Wieso die Weltreligionen kaum an Naivität zu überbieten sind

Normalerweise vergreife ich mich ja nicht an solchen Themen - erst recht nicht im Rahmen eines Blogs, indem es eigentlich „nur“ um Naturheilkunde gehen soll. Jedoch schickte mir vor kurzem eine (bekannte) Arzneimittelreferentin einen Link zum Thema Islam.

 

 

 

Was derzeit im Rahmen der so genannten „Flüchtlingskrise“ an Kontroversen angezettelt wird, spottet ja jeder menschlichen Beschreibung. Es ist im Grunde genommen eine verkappte, neue Diskussion um Weltanschauung im Allgemeinen und religiösen Fanatismus im Besonderen. Klar, wir hier in Mittel- bzw. Westeuropa pflegen als Kollektiv eine andere Weltanschauung als diejenigen Erdenbürger, die derzeit aus der Not heraus zu uns kommen. Würde man von beiden Seiten an dieses Problem mit dem gesunden Menschenverstand herangehen, würden sich daraus überhaupt keine Konflikte ergeben.

 

 

 

Aber von einem gesunden Menschenverstand kann auf beiden Seiten wohl kaum die Rede sein. Ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass viele der Menschen, die jetzt aus Syrien, afrikanischen Staaten, Afghanistan oder anderen Regionen des vorderen und mittleren Orients zu uns strömen, einfach nur Frieden und ihr Auskommen suchen. Dennoch gibt es natürlich unter diesen Menschen eine - das nehme ich an - Minderheit, die offensichtlich der Meinung ist, sie müsste ihre Religion bzw. Weltanschauung hierher tragen, weil „ihre“ ja die richtige und „unsere“ ja die falsche ist.

 

 

 

Diese Idee, dieser Gedanke dürfte an Naivität kaum zu überbieten sein. Diejenigen, die unsere westeuropäischen Staaten leiten, dürften hingegen offensichtlich genauso naiv sein, indem sie es nicht für nötig halten, die Neuankömmlinge zu überprüfen und zu unterscheiden.

 

 

 

Es herrscht also auf beiden Seiten Naivität.

 

 

 

Dass dies zu Problemen und Konflikten führt, kann sich jeder mit einem einigermaßen funktionierenden gesunden Menschenverstand an drei Fingern abzählen.

 

 

 

Richtig bedenklich wird es, wenn diese Form der Naivität mit Gewalt gegen anders Denkende verbunden ist. Nur mal so als Beispiel:

 

 

 

Ich komme bzw. fliehe aus einem Land, in dem Unfrieden und Chaos herrschen und zudem eine bestimmte Weltanschauung bzw. Religion. Ich komme in ein Land, in dem eine andere Weltanschauung bzw. Religion vorherrschen und zudem Frieden, Ordnung und Sicherheit. Ich bin aber der Meinung, dass die Weltanschauung bzw. Religion aus dem Land, aus dem ich geflohen bin, die bessere ist und versuche sie dem Land, in das ich geflohen bin, in irgendeiner Form aufzuzwingen. Etwas reduziert und simpel ausgedrückt, könnte man dieses Denken unter dem Begriff „religiöser Fanatismus“ zusammenfassen.

 

 

 

Allein aus diesem Absatz lässt sich ableiten, dass religiöser Fanatismus nicht das Geringste mit dem Verstand bzw. kritischer Reflexion zu tun hat. Kritische Reflexion bzw. der Verstand hinterfragen nämlich, warum die Verhältnisse in dem Land, aus dem ich geflohen bin, so desolat sind. Diese kritische Reflexion schließt zudem nicht aus, dass die schlechten Zustände in meinem Herkunftsland eventuell etwas mit der dortigen Weltanschauung zu tun haben könnten. Wie gesagt - könnte, nicht unbedingt muss!

 

 

 

Unfrieden und Konflikte sind das Ergebnis einer begrenzten Weltanschauung

 

 

 

Spinnen wir diesen Gedanken konsequent weiter bis zu einem gewissen Niveau, ergibt sich daraus zwangsläufig, dass Unfrieden und Konflikte das Ergebnis einer begrenzten Weltanschauung sind. Ich habe einen „Gott“, der „will“, dass ich Frauen gut behandle, achte, ehre und respektiere. Eine andere Person glaubt an einen „Gott“, für den „nach seinem Gesetz“ Frauen offensichtlich Menschen zweiter Klasse sind.

