Der Muskeltonus und Beschwerden des Bewegungsapparates

Falls Sie mit irgendwelchen, hartnäckigen Beschwerden des Bewegungsapparates den Gang zu einem Arzt wagen und sich gründlich auf den Kopf stellen lassen, wird der Ihnen alles Mögliche sagen: Sie haben Arthrose, das ist der Verschleiß, das ist die Bandscheibe, das ist eine einseitige Belastung, nehmen Sie ein Schmerzmittel ein, ich verordne Ihnen Krankengymnastik.

 

Tja, aber dann ist da ja noch die Sache mit der Muskulatur

 

Eine Sache werden Sie beim Arzt aber wahrscheinlich nicht hören: „Ihr Muskeltonus ist zu hoch!“

 

Fast alle anhaltenden Beschwerden des Bewegungsapparates werden „schulmedizinisch“ so abgeklärt: es ist etwas „bleibendes“, ein organischer oder biomechanischer Schaden, der von selbst nicht wieder weggeht. Die Arthrose eines Gelenks wird sich von selbst kaum wieder regenerieren (man kann allerdings in aller Regel verhindern, dass der Schaden weiter fortschreitet!). Ein Bandscheibenvorfall wird auch nicht von selbst wieder verschwinden. Ab einem bestimmten Grad sollte bzw. muss er operiert werden - zumindest, wenn es nach dem medizinischen Weltbild geht.

 

Meiner Erfahrung nach kommen konkrete Schmerzzustände besonders zwischen dem 30. und 65. Lebensjahr nicht unbedingt von solchen „bleibenden Schäden“, obwohl diese durchaus bestehen könnn. Besonders dann, wenn die Schmerzzustände diffus, generalisiert und beidseitig sind, das bedeutet nicht eng umschrieben an einem bestimmten Gelenk auftreten, kann auch eine simple Muskelverspannung dahinter stehen.

 

Wenn das linke Knie stärker wehtut als das rechte…

 

Kennen Sie dieses Problem? Das linke Knie tut irgendwie stärker weh als das rechte - und ist auch schlechter belastbar. Des Rätsels Lösung: sollten Sie viel mit dem Auto unterwegs sein und dazu noch zu den Verfechtern der Handschaltung gehören, könnte ganz einfach eine chronische Reizung der umgebenden Muskulatur des Knies vorliegen, weil Sie oft die Kupplung betätigen müssen. Versuchen Sie einmal, diesen Zusammenhang zu beobachten.

 

Aber jetzt zurück zu allgemeineren Problemen:

 

Schmerzzustände im unteren und mittleren Rücken sind häufig

 

Schmerzzustände vor allem Dingen im unteren Rückenbereich zählen zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates überhaupt. Man rechnet heute mit 90 % betroffenen - und zwar ab dem jungen Erwachsenenalter. Bandscheibenvorfälle machen eher einen kleinen Teil dieser Schmerzzustände aus. Sowohl ein zu hoher Muskeltonus als auch ein zu niedriger können zu notorischen und chronischen Beschwerden des unteren Rückens führen.

 

Durch einen niedrigen Muskeltonus erfährt besonders bei langem Sitzen die untere Wirbelsäule oft keinen ausreichenden Halt. Es kommt zu Blockaden einzelner Wirbel. Das hat nichts mit einem Bandscheibenvorfall zu tun und ist in aller Regel von einem Therapeuten mit manuellen Therapietechniken recht rasch wieder in den Griff zu bekommen - vorausgesetzt natürlich, er weiß, wo er ansetzen muss. Allerdings ist damit das Grundproblem nicht behoben. Zu Recht verordnen erfahrene und umsichtige Orthopäden bei diesen Problemen Krankengymnastik und Fitnesstraining. Der Betroffene ist sehr gut in einem Fitnessstudio - natürlich unter kundiger Anleitung - aufgehoben.

