Kann ein natürliches Süßungsmittel gegen Borreliose helfen?

Medizinisch gegen eine Borreliose vorzugehen, ist in etwa so, wie gegen einen ausgefuchsten und mit allen Wassern gewaschenen Gegner das Brettspiel „Scotland Yard“ zu spielen. Man kann nicht gut gegen einen Gegner vorgehen, den man nicht sieht - und von dem man noch nicht einmal ahnt, wo er sich verstecken könnte.

 

Borreliose ist von Anfang an ein Rätsel…

 

Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Borrelien zu infizieren, ist absolut gesehen eher gering. Wenn man aber erst einmal infiziert ist, beginnen Ratlosigkeit und hoffnungsloses hinterher rennen hinter den Erregern einer Krankheit, die überhaupt nicht recht zu fassen ist. So geht noch immer die Legende um, dass man eine Infektion durch das Auftreten der so genannten Wanderröte („Erythema Migrans“) erkennen könne. Dieser tritt aber nur bei rund 30 % aller Infektionen auf!

 

Dann wird es noch schwieriger: Symptome ähnlich einer leichten Grippe können auftreten - müssen jedoch nicht. Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen und Schüttelfrost sind zudem sehr allgemeine Symptome. Der Verursacher - die Zecke - ist schon längst nicht mehr auffindbar. Borrelien spielen in jeder Phase der Erkrankung Verstecken mit dem Immunsystem.

 

Antibiotika sind am Anfang zwar wirksam, aber…

 

Wenn man die Borreliose in dieser ersten Phase, in der sie grippeähnliche Symptome bereitet, „erwischt“, hat man gute Chancen, das Gröbste abzuwenden. Aber auch in diesem ersten Stadium - in aller Regel in den ersten 4-6 Wochen - ist sie schwierig zu therapieren. Haben sich die Borrelien erst einmal in Zellen verkapselt, nützen auch Antibiotika wenig. Bei einer Spät-Borreliose, die möglicherweise sogar mit Nervensymptomen einhergeht, kann man mit Antibiotika kaum noch „Land gewinnen“.

 

Es ist im Verlauf der Krankheit immer schwieriger zu bestimmen, ob und wo noch Borrelien aufzufinden sind. Am ehesten kann noch ein so genannter Lymphozytentransformationstest (LTT) Auskunft geben. Ein labormedizinisch tätiger Arzt sagte neulich, dass diese Leistung für den Selbstzahler etwa 120 € kostet.

 

Damit ist das Problem der Infektion aber noch nicht gelöst.

 

Auch in der Naturheilkunde ist die Therapie langwierig und schwierig

 

Eine Spätborreliose, womöglich noch mit Nervensymptomen (so genannte „Neuroborreliose“) ist auch in der Naturheilkunde schwierig zu therapieren. Wo Antibiotika versagen, schlage ich folgende Therapieschritte vor:

 

Bestimmung der Dominanz der T-Helferzellen (Th1-Dominanz oder Th2-Dominanz), mit anschließendem immunologischen Ausgleich, beispielsweise über die Darmflora oder über bestimmte Nahrungsergänzungen (Artemisia, Andrographis, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin A senken beispielsweise eine Th1-Dominanz, Süßholz, Ingwer, Quercetin oder Propolis senken eine Th2-Dominanz).

 

Eine eventuell bestehende vegetative Erschöpfung beseitigen (bemerkbar durch Konzentrationsschwächen, erhöhtes Schlafbedürfnis, chronische, schwache Entzündungsaktivität, permanenten Kopfschmerz oder Eingenommenheit des Kopfes, chronischen Durchfall). Bewährt haben sich Präparate, die die Funktion der Nebennierenrinde anregen.

 

Den antioxidativen Status optimieren mit einer Kombination aus Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und eventuell Aminosäuren und

 

Eine Entgiftung von Antibiotika und Erregertoxinen vornehmen. Neben pflanzlichen und homöopathischen Komplexmitteln empfiehlt sich eine Anwendung von Infrarot-Tiefenwärme (Infrarot-Kabine) über einen längeren Zeitraum und regelmäßig.

 

Zu all diesen Therapie-Optionen könnte sich in Zukunft noch eine weitere gesellen...

 

In den letzten Jahren hat diese Substanz Furore als Alternative zu Zucker sowie herkömmlichen Süßungsmitteln gemacht. Die Rede ist von Stevia. Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass ein Extrakt des ganzen Blattes eine wirksame Waffe gegen Borreliose sein kann.

 

Borrelien können verschiedene morphologische Formen einnehmen und sind sehr wandelbar. In einer präklinischen Studie aus dem Jahr 2016 fand man heraus, dass ein Extrakt des ganzen Blattes von Stevia rebaudiana, alle verschiedenen morphologischen Formen von Borrelien angreifen und zerstören kann, inklusive den so genannten „Biofilm“ von Borrelien. Der Biofilm stellt normalerweise eine sehr effektive Abwehrwaffe gegen den Angriff von Antibiotika dar.

 

Bei dem Extrakt handelt es sich um einen alkoholischen Extrakt. Nun ist Stevia keine Pflanze, die für ihre antimikrobiellen Eigenschaften bekannt ist. D.h., Stevia wirkt nicht wie ein natürliches Antibiotikum (wie beispielsweise Carvacrol oder Grapefruitkernextrakt). Verantwortlich für die Wirksamkeit gegen Borreliose sind die sekundären Pflanzenstoffe, die in Stevia vorhanden sind.

 

Es sind Vorstufen von Vitaminen, Alkaloide und Antioxidantien, die normalerweise die Pflanze vor Infektion und widrigen Umweltbedingungen schützen.

