Wann schicke ich einen Patienten zu einem Arzt?

Als Heilpraktiker ist man oft ziemlich in der Zwickmühle.

 

Auf der einen Seite sind Ärzte die „letzte Instanz“, wenn es um die Feststellung, Heilung und / oder Linderung von Krankheiten, Leiden und Beschwerden beim Menschen geht. Was die Möglichkeiten der Heilpraktiker zur Behandlung von Krankheiten angeht, husten wir im Verhältnis zu Ärzten eher dünn – obwohl wir natürlich durchaus viele Freiheiten genießen.

 

Auf der anderen Seite jedoch ist der Arzt der Heilberufler, der ins gesetzliche Gesundheitssystem eingebettet ist. Deswegen reizen 99 % aller Patienten zunächst die „Arzt-Schiene“ aus, bevor sie sich zu einem Heilpraktiker begeben.

 

Der Gang zum Heilpraktiker ist also paradoxerweise der letzte Schritt, obwohl Ärzte hierarchisch gesehen über uns stehen.

 

Gut 80 % meiner Patienten sind medizinischerseits austherapiert

 

Und dann bin da ich. Selbst als Heilpraktiker bin ich eine ziemlich kleine Nummer. Wenn Sie in meinen Behandlungsraum kommen, finden Sie da mich, einen Schreibtisch, eine Behandlungsliege, ein paar Stühle, ein Regal mit ein paar homöopathischen Mitteln, ein Laptop und ein paar nette Kalendersprüche an der Wand. Kein eigenes Labor, keine Spritzen, nichts „Invasives“, keine aberwitzigen Diagnosegeräte wie Dunkelfeld, Bioresonanz, Elektroakupunktur nach Voll oder auch nur ein Irismikroskop.

 

Meine „Waffen“? Ein ausführliches, langes Gespräch zur Erstanamnese und der gesunde Menschenverstand. Und vielleicht ein bisschen Intuition. Das war‘s!

 

Ich für meinen Teil komme damit wunderbar klar. Aber auf der anderen Seite muss ich natürlich meinen Patienten die Sicherheit geben, die sie erwarten und verdienen. Das hängt natürlich auch ein bisschen von den Patienten ab. Ich habe es zum Beispiel schon erlebt, dass der ein- oder andere Patient förmlich verweigert hat, meiner Empfehlung zur ärztlichen Kontrolle nachzukommen (häufig ist das allerdings nicht der Fall).

 

Manchmal, oder besser gesagt öfter, kommt man aber ohne sie nicht aus. Genauso wie ohne den gelegentlichen Einsatz „schulmedizinischer“ Medikamente. Mit diesem Blog möchte ich Ihnen verraten, wann ich Patienten empfehle, zum Arzt zu gehen:

 

  • Wenn ich den Verdacht habe, dass sich hinter den ermittelten Symptomen eine bisher nicht erkannte, chronische Krankheit verbirgt
  • Wenn im Rahmen einer chronischen Krankheit sich das Beschwerdebild für länger als 3-5 Tage verschlechtert („Schub“)
  • Wenn plötzlich akute Symptome auftreten, die den Verdacht auf einen behandlungsbedürftigen Infekt nahe legen
  • Wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht verbessern oder gar verschlechtern
  • Zur Abklärung von Allergien, Unverträglichkeiten und Intoleranzen
  • Zur objektiven Überprüfung subjektiver Veränderungen im Befinden (Laborkontrolle, um den Patienten Sicherheit zu geben)
  • Zur Ausschlussdiagnostik, bei funktionellen Störungen, wo man eine organische Ursache aber nicht komplett ausschließen kann

 

Einseitigkeiten vermeiden!

 

Leider fördert die Presse die Feindbilder „Heilpraktiker“, „Homöopathie“ und „Naturheilkunde“, wo sie nur kann. Dass es in unserem Metier einige „Irre“ gibt, will ich nicht bestreiten. Extremisten sowohl bei den Therapeuten als auch bei den Patienten gibt es ebenfalls auf beiden Seiten - leider. Wie gesagt, es gibt tatsächlich Patienten, die sich kategorisch weigern, zu einem Arzt zu gehen, auch wenn das mal wirklich angebracht wäre. Es gibt allerdings auch Patienten, die sich nach 20, 30 Jahren eines chronischen Leidens ohne jegliche Erfolge in der Therapie seitens der Medizin immer noch kategorisch weigern, mal einen Arzt für Naturheilkunde oder einen Heilpraktiker auszusuchen - und davon gibt es sehr viel mehr als von den „Schulmedizin-Verweigerern“!

 

Ich persönlich habe weder mit der Medizin, noch mit Ärzten irgendwelche Probleme. Einige meiner besten Freunde sind Ärzte ;-)

 

Und auch ja, ich möchte gar nicht die Kompetenzen eines Arztes übernehmen. Ich bin Heilpraktiker, und das ist mein Beruf. Alles, was ich möchte, ist, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der „Volksgesundheit“ beitragen - mit den Methoden, die ich beherrsche.

 

Dazu gehört aber auch, dass ich meine Patienten auch mal an einen Arzt verweise, wenn ich das Gefühl habe, dass ich meine Kompetenzen ansonsten überschreiten würde, wenn ich auf eigene Faust weiter (be)handeln bzw. beraten würde.

 

 

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