Vegane Ernährung - ein "gefährlicher Trend"?

Es ist nicht einmal ein Jahrzehnt her, da war Veganismus kein Ernährungstrend, sondern, wie es den Anschein hatte, „eine Verschwörung einiger weniger“ gegen den Rest der Welt. Veganer klagten eben diesen Rest der Welt an, ökologisch falsch zu denken und vor allen Dingen zu Essen. Dass sie damit nicht unbedingt auf die große Gegenliebe im Rest der Bevölkerung stießen, lag auf der Hand. Ich erinnere mich noch an die (im damals noch gängigen) „Usenet“ geführten, erbitterten Kriege Veganer gegen Fleischesser.

 

Und dann kommen Leute daher und machen aus der Extrem-Ernährung plötzlich einen Modetrend

 

Über Herrn Attila Hildmann reden heute nur noch wenige. Er ist, wie alle Trend-Typen, kurzlebig im Rampenlicht des allgemeinen Interesses. Aber Leuten wie ihnen haben wir es zu verdanken, dass aus einer totalen Außenseiter-Ernährung ein Modetrend wurde.

 

Und jetzt das: das Establishment schießt zurück!

 

Diesmal in Gestalt der bekannten Köchin Sarah Wiener, die uns jetzt verrät: „vegane Ernährung ist ungesund und unnatürlich!“ Besonders prangert sie die „veganen“ Nahrungsmittel an, die es mittlerweile in vielen Supermärkten, erst recht aber in Bio-Märkten zu kaufen gibt.

 

Es ist eigentlich fast lächerlich: jeder überzeugte Veganer, der sich ernsthaft mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandersetzt, weiß, dass diese seltsamen, abgepackten Auswüchse eines Modetrends wie Tofu-Bratwürste, Soja-Käse oder Saitan-Truthahn alles Mögliche sind - nur nicht gesund. Mal abgesehen davon: wieso sollte ein überzeugter Veganer überhaupt Fleisch-, Wurst- und Käseersatz essen, wenn er sie gar nicht mag?

 

Man kann sich heute mit jeder Art von Nahrungsmitteln „vergiften“

 

Diese seltsamen Exzesse finden sich ja nun nicht nur in der veganen Ernährung wieder, sondern sind genauso in jeder anderen Ernährungsform auch gängig - solange man nicht Wert auf möglichst unverarbeitete, aus regionalem Anbau bzw. regionaler Produktion stammende Nahrungsmittel legt - wie es eigentlich der gesunde Menschenverstand von vornherein tun sollte.

 

Doch genau das ist das Problem mit Trends.

 

Eine bestimmte Ernährungsform wird vor ihrem Bekanntwerden von einigen wenigen Leuten gepflegt, die sich - aus welchen Gründen auch immer - sehr für Ihre Gesundheit und Gesundheit im Allgemeinen interessieren.

 

Es liegt nahe, dass diese wenigen Menschen bei ihrer Nahrungsmittelauswahl sehr kritisch sind.

 

Wenn aber etwas zu einem Trend wird, heißt das, dass ihn sehr viele Menschen praktizieren. Und das unabhängig von eventuellen gesundheitlichen Problemen, die dahinter stehen. Ernährungstrends sind als solche Modeerscheinungen und hinterfragen ebenfalls als solche kaum die gesundheitlichen Hintergründe, die den Ausschlag für die Entwicklung eines bestimmten Ernährungskonzepts gegeben haben.

 

Die Nahrungsmittelindustrie, die in erster Linie kommerziell-wirtschaftliche Interessen hat, bedient diesen Trend. Sie sieht, dass viele Menschen plötzlich Interesse an „Veganismus“ haben oder bekommen und entwickelt dementsprechend „designte“ Nahrungsmittel. Dabei greift sie - auch das ist bekannt - zu Werbefloskeln, die mitunter etwas vorgaukeln, wofür Nahrungsergänzungsmittelhersteller wettbewerbsrechtlich abgemahnt würden: „rein natürliche Zutaten“, „gesund“, „wertvoll“ sind da eher noch im harmlosen Bereich.

