Stern-Artikel: Kann ein Heilpraktiker Krebs behandeln? (Teil 3)

(Fortsetzung vom letzten Blogbeitrag)

 

Die eingehende Beratung

 

Vor ein paar Jahren gab es einmal eine neue Vorschrift für Ärzte, wonach naturheilkundliche arbeitende Ärzte ihre Patienten unbedingt über die für den entsprechenden Krankheitsfall vorgesehene Standardtherapie (also „Schulmedizin“) aufklären müssen. Ich musste damals ein wenig schmunzeln, habe ich doch im Gegenzug noch nie von einem Gesetz gehört, nachdem konventionell arbeitende Ärzte dazu verpflichtet sind, ihre Patienten über alternativ mögliche Therapien aufzuklären.

 

Aber haken wir doch einmal bei diesem ersten Punkt ein…

 

Egal ob Arzt oder Heilpraktiker - jeder Therapeut, der naturheilkundliche bzw. ganzheitsmedizinische Methoden zur Behandlung von Krebs, ja selbst nur zur begleitenden Behandlung anwendet, sollte möglichst objektiv über die Vor- und Nachteile aufklären. Auch Wechselwirkungen mit einer eventuell gleichzeitig stattfindenden medizinischen Therapie sind abzuklären. Dazu mal ein kleines Beispiel, wie es sicherlich typisch für eine naturheilkundlich arbeitende Praxis ist:

 

Ein Arzt bzw. Heilpraktiker schlägt eine entgiftende Therapie vor. Diese ist sicherlich objektiv betrachtet bei jeder Art von Krebsgeschehen sehr empfehlenswert. Findet aber gleichzeitig eine medizinische Therapie, etwa „Chemotherapie“ (eigentlich: Zytostatika-Therapie) statt, können entweder die Entgiftungserscheinungen für den Patienten sehr unangenehm werden oder die Entgiftung schlägt fehl, da der Patient durch die medizinische Krebstherapie unter massivem Stoffwechselstress steht - und unter Stress, egal was es für eine Art von Stress ist, ist eine vernünftige Entgiftung nahezu unmöglich. Das sind Dinge, die man beachten sollte, und bei denen ich von Patienten immer wieder mitgeteilt bekomme, dass das berühmte „es kann auch schief gehen“ im eingehenden Gespräch mit dem Therapeuten nicht erwähnt wurde.

 

Objektivität ist sehr wichtig

 

Dazu gehört auch eine realistische Selbsteinschätzung. Alle Ärzte, die ich bisher im persönlichen Gespräch kennen gelernt habe, schätzen sich selbst sehr realistisch ein. Ich bin überzeugt davon, dass dies auch für weit über 99 % aller Heilpraktiker gilt. Kritisch wird es nur dann, wenn jemand „geistige Heilweisen“, aber auch Therapien wie Bioresonanz, Radionik oder sogar klassische Homöopathie anwendet und davon überzeugt ist, mit diesen Methoden allein ein komplexes Krebsgeschehen in den Griff bekommen bzw. sogar „heilen“ zu wollen.

 

So sehr ich die klassische Homöopathie als Therapie schätze und die Kompetenz hierauf spezialisierter Therapeuten würdige: bei Krebserkrankungen ist die klassische Homöopathie als alleinige Therapie ohne eine Begleitung ganz sicher nicht ausreichend, um eine fundamentale Umstimmung im Organismus zu gewährleisten. Zu groß sind die Blockaden im Stoffwechsel der meisten Krebspatienten. Oder, wie es ein (bekannter) klassischer Homöopath bei einer Fachfortbildung kürzlich ausdrückte: „wir wollen doch bitteschön die Kirche im Dorf lassen!“

 

Streitpunkt: die konsequente Ablehnung einer konventionellen, medizinischen Therapie

 

Die konsequente Ablehnung jeglicher medizinischer Therapie erfordert vom Patienten eine gehörige Portion Mut. Versucht ein Therapeut - egal ob Arzt oder Heilpraktiker - einem unsicheren Patienten die medizinische Standardtherapie auszureden, begibt er/sie sich auf sehr dünnes Eis. Erst einmal rechtlich - aber dann auch menschlich. Denn sollte in seiner einzigen Verantwortung etwas schief gehen, hat er/sie die Belastung zu tragen.

 

Ein Kardinalsmerkmal eines guten, ganzheitlich arbeitenden Krebstherapeuten ist, dass er seine Patienten möglichst fair und objektiv über die Vorteile und Gefahren beider Seiten aufklärt und ihn bei seiner Entscheidungsfindung sachlich unterstützt. Die Entscheidung selbst - vor allen Dingen konsequent gegen eine medizinische Standardtherapie - muss der Patient leider selbst fällen, und zwar unbeeinflusst vom Therapeuten. Ein Therapeut kann einem diese Entscheidung nicht abnehmen.

 

Da ist natürlich auch der Heilpraktiker gefordert, zumindest so viel medizinisches Grundlagenwissen zu haben, dass er objektiv und fair über die Vor- und Nachteile (und Grenzen) sowohl seiner Therapie als auch der Standardtherapie zu informieren vermag. Ein Heilpraktiker, der sich die biologische bzw. naturheilkundliche Krebstherapie zum Schwerpunktthema seiner Praxis erwählt hat - was sein gutes Recht ist - sollte diese Fähigkeiten auf jeden Fall haben.

 

Außerdem sollte er die Fähigkeit haben, den Patienten darin zu unterstützen, seine Entscheidung mit einem klaren Verstand und keinesfalls verblendet von Angst, Panik oder Trauer fällen zu können.

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