 

Allerdings gibt es da auch noch das andere Problem…

 

Durch einen hohen Muskeltonus sammelt sich mit der Zeit Milchsäure im Gewebe an. Eine hohe Muskelspannung im unteren Rücken wird vor allen Dingen durch langes Stehen verstärkt. Auch sehr langsames Gehen verstärkt die Beschwerden. Betroffene fühlen sich zumeist wohler, wenn Sie entweder sitzen oder schnell gehen. Bei langem Stehen schmerzt der Rücken oft stark. Diese Beschwerden fühlen sich oft an wie ein permanenter Muskelkater. Paradoxerweise verstärken sich die Symptome eher, wenn der Betroffene die Muskulatur dieser Bereiche gezielt stärkt.

 

Hier hilft fast immer eine andere Form von Training: das Training sollte den Körper richtig gehen verausgaben und erschöpfen, allerdings ohne gezielt den betroffenen Bereich der Verspannungen muskulär zu trainieren. Die Muskulatur hier zu „stärken“ – gerade den sogenannten „Rückenstrecker“ - bringt oft nur vorübergehende Erleichterung. Es empfiehlt sich ein kurzes, aber sehr intensives Training. Beim Krafttraining empfiehlt es sich allerdings nicht, für dieses Training hohe Gewichte einzusetzen. Wenn der Muskeltonus dauerhaft erhöht ist, besteht durch die erhöhte Spannung auch eine starke Verletzungsgefahr bei Extrembelastungen der Muskulatur.

 

Um den Muskeltonus herabzusetzen, empfehlen sich folgende Praktiken:

 

  • Reduktion des körpereigenen Cortisolspiegels: zum Beispiel mit der Einnahme von sibirischem Ginseng.
  • Lokale Anwendungen mit Magnesium, zum Beispiel Zechstein Magnesium-Oil
  • Einnahme von rechtsdrehender Milchsäure: z.B. „RMS Asconex“
  • Infrarotanwendungen, zum Beispiel in einer Kabine
  • Ein optimaler antioxidativer Status (Vitamine, Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe)
  • Die gezielte Aktivierung und Entspannung bestimmter Hormondrüsen, z.B. der Zirbeldrüse (Melatonin, Serotonin!): Beispielsweise mit Fußreflexzonenmassage oder durch gezielte homöopathische Behandlung, eventuell auch durch Nahrungsergänzung wie Griffonia, 5-Hydroxytryptophan, GABAmax etc.

 

Noch ein kleiner Hinweis zum Thema Entspannungsübungen bei erhöhtem Muskeltonus

 

Eventuell finden Sie Praktiken wie Yoga oder progressive Muskelentspannung (PME) sinnvoll und hilfreich. Ich muss das leider etwas einschränken: gerade bei den häufig verbreiteten Problemen des unteren Rückens hängt viel davon ab, ob Sie eher zu einer „Außenrotation“ oder „Innenrotation“ des Beckens neigen.

 

Stellen Sie sich mit gestreckten Beinen gerade hin: überprüfen Sie, in welcher Position sie sich entspannter fühlen:

 

  1. Die Fersen sind zusammen und die Füße sind nach außen gespreizt.
  2. Die Fußspitzen sind zusammen und die Fersen sind nach außen gespreizt (die Füße zeigen nach innen)

 

Ist das erste der Fall, haben Sie eher eine Außenrotation. Wenn Sie in diesem Zustand Yoga betreiben, kann es sein, dass sich der Zustand verschlimmert. Sie müssen zu jeder Dehnungsübung, die im Yoga praktiziert wird, mindestens eine Gegenübung machen, damit sich die Außenrotation nicht weiter verstärkt. Die meisten Übungen im Yoga betonen diese Außenrotation bzw. verstärken sie.

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein verstärkter Muskeltonus im unteren Rückenbereich sowie im gesamten Becken auch davon abhängt, ob eine Außen-bzw. Innenrotation des Beckens durch Dehnungs- und Muskelübungen entweder gezielt korrigiert – oder sogar noch verstärkt wird. Vernachlässigen Sie diesen Bereich nicht!

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