Einige einfache Tipps und Hinweise zur mittelfristigen Linderung von Migräne

Es gibt diesen schönen Spruch auf Englisch: „It’s all in your head!“ - Es ist alles in deinem Kopf. Bezieht man diesen Spruch auf Migräne, wird er allerdings weniger schön. Dafür ist er allerdings auch bei weitem nicht zu 100 % richtig. Da ist eben nicht "alles im Kopf" - zumindest nicht die Ursachen...

 

Viele Ursachen für Migräne sind gar nicht im Kopf zu finden

 

Migräne ist - wie so viele chronische Krankheiten - ein klassisches Beispiel dafür, wann die Möglichkeiten der Medizin definitiv ausgereizt sind. Mit der symptomatischen Behandlung wird der Migräne nämlich in 70-80 % aller Fälle hoffnungslos hinterher behandelt. Dementsprechend bescheiden sind die Ergebnisse.

 

Damit will ich allerdings nicht sagen, dass Migräne für die Naturheilkunde ein „Spaziergang“ wäre. Es sind mehrere unterschiedliche Ursachen, die in irgendeiner Form zusammenwirken und von Person zu Person unterschiedlich gewichtet sind. Gerade dieser letzte Punkt macht es relativ schwer, Migräne ganzheitlich und nachhaltig zu behandeln. Folgende Zusammenhänge sind mir bisher aufgefallen:

 

  • Zyklusbedingte, über den Zyklus gesteuerte und hormonabhängige Beschwerden (bei Frauen)
  • Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt, vor allen Dingen in Bezug auf Magnesium
  • Ungleichgewichte im Fettstoffwechsel, vor allen Dingen in Bezug auf Phospholipide (das sind Substanzen, die u.a. die Nervenzellen schützen)
  • Blockaden im Bereich des Bewegungsapparates, die zu Mikrotraumen an Nervengeflechten des autonomen Nervensystems (den Ganglien) führen (hingegen ist nicht eine Blockade selbst, z.B. der Halswirbelsäule, Ursache für Migräne!)
  • Probleme mit Histamin, Bradykinin und Serotonin, die vor allem vom Darm ausgehen, damit in Zusammenhang stehend
  • Probleme mit der Darmflora
  • Probleme mit versteckten Nahrungsmittelintoleranzen, beispielsweise Gluten
  • Probleme mit Schleimhautatrophie
  • Probleme im so genannten „zirkadianen Rhythmus“, unter anderem auch mit dem Hormon Melatonin
  • Probleme mit Schwermetallbelastung

 

Ich habe bisher kaum einen Migräne-Patient kennen gelernt, bei dem nicht mindestens drei dieser Faktoren zusammenlaufen. Entsprechend schwierig und zeitaufwändig gestaltet sich die Therapie, v.a. wenn man (wie ich) sich nicht gerade auf Migräne spezialisiert hat.

 

Grundsätzlich kann man als Therapeut die drei klassischen entgiftenden Organkomplexe Leber, Nieren und Lymphe angehen - man sollte dies allerdings so tun, dass möglichst keine Erstverschlimmerung auftritt (sehr wahrscheinlich!) Mit Nahrungsergänzungen bzw. Mikronährstofftherapie lassen sich die Symptome gut lindern - allerdings ist dies eine Lösung, die so lange anhält, wie die entsprechenden Substanzen gegeben werden (Ausnahme: Magnesium).

 

Mineralstoffe: Magnesium ist wichtig, Calcium kommt an zweiter Stelle

 

Mit diesem letzten Punkt - Magnesium - ist auch schon ein wichtiger Eckpfeiler der naturheilkundlichen Migräne-Behandlung angesprochen. Das Problem ist, dass je nach Konstitution und Bioverfügbarkeit nur 10-70 % des Magnesiums vom Körper tatsächlich aufgenommen werden. Daher kann man - zumindest meiner Erfahrung nach - Magnesium ruhig ca. um 30 % höher dosieren als angegeben. Ausnahme auch hier wie gehabt bestimmte Nierenerkrankungen - dann ist Rücksprache mit einem Arzt zu halten. Oder man bedient sich der "Transdermalen Magnesium-Therapie", wie sie z.B. von Frau Dr. Barbara Hendel erforscht wird.

 

Meinem Erachten nach spielt Calcium eine Rolle als Antagonist für Histamin. Falls neben der Migräne auch bestimmte Nahrungsmittelintoleranzen und hier vor allen Dingen die Klassiker Schokolade, Käse, Rotwein und Zitrusfrüchten ins Auge fallen, sollte man eine Nahrungsergänzung mit Calcium ins Auge fassen.

 

Ein bei PUBMED abgelegter Artikel berichtet über eine nachhaltige Verbesserung von Migräne bei gleichzeitiger Nahrungsergänzung mit Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 (Ubichinon):

 

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4393401/

 

Pycnogenol (Pinienrindenextrakt) scheint in Kombination mit Antioxidantien vielen Migräne-Patienten eine große Hilfe zu sein, wie die folgende Studie herausstellt:

 

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16643582

 

In einer schon etwas länger zurückliegenden Studie wurde der Nutzen von Mutterkraut und Weidenrindenextrakt (der Vorstufe von Acetylsalicylsäure) für die Therapie von Migräne herausgestellt:

 

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17163262

 

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass mit diesen Ansätzen alleine eine Heilung erfolgen kann, ist eine Linderung in vielen Fällen möglich. Und das ist bei den schrecklichen Beschwerden der Migräne-Patienten ja schon eine große Hilfe!

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