Diabetes Typ 2: warum auch schlanke Personen nicht sicher sind

Diabetes hieß früher „Zuckerkrankheit“. Wir haben schon als Jugendliche gelernt, dass man Diabetes bekommt, wenn man zu viel Zucker isst. Das ist natürlich wissenschaftlich gesehen so nicht ganz korrekt. Das Problem bei Diabetes: es wird nicht unbedingt zu viel Zucker gegessen, sondern zu wenig vom Körper verwertet. Der Stoffwechsel stößt bei der Verwertung von Glukose an seine Grenzen.

 

Sind es die „Vielfraße“, die Diabetes bekommen?

 

Ein bisschen später hieß es dann: nein, der Zucker ist nicht alleine schuld! Es sind die Kohlenhydrate im Allgemeinen, die das Diabetes-Risiko ansteigen lassen. Also: Finger weg von Brot, Brötchen, Nudeln, Reis und Co.!

 

Noch etwas später haben wir gelernt, dass Diabetes etwas mit Entzündung zu tun haben muss - einer unterschwelligen Entzündung, verursacht durch etwas, das man auch als viszerales Fett bezeichnet. Es wird auch „Bauchfett“ genannt. Begriffe wie das metabolische Syndrom wurden geprägt, eine Verbindung aus vier lebensverkürzenden Stoffwechselproblemen:

 

  • Erhöhten Blutfettwerten
  • Erhöhtem Körpergewicht und besonders „Bauchfett“
  • Erhöhtem Blutdruck und natürlich
  • Erhöhtem Blutzucker!

 

Der Tenor dieser Betrachtung: Personen, die das meiste Fett oberhalb der Gürtellinie haben, sind stärker gefährdet, an Altersdiabetes zu erkranken als solche, bei denen sich die Pölsterchen unterhalb der Gürtellinie versammeln. Sprich: die Birnenform ist besser als die Apfelform!

 

Aber egal, welcher „Trend“ den Weg vorgab: der Zeigefinger deutete immer auf Menschen mit Übergewicht. Auf Personen, die sich zu wenig bewegen und im Verhältnis zu viel essen.

 

„Das ist so nicht ganz korrekt“, weiß Chris Kresser, Amerikanischer Arzt und Autor. Aus über zehnjähriger Beobachtung von Patienten mit Altersdiabetes hat er folgende Schlüsse gezogen: es gibt stark übergewichtige Menschen, deren Stoffwechsel vollkommen korrekt abläuft. Aber es gibt auch Personen, die jahrzehntelang ihr Idealgewicht halten - und dennoch eine Diabetes-Krankheit entwickeln.

 

„Die Gemeinsamkeit von dünnen und dicken Patienten mit Diabetes ist schlicht folgende: Sie haben einen zu hohen Blutzuckerspiegel“, so Chris Kresser.

 

Aber warum sollten dünne Menschen, die sich womöglich noch gesund ernähren und regelmäßig bewegen, Diabetes entwickeln? Kresser nennt hierfür vier Gründe:

 

Erstens: die Gene! Studien haben gezeigt, dass schlanke Personen, deren Eltern Diabetes hatten, wahrscheinlicher ebenfalls diese Erkrankung entwickeln als ihre ebenso schlanken Mitmenschen, deren Eltern aber kein Diabetes hatten.

 

Zweitens: eine nichtalkoholische Fettleber. Diese Erkrankung kommt erstaunlicherweise auch bei sehr schlanken Menschen vor. Transfettsäuren, eine veränderte Darmflora oder umweltmedizinische Einflüsse spielen eine Rolle. Und natürlich können auch schlanke Menschen sich durchaus schlecht ernähren! Mit dieser Erkrankung häufig einher geht die Insulinresistenz - die Vorstufe von Diabetes!

 

Drittens: Entzündung. In der Literatur wurde bisher klar der Autoimmundiabetes (Typ 1) vom Altersdiabetes (Typ 2) unterschieden. Jedoch sollen auch Diabetes-Typ-2-Patienten mit einer chronischen Entzündung im Körper zu tun haben, zur erhöhten Ausschüttung von Interleukin 6 führt. Dieser Faktor wiederum führt zu erhöhter Insulinresistenz. Auch wird diskutiert, ob sich die beiden Diabetes-Typen immer so scharf auseinanderhalten lassen, wie man bisher dachte. Vereinzelt soll sich aufgrund einer chronischen Entzündung der Autoimmundiabetes langsam und mit höherem Lebensalter entwickeln - eine Art „Diabetes Typ 1,5“ sozusagen.

 

Viertens: chronischer Stress. Chronischer Stress führt sowohl bei dicken als auch bei schlanken Menschen zur Ausschüttung von Kortisol - ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel erhöht. Hält der chronische Stress lange genug an, zeigt sich der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht.

 

„Menschen mit wenig Fett an den Beinen bekommen Diabetes!“

 

Im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung wurden schlanke Menschen mit einem gestörten Stoffwechsel ermittelt: deren Risiko für eine Erkrankung liege sogar höher als das von „gesunden“ Dicken Personen. Übereinstimmendes Merkmal: die Personen, die dies betrifft, haben besonders wenig Fett an den Beinen bzw. sehr schlanke Beine.

 

Eventuell findet man irgendwann einmal heraus, dass die Funktionen des Stoffwechsels vom Verhältnis des Körperfetts zwischen „unterhalb“ und „oberhalb“ der Gürtellinie abhängt und weniger von der absoluten Menge. Sprich: extrem schlanke Beine, aber ein bisschen Bauchfett - das kann Zeichen für eine Stoffwechselstörung sein!

 

Quellen:

 

http://www.focus.de/gesundheit/diverses/gesundheit-koerpergewicht-nicht-allein-entscheidend-beim-diabetes-risiko_id_7469030.html

https://chriskresser.com/think-skinny-people-dont-get-type-2-diabetes-think-again/

http://www.dailymail.co.uk/health/article-2008884/Its-just-fat-people-The-slim-healthy-diabetes-too.html

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