Akute Erkrankungen im Hochsommer - Mythos und Wahrheit

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es zwar 8:30 Uhr abends, draußen herrschen aber immer noch schwüle 26 °C. Es kommt nicht allzu oft vor, dass in Deutschland eine längere warme Periode herrscht. Grund genug, einmal über Gesundheits-Mythen nachzudenken, die einen warmen bzw. heißen Hochsommer betreffen. Zum Beispiel diesen:

 

Während einer Hitzeperiode kann man sich nicht erkälten

 

Und wie man sich während einer Hitzeperiode erkälten kann! Das hat übrigens nicht nur mit Unterkühlung durch Klimaanlagen in Auto und öffentlichen Gebäuden zu tun - private Gebäude sind in unseren Breiten kaum klimatisiert - sondern damit, dass auch der Hitzestress das Immunsystem unterdrücken kann und die Erkältungsviren sicher im Hochsommer nicht in Luft auflösen. Was eher vermindert ist, ist die Ansteckung. Aber erkälten kann man sich auch ohne Kontakt mit einer Klimaanlage durchaus auch im Hochsommer!

 

UV-B-Strahlung ist gefährlich

 

Die Sonne sendet nicht nur Licht- und Wärmestrahlen aus, sondern auch ultraviolette Strahlung. Das ist die Strahlung, auf die unsere Haut mit Röte bzw. mit Bräunung reagiert. Es gibt zwei Arten von UV-Strahlung, die für uns relevant sind: UV-A und UV-B. In allen möglichen Gesundheit-Veröffentlichungen wird immer vor der gefährlichen UV-B-Strahlung gewarnt. Allerdings ist diese Strahlung sogar notwendig, um in unserer Haut Vitamin D zu synthetisieren - alleine mit UV-A-Strahlung funktioniert dies nämlich nicht (unter anderem ein Grund, warum Solarien nicht besonders gut dazu geeignet sind, dem Körper bei der Produktion von Vitamin D zu helfen).

 

Es gilt der alte Satz des Paracelsus: die Dosis macht das Gift. Verbrennen sollte man sich nicht, ein bisschen UV-B-Strahlung ist aber der Gesundheit förderlich!

 

Sport im Freien muss man anders angehen als während der übrigen Jahreszeiten

 

Das ist teilweise richtig. Bei großer Hitze wird die Überlastungsgrenze natürlich wesentlich schneller erreicht als bei moderaten Temperaturen. Wichtig ist hier vor allen Dingen das Trinkverhalten. Ich habe vor einigen Tagen bei einer Radtour von 35 km bei ebenso viel Grad Celsius gut 2 l Wasser durch schwitzen verloren. Dies muss natürlich aufgefüllt werden. Deswegen gilt auf der einen Seite, dass man den Körper besser vor Überlastung und natürlich auch vor austrocknen schützen sollte als während der kühleren Jahreszeiten. In Bezug auf eine andere Binsenweisheit gilt es jedoch nicht, dass man Sport anders betreiben muss bzw. kann:

 

Sie müssen sich nämlich auch in den Hochsommermonaten, wenn Sie Sport treiben wollen, genauso aufwärmen, genauso Ihre Muskulatur dehnen und sich vorbereiten wie zu jeder anderen Jahreszeit auch!

 

Das Risiko für Durchfallerkrankungen ist höher

 

Dies stimmt nur zu 10-20 %, wenn man als Ursache Erreger nennt, die sich im Sommer bei Hitze stärker vermehren sollen. Das meiste „Mehr“ an Durchfallerkrankungen während der Hochsommermonate geht nämlich keineswegs auf Erreger zurück, sondern auf leichtsinniges und fahrlässiges Verhalten. Zunächst einmal kann man beim Sport erschöpfen, und wenn man seine Leistungsgrenzen nicht respektiert, kann bein einer vegetativen Erschöpfung durchaus auch Durchfall entstehen, der ebenso mehrere Tage anhalten kann. (Nach spätestens drei Tagen sollte er allerdings wieder verschwunden sein!)

 

Auf kalte Getränke, Limonaden, teilweise aber auch rohes Obst geht ein großer Teil der Durchfallerkrankungen im Hochsommer zurück. Natürlich ist ein leicht erhöhtes Risiko gegeben, sich etwa eine Salmonellenerkrankung einzufangen. Bei den Sicherheit-und Hygienestandards in Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung hier in Deutschland ist dieses Risiko allerdings sehr überschaubar. Der große Teil an Durchfallerkrankungen geht wirklich auf leichtsinniges und fahrlässiges Verhalten zurück.

 

Zecken kommen nur während der Sommermonate vor

 

Auch das ist falsch - Zecken sind nämlich durchaus auch resistent gegen tiefe Temperaturen und können daher auch im Winter oder zumindest in den kühleren Übergangsjahreszeiten vorkommen. Ein Teil davon, warum es viel weniger Neuinfektionen mit Borreliose und FSME gibt, hängt mit der dicken und dichten Kleidung zusammen. Und übrigens: Zecken werfen sich nicht von Bäumen, um ihr "Opfer" anzuzapfen. Meist lauern sie im hohen Gras!

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