnung ist bzw. war. Viele kompetente Therapeuten bringen auch die Fibromyalgie - genauso wie eine Depression oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom - zumindest zum Teil mit Problemen im Darm in Zusammenhang.

 

Fibromyalgie, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Burnout sind Krankheiten, die sich erst in den letzten Jahrzehnten so richtig ausbreiten und um sich greifen. Und mit Sicherheit sind Sie ein möglicher Ausdruck dafür, wie ein kranker Darm auf sich aufmerksam machen kann!

 

Quellen:

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17454963

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11084955

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=28992  

https://chriskresser.com/is-fibromyalgia-caused-by-sibo-and-leaky-gut/

http://www.nutramed.com/fibromyalgia/fmallergy.htm

http://www.fibromyalgia-symptoms.org/effect-of-food-allergies-on-fibro-gluten-intoleran

https://www.verywell.com/food-related-problems-in-fibromyalgia-and-cfs-715770

 

 

 

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