 

Als besonders effektiv erwies sich der Extrakt gegen den Biofilm, den er im Laborversuch um 40% reduzierte, während eine Anwendung der am meisten gegen Borreliose eingesetzten Antibiotika (Doxycyclin, Cefaperazon und Daptomycin) den Biofilm auf verschiedenen Oberflächen eher noch verstärkten!

 

Nun muss man in aller Fairness dazu sagen, dass es sich hier um eine präklinische Studie handelt. Ob und inwieweit man aus dem Reagenzglas auf die Wirkung am Menschen schließen kann, ist zu Recht umstritten. Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass es sich hier um den Extrakt der ganzen Pflanze handelt und nicht etwa um die zum Süßen verwendeten „Steviolglykoside“. Die haben sich im Vergleich nämlich als wirkungslos erwiesen.

 

Eine zusätzliche Therapieoption?

 

Das Risiko für unerwünschte Wirkungen auf den Körper ist bei Extrakten aus der Steviapflanze sehr gering. Es ist, wie gesagt, noch zu früh um etwas über die tatsächliche therapeutische Wirksamkeit zu sagen. Gegen ein Ausprobieren spricht jedoch bis auf die sehr geringe Wahrscheinlichkeit einer Unverträglichkeit nichts!

 

Quellen:

 

http://www.greenmedinfo.com/blog/stevia-kills-lyme-disease-pathogen-better-antibiotics-preclinical-study

 

http://www.mamas-rezepte.de/rezept_Stevia_Fluessigextrakt-15-2236.html

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Erika Drescher (Donnerstag, 07 Dezember 2017 09:07)

    Sehr geehrter Herr Ulmicher,
    mit Interesse habe ich Ihren Bericht über Stevia gelesen.
    Ich habe eine schwere Neuroborreliose. Ein LTT-Test liegt vor.
    Leider vertrage ich die Antibiotikas nur bedingt. Ich würde mich gerne mit Stevia behandeln. Sollte ich die Pflanzen irgendwo bekommen, müßte ich mir einen Extrakt davon machen- Wie konzentriert müßte der sein und wieviel nehme ich davon ein oder haben Sie so einen Extrakt. Bitte lassen Sie mich wissen, wie ich Stevia einsetzen kann.
    Mit freundlichen Grüßen
    Erika Drescher
    afrikahub@t-online.de

  • #2

    MH (Dienstag, 09 Januar 2018 11:59)

    Sehr geehrter Herr Ulmicher,

    auch ich interessiere mich für die Therapie, da es mir sehr schlecht geht, meine Fragen wären die gleichen:

    1) Wie macht man sich ein Extrakt? Rezept?
    2) Wie konzentriert müßte es sein?
    3) Wie viel nehme ich davon ein oder haben Sie so einen Extrakt?
    Bitte lassen Sie mich wissen, wie ich Stevia einsetzen kann.

    MfG,

    MH

  • #3

    Petra (Donnerstag, 15 März 2018 04:32)

    1. Ein dicht verschließbares Weckglas wird mit frischen Blättern befüllt. 2. Mit 40 - 70%igem Alkohol bedecken wie beispielsweise Vodka, Brandy, Korn. Richtwert ca. 1:3 (100 g Kräuter : 300 ml Schnaps) 3. Dicht verschließen und 6 Wochen in die SONNE stellen (Licht und Wärme der Sonne helfen beim Lösen der Wirkstoffe) 4. Täglich einmal schwenken, bis alle Pflenzenteile bedeckt bleiben. Dann muss nicht mehr geschwenkt werden. 5. Fertige Urtinktur (jetzt dunkel gefärbt) durch ein Gazetuch oder Kunststoffsieb in ein anderes Glas gießen und über Nacht weiter abtropfen lassen. Flüssigkeit darf niemals mit Metall in Kontakt kommen. 6. Zum Schluss durch einen Kaffeefilter gießen. 7. In Pipetten- oder Tropffläschchen füllen und beschriften 8. Für Arzneizwecke innerhalb 1 Jahr verbrauchen. Für andere Zwecke (z. B. äußerlich) bis zu 2 Jahre. Warum Alkohol? 1. Alkohol macht die Zellwände der Pflanzen durchlässig, sodass sich die Inhaltsstoffe wie ätherische öle, Wirkstoffe, etc. herauslösen. 2. Alkohol führt zur besseren Aufnahme über die Mundschleimhaut, weil auch diese durchlässiger wird. Also möglichst lange im Mund lassen und nicht gleich schlucken. 3. Alkohol konserviert das ganze. Wer keinen Alkohol nehmen möchte, kann auch Bio-Apfelessig verwenden. Ob dies genauso gut funktioniert, kann ich nicht sagen.

  • #4

    Andreas Ulmicher (Donnerstag, 15 März 2018 10:41)

    Liebe Petra,

    Na, perfekt! Besser geht's nicht!

    In diesem Sinne...

    Andreas Ulmicher

  • #5

    G. Frerichs (Mittwoch, 04 April 2018 18:13)

    Die Zubereitung von Petra ist perfekt beschrieben, mich würde noch die einzunehmende Dosis inderessieren, um wirkungsvoll gegen die Borreliose vorgehen zu können.
    Über einen Dosierungshinweis würde ich mich freuen.

    Mfg
    G. Frerichs

  • #6

    Andreas Ulmicher (Mittwoch, 04 April 2018 20:26)

    Ich meine, die Dosierung ist in dem Greenmedinfo-Artikel beschrieben. Da es sich dabei um eine Präklinische Studie handelt und die Daten nur bedingt auf den Menschen übertragen werden können, kann keine verbindliche Dosierungsempfehlung gegeben werden. Heißt: "Einschleichen", Reaktionen abwarten.