Ist Mittelmeer-Kost wirklich so gesund? Was ist ihr Geheimnis?

In der Gesundheitsszene ist es eigentlich fast schon ein Allgemeinplatz: die mediterrane Diät schützt vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und hilft sogar bei der Regeneration nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Die Fakten sind bekannt: die mediterrane Diät enthält eine reiche Auswahl an Obst und Gemüse, Salate, Oliven, Olivenöl, Antipasti, Fisch, Tomaten und es im Gegenzug dazu relativ arm an Kohlenhydraten wie Zucker, Weißmehl und an rotem Fleisch.

 

Trifft es das wirklich?

 

Ich habe da so meine Zweifel. Ich habe über die Jahre Spanien, Italien und Griechenland recht gut kennen gelernt. Nicht einmal im Allgemeinen gibt es größere Ähnlichkeiten zwischen den Landesküchen, im Speziellen erst recht nicht.

 

Das hängt beispielsweise schon beim Fleisch an. In Sachen Fleisch beispielsweise ist die italienische Küche insgesamt eher zurückhaltend - je weiter man nach Süden kommt, umso mehr wird Fleisch durch Fisch ersetzt. Eine Ausnahme ist die Insel Sardinien. Historisch und kulturell stehen die Bewohner dieser Insel mit dem Meer ein wenig auf Kriegsfuß. Die überwiegende Mehrheit der Inselbevölkerung, die sich überhaupt heute noch über die Landwirtschaft versorgt, ist als Bauern oder Hirten tätig. Völlig anders ist es auf der Insel Sizilien, die über die größte Fischereiflotte im gesamten Mittelmeer verfügt.

 

Insgesamt wird sowohl in Spanien, als auch in Griechenland deutlich mehr Fleisch gegessen. Naiv, wie ich bei einem Spanien Aufenthalt vor einiger Zeit war, habe ich angenommen, die berühmten „Tapas“ wären in etwa mit den italienischen Antipasti zu vergleichen: Oliven, eingelegte Artischocken, Zucchini und Auberginen, eventuell (wir reden hier von Spanien) Nachos und vielleicht noch etwas Weißbrot dazu oder eventuell Tortillas.

 

Weit gefehlt: „Tapas“ in den entsprechenden Bars sind überwiegend Gerichte auf Fleischbasis.

 

In Griechenland schlägt der Einfluss der Balkan-Küche durch: zumindest auf dem Festland gibt es recht viel rotes Fleisch, insbesondere von Lamm, Ziege und Schwein. Das mag auf den Inseln anders aussehen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Fleischkonsum in Griechenland durchaus recht hoch ist - zumindest relativ gesehen zu der Behauptung, die mediterrane Küche sei fleischarm.

 

Auf der anderen Seite ist die italienische Küche durchaus recht kohlenhydratlastig

 

Das gleiche mit umgedrehten Vorzeichen gilt für die italienische Küche. Zu einem vollen Menü gehören immer mehrere Gänge. Nach den Antipasti kommt der erste Gang: traditionellerweise in den meisten Regionen Italiens ein Nudelgang. Zum anschließenden zweiten Gang gibt es immer noch eine kleine Sättigungsbeilage in Form von Kohlehydraten, beispielsweise Kartoffeln.

 

Und was hat Italien noch zu bieten? Dass Eiscreme aus Italien stammt, merkt man: in Italien gibt es die beste Eiscreme der Welt. Punkt und Ausrufezeichen! Aber nicht nur das. Wenn Sie jemals auf Sizilien waren, wenn Sie erstaunt sein über die Vielfalt und den Geschmack der dort angebotenen Süßwaren. Diese übertreffen nämlich alles, was andere Länder zu bieten haben (übrigens auch inklusive der Schweiz). Hier besteht durchaus Suchtgefahr.

 

Wie man sieht, hat die mediterrane Küche nicht nur gesunde Aspekte. Sie kann ganz schön ungesund werden. Aber schließlich lässt sich so ein Essen nicht nur auf Nährstoffe reduzieren. Wesentlich wichtiger in den südlichen Ländern ist der Genussaspekt: wer sich Zeit nimmt zum Essen und dieses wirklich genießt profitiert gesundheitlich gesehen wesentlich mehr von den Inhaltsstoffen als der hektische Esser nördlicher Breiten.

 

Es gibt in Italien eine regelrechte Bewegung, die sich „Slow-Food“ nennt. Die verzehrten Speisen sind unter rein wissenschaftlichen Aspekten nicht einmal das gesündeste, was es gibt. Aber es wird auf extrem hohe Qualität geachtet und natürlich auf den langsamen Verzehr im Sinne einer wahren „Esskultur“.

 

Wenn wir also der Meinung sind, die mediterrane Küche sei besonders gesund, sollten wir diesen Aspekt unbedingt mit einbeziehen!

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