Probiotika gegen chronisch wiederkehrende Blasenentzündungen

Bevor das Bewusstsein der Medizin für die Anwendung von Probiotika erwachte, wurden Infekte des Urogenitaltrakt des überwiegend mit Antibiotika behandelt. Geschätzt etwa 1 Milliarde Frauen weltweit leiden an immer wiederkehrenden Infekten von Blase oder Vagina. Dazu gehören die nicht sexuell übertragene bakterielle Vaginitis, der Scheidenpilz und, wie gesagt, Blaseninfekte.

 

Die Vaginalflora lässt sich recht deutlich von der Darmflora abgrenzen. Während in einem gesunden Darm etwa 800 verschiedene Spezies von Bakterien leben (einzelne Quellenangaben gehen von bis zu 1500 verschiedenen Spezies aus), finden sich in der Flora der Vagina nur in etwa 50 verschiedene Bakterienstämme.

 

Obwohl sich Vagina und Anus nur wenige cm voneinander entfernt befinden, sind die Floren von Vagina und Enddarm sehr verschieden. Die Unterschiede lassen sich zum Teil mit dem verschiedenen Milieu erklären. Die Vaginalflora ist dabei vor den Wechseljahren fast immer von Lactobacillus-Stämmen dominiert. Neben den Bakterienstämmen, die auch in der Darmflora vorkommen wie Lactobacillus acidophilus, rhamnosus, delbrueckii, reuteri, plantarum finden sich auch die Spezies, die typisch für die Flora der Vagina sind: Lactobacillus crispatus, iners und jenesenii.

 

Ob die Lactobacillus-Arten dominant sind wird von verschiedenen Faktoren bestimmt: den pH-Wert des Milieus, dem Östrogenspiegel und - erstaunlicherweise - dem Zuckerstoffwechsel! In der Naturheilpraxis wird Frauen, die an immer wiederkehrenden Infekten von Blase oder Vagina leiden, geraten, auf Zucker zu verzichten bzw. diesen zumindest auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Lactobacillus-Arten unterstützen das Immunsystem

 

Die verschiedenen Arten von Lactobacillus haben mehrere verschiedene Eigenschaften, mit deren Hilfe sie Infekten vorbeugen:

 

  • Sie setzen Wasserstoffperoxid frei, was die Besiedelung der Schleimhaut mit krankmachenden Bakterien verhindert
  • bestimmte Stoffwechselprodukte von Lactobazillen verhindern das Anhaften von anderen Bakterienarten an die Schleimhaut
  • Lactobazillen aktivieren Zellen des Lymphsystems und Immunbotenstoffe, die so genannten Zytokine

 

Probiotika für die Gesundheit von Blase und Vagina – die Fakten…

 

Die folgenden Auswertungen stammen aus verschiedenen Studien, wovon die meisten binnen der letzten 5-10 Jahre veröffentlicht wurden:

 

Erstens: wenn immer wiederkehrende Blaseninfekte bestehen, hilft die Sanierung des Darms mit Probiotika, die überwiegend aus Lactobazillen bestehen, nicht sofort. Es dauert einige Wochen bis Monate, bis die Darmflora eine „Kolonisationsresistenz“ aufgebaut hat, die sich stabilisierend auf das Milieu auswirkt. Ist gar eine Entzündung im Darm oder eine erworbene Immunschwäche (AIDS) mit im Spiel, können die Bemühungen um die Stabilisierung der Darmflora sogar scheitern. Im Falle eines Erfolgs ist eine Therapie, die über sechs Monate hinausgeht, meist nicht notwendig.

 

Die „vaginale Applikation“ mit probiotischen Zäpfchen scheint bei immer wiederkehrenden Blaseninfekten einen gewissen Erfolg zu haben, scheitert jedoch bei vaginalen Pilzinfektionen.

 

Bei Scheidenpilz scheint eine systemische Sanierung des Milieus mit Probiotika überwiegend auf der Basis von Lactobazillen langfristig eine gewisse Linderung zu bringen. Allerdings sind in diesem Falle die Erfolge sicherlich nicht durchschlagend. Mediziner empfehlen eine Anwendung von „Antimykotika“ (Mittel gegen Pilzbefall) und etwas zeitversetzt den Einsatz von systemischen Probiotika. Aus naturheilkundlicher Sicht kann es sinnvoll sein, eine Immunmodulation mit „Autovaccinen*“ zwischen zu schalten.

 

Die Lactobazillen „rhamnosus“ und „fermentum“ können bei täglicher Einnahme langfristig das Immunsystem gegen Blaseninfekte stärken.

 

Akute und chronische Infekte des Urogenitaltraktes

 

In der Naturheilkunde haben wir verschiedene Möglichkeiten, unkomplizierte Blasenentzündungen zu behandeln. Sollten die Erreger jedoch im Harnleiter „aufsteigen“ und sich nach wenigsten 5-7 Tagen immer noch keine Verbesserung der Symptome eingestellt haben, ist eine ärztliche Intervention mit Antibiotika meist unumgänglich. In der Naturheilkunde werden folgende Arzneimittel bei Blasenentzündung eingesetzt:

 

  • Harntreibende Tees, z.B. Orthosiphon
  • D-Mannose
  • Vitamin C
  • Cranberry-Extrakt
  • Goldruten-Extrakt
  • Bärentraubenblätter-Extrakt
  • Manuka-Honig

 

Bei chronischen Harnwegsinfekten gilt: wenn Probleme mit der Darmflora vorliegen, merkt man dies nicht unbedingt am Darm selbst. Eventuell ist sogar eine Analyse der Darmflora eine sinnvolle Maßnahme, wenn die Infekte immer wiederkehren, Antibiotika-Belastungen aus der Vorgeschichte vorliegen und ansonsten keine Therapie hilft. Die genannten Lactobazillen in Probiotika (vor allen Dingen fermentum und rhamnosus) sind jedoch eine gute Ergänzung, das Risiko für zukünftige Blaseninfekte zu senken.

 

(Erklärung: „Autovaccine“ sind Zellbestandteile von bestimmten Darmbakterien, welche die Darmschleimhaut zu einer Stimulation des Immunsystems veranlassen sollen)

 

Quellen:

 

http://www.cystinol.de/cystinol-long-kapseln.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3156505/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24170161

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12954951

https://www.medicus-naturheilmittel24.de/13-uro-cystobel.html

 

 

 

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