Bindegewebstraining bei Rückenschmerzen!

Was das Thema Rückenschmerzen angeht, hat man sich besonders in der Medizin lange Zeit zu sehr darauf verlassen, dass die Beschwerden von Bandscheiben, den knöchernen Teilen der Wirbelsäule oder der Muskulatur ausgelöst werden.

 

Auch in der Naturheilkunde gibt es Therapien, die am knöchernen Bewegungsapparat ansetzen: beispielsweise die Dorn-Methode. Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt in der Behandlung von Rückenschmerzen, der besonders in der Medizin bisher vernachlässigt wurde: das so genannte „Bindegewebstraining“ oder Training der Faszien. Mit den Faszien wird beispielsweise in der Osteopathie viel gearbeitet. Jetzt „entdeckt“ die Medizin dieses faszinierende Thema.

 

Wenn normales Training nicht hilft

 

Dass unsere sitzende Lebensweise langfristig zu Rückenschmerzen führt, hat neben der Verkümmerung der Muskulatur noch einen weiteren Grund: neuromuskulärer Stress, der vor allen Dingen an drei Punkten ansetzt: im Beckenbereich und im Kreuzbeinbereich, etwa in der Mitte der Brustwirbelsäule und im Bereich der oberen Nackenwirbel. Becken und Kreuzbein sind von einer langfristigen sitzenden Haltung besonders in Mitleidenschaft gezogen. Im mittleren Brustwirbelbereich können insbesondere die Brustwirbel 4-7 blockieren, was sich nachteilig auf die Funktion der oberen Verdauungsorgane, aber auch der unteren Atemwege auswirkt.

 

Die Enzymfunktion kann beeinträchtigt sein. Der Magenausgang (Pylorus) kann sich verkrampfen (Pylorospasmus). Die wenigsten von uns merken es bewusst, dass im Sitzen die Atmung weniger tief geht als im Stehen oder liegen.

 

Im oberen Halswirbelbereich sind Nervenzonen angesiedelt, die Teile des vegetativen Nervensystems repräsentieren und bei Reizung Stress erzeugen können.

 

Normalerweise wird in einem Muskeltraining die umgebende Muskulatur der Wirbelsäule trainiert: beispielsweise der Trapezmuskel oder der Rückenstreckermuskel. Dies kann helfen, der Wirbelsäule einen zusätzlichen Halt zu geben, reicht aber oft nicht aus. Mit zunehmendem Alter wird das Bindegewebe (die Faszien) weniger elastisch, was die allgemeine Beweglichkeit nicht nur einschränkt, sondern auch zu Wirbelverschiebungen trotz einer starken Muskulatur führen kann. Ein starker Rücken ist also nicht die alleinige Antwort auf Rückenschmerzen.

 

Bindegewebstraining ist anders

 

Beim Bindegewebstraining wird durch entspannte, gleitende Bewegungen die Mobilität der Faszien gestärkt. Wenn das noch nicht ausreichend ist, kann die Osteopathie helfen. Gerade bei Menschen, die viel sitzen, kann es auch von Vorteil sein, die Organe im Bauchraum zu mobilisieren. Über die Faszien wird damit auch die Beweglichkeit bestimmte Elemente im Rücken gestärkt.

 

Ein positiver Effekt von sanftem Yoga und Tai Chi?

 

Langsame und sanfte Yoga-Übungen und zur meditativen Übung eingesetzte Bewegungselemente von Tai Chi (Chi Gong) gehen in eine ähnliche Richtung: die Bindegewebs-Beweglichkeit wird gestärkt.

 

Wie die östliche Philosophie sagt: „hart“ und „weich“ ergänzen sich!

 

Um wirklich wirkungsvoll und langfristig gegen Rückenschmerzen vorgehen zu können, empfiehlt es sich, beides miteinander zu kombinieren: das muskelstärkende Training genauso wie das sanfte Bindegewebstraining. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen. Dafür ist eine Kombination aller Aktivitäten zu empfehlen: Schwimmen, Fahrradfahren und Spazierengehen in Kombination mit kurzem, hartem Muskeltraining und sanften Bewegungen, die das Bindegewebe „weicher“ machen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0