Gefahren durch Kräutertees und grünen Tee?

Gibt man in eine Suchmaschine die Worte „Gefahren von Kräutertee“ ein, sind die ersten Suchergebnisse recht aufschlussreich: „Kräutertee krebserregend“, heißt es da, oder: „Verbraucher über Gefahren im Unklaren gelassen“, „Gift im Kräutertee“ – und so weiter. Vor allem die nicht gerade eben naturheilkundefreundliche Süddeutsche Zeitung  stößt munter ins Horn mit „todbringenden, gefährlichen Kräutertees“.

 

Bei aller Sachlichkeit: das ist wirklich maßlos übertrieben!

 

Auszüge aus Pflanzen werden nicht umsonst „Arzneidrogen“ genannt und können deswegen zumindest potenziell eine Giftwirkung entfalten - das ist richtig und das bestreitet auch niemand. Ich wage aber zu behaupten: jedes einzelne Medikament der so genannten „Schulmedizin“ - ob rezeptpflichtig oder nicht - birgt potenziell wesentlich größere Gefahren als jeder Kräutertee. Und das beginnt schon bei Aspirin. Ausgenommen sind Tees, die so mit Umweltgiften belastet sind, dass ihr Verzehr wirklich eine reale Gefahr darstellen würde.

 

Wann sind Kräutertee und Grüner Tee im wahrsten Sinne des Wortes „mit Vorsicht zu genießen“?

 

Wie gesagt - Pflanzenauszüge sind Arzneidrogen und als solche haben sie ab einer bestimmten Konzentration auch eine Giftwirkung. Sogar Brennnesseltee kann überdosiert werden - vor allen Dingen über einen langen Zeitraum. Das ist auch schon das erste Problem mit Tees im Allgemeinen und medizinisch wirksamen Tees im speziellen: die Dauer, für die sie getrunken werden.

 

Kräutertees mit entschlackender Wirkung sind für ebensolche Kuren gedacht und nicht als Getränk rund ums Jahr. Um das ganze allerdings zu relativieren: viele Menschen trinken mehrere Tassen Kaffee pro Tag - und das rund ums Jahr. Hier wird in den offiziellen Medien keinesfalls vor gesundheitlichen Gefahren gewarnt.

 

Ich würde einen so genannten „entschlackenden“ Kräutertee für vier bis maximal sechs Wochen einsetzen - und dann eine ganze Weile nicht mehr trinken. Die arzneiwirksamen Bestandteile der Teedrogen zählen überwiegend zu denAlkaloiden. In einem gewissen Maß schaden sie nicht. Sie stecken ja schließlich auch in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Wenn man sie aber sehr lange zu sich nimmt, können Sie sich im Körper so anreichern, dass ein Grenzwert überschritten wird - die Funktion von Leber und Nieren kann darunter leiden.

 

Wer gerne Kräutertee trinkt - sollte man immer mal die Zusammensetzung wechseln?

 

Es gibt ja auch Menschen die unabhängig von einer medizinisch nachgesagten Wirkung schlicht und ergreifend gerne Tee trinken. Besonders ältere Menschen sind dabei gerne eingeschworen auf eine bestimmte Teemischung. Auch wenn eine wirkliche Gesundheits-Beeinträchtigung unwahrscheinlich ist: immer mal die Sorten zu wechseln, kann auf keinen Fall schaden und ist im Zweifelsfall sogar nützlich. Schließlich ist neben den Alkaloiden auch die Zusammensetzung an anderen Inhaltsstoffen, zum Beispiel auch Mineralstoffen und Spurenelementen, in verschiedenen Tees eine andere. Um dabei nicht einseitig zu werden, empfiehlt es sich, die Mischung alle vier Wochen zu wechseln.

 

Grüner Tee hat ebenfalls eine gesundheitsfördernde Wirkung - aber auch „Kontraindikationen“

 

Von dem Genuss von grünem Tee wird abgeraten bei: Magenbeschwerden, chronischen Darmentzündungen, Schwangerschaft, beim Vorliegen von Nierensteinen und bei Störungen im Stoffwechsel von Oxalsäure. Außerdem ist die Kombination mit verschiedenen Medikamenten und mit Alkohol mit Risiken behaftet.

 

Die Schwangerschaft ist grundsätzlich eine Zeit, in der Kräutertees mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind.

 

Stellungnahme des Bunds für Risikobewertung (BfR) als Download

 

Ich finde die „Fälle“ für akute und chronische Vergiftungen unglücklich gewählt. Beinwell (Symphytum), Heliotrop (Sonnenwend) und Senecio (Kreuzkraut) gehören von vornherein zu den leicht giftigen Pflanzen. Die Mischungen aus diesen Pflanzen können bei sensiblen Naturen in kürzester Zeit gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen. Allein aus der Anwesenheit bestimmter Alkaloide über der Nachweisgrenze in verschiedenen, gewöhnlichen Kräutertees wie Fenchel, Kamille oder Pfefferminz lässt es sich schlecht auf potentielle Giftigkeit schließen.

 

Selbst eine Untersuchung auf derart hohem biochemischem wie statistischem Niveau lässt die Frage offen, inwieweit gewöhnliche Kräutertees bei normaler Menge und normaler Verzehrdauer tatsächlich das Potenzial haben, die Gesundheit eines Menschen zu schädigen.

 

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