Werden chronische Erkrankungen nicht ernst genommen, weil sie in kein Schema passen - wie z.B. chronisches Erschöpfungssyndrom?

 

Ein ernstes und trauriges Thema der modernen Medizin sind bestimmte Krankheiten, bei denen der Patient „abgestempelt“ wird. Das betrifft vor allen Dingen Krankheiten wie chronisches Erschöpfungssyndrom und Fibromyalgie. Es gibt sicher weitere Krankheiten, die ihre Patienten zu einem ähnlichen Schicksal verdammen:

 

Man wird untersucht - aber nicht richtig

 

Es beginnt mit Feststellungen wie: „ich fühle mich so erschöpft!“ oder: „ich habe Schmerzen in den Schultern, den Armen und im Rücken. Und sie gehen auch mit einem Schmerzmittel nicht weg!“ Erfahrungsgemäß vergrößert sich der Leidensdruck mit fortschreitender Zeit, bis es dann heißt: „ich finde überhaupt keine Erholung mehr, egal was ich mache!“ - Aller spätestens dann wird es Zeit für einen Arztbesuch. „Bin ich etwa ernsthaft krank?“

 

Mit einer gehörigen Portion Glück wird tatsächlich die Labormedizin bemüht - allerdings mit dem Ergebnis: „nichts genaues weiß man nicht!“

 

Da ist dann zwar irgendwo eine diskrete Entzündung im Körper, aber die könnte sonst was bedeuten! Im Zweifelsfall muss sich dann der Patient mit einem „verschleppten grippalen Infekt“ abfinden.

 

Wenn es noch schlechter kommt für den Patienten, wird erst gar nicht das Labor bemüht, sondern der Arme Betroffene mit einem Beruhigungsmittel oder einem Vitaminpräparat abgespeist. Die schlimmste Demütigung ist jedoch:

 

„Das ist sicher alles psychosomatisch bedingt!“

 

Diese freundlichen, wohlmeinenden Worte gehen mit Tipps einher, die ebenso unspezifisch sind wie die Symptome: „Laden Sie sich weniger Stress auf!“ und: „gönnen Sie sich doch ein kleines bisschen mehr Ruhe!“

 

Eventuell wird sogar ein Burnout-Syndrom diagnostiziert, obwohl diese Diagnose dem Ernst der Angelegenheit nicht annäherungsweise gerecht wird. Chronisches Erschöpfungssyndrom und Burn-Out-Syndrom haben einen gemeinsamen Kern: die vegetative Erschöpfung. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

 

Ansonsten gilt: das chronische Erschöpfungssyndrom hat tatsächlich (mehrere) körperliche Ursachen

 

Nur weil eine Erkrankung keine spezifischen Symptome macht, mit deren Hilfe man sie klar von anderen Erkrankungen abgrenzen kann, bedeutet das nicht, dass man sie nicht ernst nehmen sollte. Im Gegenteil: aufgrund unserer Lebensweise und umweltmedizinischer Umstände sind gerade diese neuen Erkrankungen der Kategorie „nichts genaues weiß man nicht!“ im Kommen und werden binnen der nächsten anderthalb bis zwei Jahrzehnte sogar noch dramatisch zunehmen.

 

Derzeit sind z.B. in den USA ungefähr 1 Million Menschen mit chronischem Erschöpfungssyndrom diagnostiziert. Da diese Diagnose nicht immer, wenn es angebracht ist, ausgesprochen wird, kann man mit einer Dunkelziffer rechnen, die doppelt oder dreifach so hoch ist. Und das ist erst der Anfang.

 

Eines von vielen Beispielen, auf die kein normaler Mensch kommt!

 

Ich habe mich in den letzten Wochen in dieses Thema eingelesen und möchte Ihnen heute eine Kuriosität präsentieren, an die ich selber überhaupt nicht gedacht hätte. Sie betrifft Menschen, die gerne tiefgefrorenen Fisch aus dem pazifischen Raum essen. Es ist kein Geheimnis, dass aufgrund der Verschmutzung der Meere und klimatischer Schwankungen Korallenriffe zu Grunde gehen. In diesen abgestorbenen Korallenriffen breiten sich Mikroorganismen aus, die Dinoflagellaten. Namen sind zwar Schall und Rauch, aber in diesem Zusammenhang wichtig: Fische fressen diese Mikroorganismen und nehmen damit Stoffe auf, die man „Ciguatoxine“ nennt.

 

Haben Sie noch nie gehört?

 

Gratuliere, ich bis vor kurzem auch noch nicht!

 

Ciguatoxine führen in hohen Mengen zu einer Lebensmittelvergiftung, in geringen Mengen hingegen…

 

…reichern sie sich in Körperzellen an und beeinträchtigen den „mitochondrialen“ Stoffwechsel, sprich: die Energiegewinnung. Ciguatoxine reihen sich damit in eine Liste von hunderten von Stoffen ein, die potenziell für ein chronisches Erschöpfungssyndrom verantwortlich gemacht werden können.

 

Man lernt als Heilpraktiker eben nie aus…

 

Was jedoch viel schlimmer an dieser Angelegenheit ist: es gibt tatsächlich mittlerweile einige, profunde und wissenschaftlich anerkannte Erkenntnisse über das chronische Erschöpfungssyndrom. Die Untersuchungen laufen beständig weiter. Es gibt haufenweise Studien – auf PUBMED sind derzeit mehr als 6000 von ihnen abgelegt - doch werden ihre Erkenntnisse in der medizinischen Praxis und im Alltag kaum angewandt.

 

Das ist nicht unbedingt ein Problem von Inkompetenz, sondern einfach ein Problem unseres Kassensystems und mangelnder Zeit. Egal wie gut und kompetent ein Arzt sein mag: wer nicht die Zeit hat, sich mit dieser Thematik tiefer zu befassen, kann ein chronisches Erschöpfungssyndrom nicht richtig diagnostizieren und wird betroffene Patienten „abspeisen“. Das löst aber das Problem nicht.

 

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist auch in der Naturheilkunde eine große Herausforderung.

 

Ich schreibe zu diesem Thema gerade ein E-Book und werde Sie über dieses Thema in meinem Blog weiter am Laufen halten. Als Erscheinungsdatum ist der Spätsommer dieses Jahres geplant.

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