 

 

 

Dies führt nicht nur weltanschaulich gesehen zu Konflikten, sondern ist schon vom Grundgedanken her völlig naiv - und dafür brauche ich noch nicht einmal Naturwissenschaften. Im Gegenteil. Wir können ruhig von etwas „Allmächtigem“ ausgehen, das wir von mir aus Gott, Allah, Buddha oder sonst wie nennen. Nach einem gewissen Gottesverständnis wäre eine solche „Entität“ allmächtig, allwissend und allumfassend - vor allen Dingen wäre sie grenzenlos. Jeder, der auch nur einen Funken Ahnung von Dialektik hat, kann aus dieser grenzenlose problemlos ableiten, dass es sich bei Gott um keine Person mit einem bestimmten Willen handeln kann. Allein die Vorstellung, Gott könne dieses wollen und das andere ablehnen, ist naiv und dumm. Wenn wir überhaupt von einer allwissenden, grenzenlosen Entität ausgehen, dann muss diese zwangsweise transpersonell sein. Eine solche Identität mit Begriffen wie „Wille“, „Wunsch“ oder „Gesetzen“ erfassen zu wollen wäre absurd.

 

 

 

Dies ist eine Gottesvorstellung, die in einem Universum, in dem nur der sichtbare Teil bis zur so genannten „Hubble’schen Grenze“ einen Durchmesser von 93 Milliarden Lichtjahren hat, eine kleine Gruppe von „Rechtsgläubigen“ auf einem kleinen Planeten mit gerade einmal 12.000 km Durchmesser bevorzugt - und bereits die anderen Glaubensgemeinschaften auf diesem kleinen Planeten „ablehnt“, da sie den „falschen Glauben haben“. Wir wissen derzeit nicht einmal, ob unser Universum das einzige Universum ist.

 

 

 

Und da soll eine allmächtige, allumfassende und grenzenlose Entität sein, die allen Ernstes „will“, dass die „Rechtsgläubigen“ den „ungläubigen“ ihren Glauben aufzwingen oder sie töten?

 

 

 

Ehrlich, für mich klingt das ganz schön lächerlich.

 

 

 

Der freie Geist, der den Verstand benutzt, damit dieser ihm diene, hält sich selbstverständlich nicht mit solchen Annahmen und Theorien auf. Genauso wenig wie mit irgendwelchen abstrusen „Regeln“, z.B., dass „Frauen keine Ämter im Gottesdienst bekleiden dürfen“.

 

 

 

Solche Dinge sind allein menschliche Konstrukte, die Menschen mit einem geringen Bewusstsein in ihrer Naivität und Einfalt erschaffen haben, um ein Regelwerk zu haben, an dem sie sich festhalten können.

 

 

 

Ich schließe nicht aus, dass die Religionsstifter eingeweihte bzw. geistig hoch entwickelte Menschen waren

 

 

 

Eventuell gehen die Schriften wie Gilgamesch, Bardo Thos Grol (tibetisches Totenbuch) etc. sogar auf Wesen zurück, die möglicherweise die menschliche Stufe von ihrer Evolution her schon hinter sich gelassen haben. Wir wissen es nicht, wir können es nicht überprüfen und wir wissen es auch nicht, ob solche Wesen existieren.

 

 

 

Probleme kommen aber da auf, wo solche Schriften, die man selbstverständlich interpretieren muss, auf uneingeweihte Menschen treffen, die kein grundlegendes Verständnis von der Natur der Dinge haben.

 

 

 

Das Ergebnis sehen wir in den Konflikten, die entstehen, wenn (monotheistische) Religionen aufeinandertreffen.

 

 

 

Was das Ganze mit Gesundheit zu tun hat? Simpel: die körperliche, emotionale und mentale Gesundheit von Menschen ist durch religiöse Fanatiker bedroht. Und dies im Übrigen unabhängig von der Religion, die ausgeübt wird.

 

 

 

Wie wäre es also mit Toleranz?

 

 

 

Es sei jedem frei, „seine“ Religion bzw. Weltanschauung auszuüben. Aber jegliches Missionieren „Andersdenkender“ ist im Sinne einer ethischen und durch den gesunden Menschenverstand geprägten Einstellung durch nichts zu rechtfertigen.