 

Unabhängig von der Art der Ernährung kann man sich mit jeder Ernährungsform „vergiften“. Sarah Wiener hat es sinngemäß in Ihrem Interview so ausgedrückt: "Sie müssen nur möglichst viel Nahrungsmittel verzehren, deren Zutatenliste Sie nicht verstehen!“ Das ist auch nicht das Problem der Lebensmittelindustrie. Die bedient ja schließlich nur einen Trend und folgt damit ökonomischen Prinzipien. Das ist das Problem derer, die solche Nahrungsmittel kaufen.

 

Bevor Ernährungsformen populär werden, sind sie fast immer zweckgebunden

 

Jede Ernährungsform – ob vegan, paläo, low-carb oder was auch immer – wurde ursprünglich dazu konzipiert, bestimmte Stoffwechselprozesse so zu verändern, dass das Ziel eine verbesserte Gesundheit ist. Wer sich ein bisschen mit dem menschlichen Stoffwechsel auskennt, weiß, dass verschiedene Ernährungsformen verschiedene Effekte im Körper entfalten. Wendet man diese Ernährungsformen richtig und passend zum Körpertyp an, entfalten sie zu 95 % einen wohl tuenden Effekt auf die Gesundheit.

 

Das ist zwischen den Vertretern der einzelnen Ernährungsformen auch heute noch zu „Internet-Kriegen“ kommt, ist der Tatsache von einem unvollständigen Wissen über den Stoffwechsel des einzelnen Ernährung-Gurus geschuldet. Der „Vegan-Guru“ hat „sein“ Wissen über seine Ernährungsform, der „Paläo-Guru“ eben seines. Jedes ist aber nur ein Teil des Ganzen. Der Tenor bleibt in jedem Fall: Ernährungsformen, die gezielt bestimmte Nahrungsmittel aus ihrer Ernährung verbannen, verfolgen das Ziel einer verbesserten Gesundheit bei dem, der diese Ernährungsform praktiziert.

 

Wenn eine Ernährung jedoch zum Modetrend wird, kann diese Zweckgebundenheit konterkariert werden

 

Wenn jedoch plötzlich viele eine bestimmte Ernährungsform praktizieren und die Nahrungsmittelindustrie, wie oben beschrieben, diesen Trend „bedient“, wird die „gesundheitlich wertvolle“ Ernährung mit ebenso „gesundheitlich wertvollen“ Zusatzstoffen angereichert: dann kommen E-Nummern, Konservierungsstoffe, Phosphate, künstliche Aromen und Süßstoffe zum Einsatz, um die Nahrungsmittel „dem Mainstream-Geschmack anzupassen“. Das war mit Sicherheit nicht das Ziel derer, die das Ernährungskonzept entwickelt haben. Doch diese müssen darunter leiden, wenn ein ursprünglich gutes und sinnvolles Konzept durch einen Modetrend entwertet wird. Und sich dann entsprechend Vorwürfe wie von Frau Wiener gefallen lassen, obwohl sie nichts dafür können.

 

Egal welche Ernährungsform sie auch immer praktizieren. Es gibt nur zwei sinnvolle Empfehlungen:

 

Die erste Empfehlung: beobachten Sie sich längerfristig. Jede Ernährungsumstellung wird zu Beginn als wohl tuend empfunden. Jeder Stoffwechseltyp kann sie sich längerfristig allerdings nicht so günstig auf die Gesundheit auswirken. So ist Veganismus nicht empfehlenswert für jemanden, der von seinem Stoffwechseltyp eine stärkearme Ernährung benötigt. Sollten Sie bemerken, dass etwas längerfristig nicht so gut für ihre Gesundheit funktioniert, dann ändern Sie es. Ein geschulter Therapeut oder Ernährungsberater kann Ihnen hier im Zweifelsfalle unter die Arme greifen.

 

Die zweite Empfehlung: greifen Sie auf möglichst unverarbeitete Nahrungsmittel zurück. Kaufen Sie Produkte aus regionaler Produktion. Ziehen Sie eventuell Nahrungsmittel in Ihrem eigenen Garten, sofern vorhanden.

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