Altes Dorf, neue Sau? Über das "Zika-Virus"

Verfolgt man denn die öffentliche Presse, verfolgt einen auch ein gewisser Gedanke bezüglich von der Weltgesundheitsorganisation ganz freiwillig ausgerufene Epidemien: „alle Jahre wieder!“ Schweinegrippe, Vogelgrippe, Ebola, Einhorn-Grippe, Pfälzer Saumagen-Virus oder was auch immer: so regelmäßig, wie die Jahreszahl wechselt, wird vor den verheerenden Konsequenzen irgend einer infektiösen Erkrankung gewarnt.

 

Diesmal ist es das „Zika-Virus“.

 

Was ist das Zika-Virus?

 

Das Zika-Virus kommt aus der gleichen Familie wie das Gelbfieber-Virus und das Dengue-Fieber. Diese Viren werden auch von den gleichen Insekten übertragen. Es sind Stechmücken, die zur Gattung der „Aedes“-Arten gehören. Von ihnen ist Aedes Aegypti die wohl bekannteste. In Sachen Krankheitssymptomen ist dieses Virus zunächst einmal gar nicht so dramatisch: die Symptome gleichen denen einer leichten bis maximal mittelschweren Grippe. Es gibt einen typischen Ausschlag, Fieber, die charakteristischen Kopf- und Gliederschmerzen sowie klassische Erkältungssymptome.

 

Gestorben ist, wenn man den gegenwärtigen Kenntnisstand heranzieht, noch niemand an dieser Erkrankung. Also alles halb so wild? Schauen wir doch mal auf Schlagzeilen dieser Tage: „Zika verbreitet sich explosionsartig – Notfall wird geprüft!“ und: „Plötzlich ist die Seuche da!“ sowie: „Das gefährliche Zika-Virus breitet sich derzeit rasend schnell aus und sorgt für massive Verunsicherung“.

 

Man ist geneigt anzunehmen, dass das Virus mehr Panik als Symptome verbreitet. Aber das ist ja bei der WHO nichts fundamental Neues.

 

Gar nicht so harmlos: die mit dem Zika-Virus in Zusammenhang gebrachten Begleiterscheinungen

 

Wissenschaftler machen allerdings darauf aufmerksam, dass mit dem Virus auch Komplikationen verbunden sind: beispielsweise das berüchtigte und gefährliche Guillain-Barré-Syndrom, das zu aufsteigenden Lähmungserscheinungen und Gefühllosigkeit führt uns selbst Notärzte in einer bestens ausgestatteten Intensivstation in Westeuropa oder den USA in Panik versetzen würde. Und ich hatte Gelegenheit, meine hoffentlich wachsenden Spanisch-Kenntnisse zu überprüfen: der Schwerpunkt der Erkrankungswelle liegt nämlich in Lateinamerika. Einschlägige, spanischsprachige online-Zeitschriften teilen allerdings mit, dass bezüglich des Zusammenhangs zwischen diesen beiden Krankheiten bisher nur Vermutungen bestehen, die ganz sicher (noch) nicht bewiesen werden können. Für des Spanischen Mächtige hier eine kleine Schlagzeile unter vielen: „Qué es el Guillain-Barré, la otra enfermedad que los científicos creen podría estar vinculada al zika”.

 

Glauben heißt bekanntermaßen nicht wissen…

 

Eher bewiesen ist der Zusammenhang zwischen Missbildungen von Föten von Müttern, die im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft an dem Virus erkrankten: es kommt zu Microencephalie, einem Kleinwuchs des Kopfes bei schweren, neurologischen Störungen und lebenslanger Behinderung. Allerdings: kritische Beobachter und Journalisten fragen sich, wo die WHO die 4000 Fälle hernimmt, die sie zitiert (hier geht es zum Artikel).

 

Und nein, eine Impfung gegen dieses Virus existiert nicht. Meine Meinung bzw. mein Rat zu dieser Erkrankung beschränkt sich auf einen Satz: falls Sie schwanger sein sollten, vermeiden Sie Reisen nach Brasilien im speziellen und Lateinamerika im Allgemeinen in nächster Zeit.

 

Achtung, noch ein kleines Update: geht man nach diesem Artikel hier, dann wird der Zusammenhang zwischen Missbildungen und Behinderungen von Föten und der Erkrankung noch in Zweifel gezogen. Übrigens: dass sich das Virus in Deutschland stark ausbreitet, hält man (zu Recht) für extrem unwahrscheinlich.

 

Ohne auf die Zukunft vorgreifen zu wollen, daher meine Meinung: Panikmache und Katastrophenstimmung sind auch im Zusammenhang mit dem Zika-Virus sehr wahrscheinlich unanangebracht.

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