Stern-Artikel: Kann ein Heilpraktiker Krebs behandeln? (Teil 2)

(Fortsetzung vom letzten Blogeintrag vom 7. Juli 2014)

 

Anhand der im letzten Blogbeitrag genannten fünf Punkte kann man bereits ersehen, dass man von Heilpraktiker zu Heilpraktiker große Unterschiede erwarten muss. Das gilt noch wesentlich stärker für die Vorgehensweise als für die Qualität der zu erwartenden Behandlung.

 

Zunächst einmal: kein Heilpraktiker darf die begleitende Bezeichnung „Spezialist für…“ verwenden. Das ist laut Heilpraktikergesetz und Heilmittelwerbegesetz nicht gestattet. Wohl erlaubt ist auf Werbemitteln (wie beispielsweise einer Homepage) die Bezeichnung: „Schwerpunkt: ganzheitliche Behandlung von Krebserkrankungen“. Wenn die Homepage eines Heilpraktikers (oder ein anderes Werbemittel) so gekennzeichnet ist, lohnt sich eine Anfrage.

 

In der ganzheitlichen Krebstherapie gibt es pragmatische und bodenständige Ansätze wie Ernährungslenkung, Entgiftung, Optimierung des Säure-Base-Haushaltes sowie Therapien wie Hyperthermie („künstliches Fieber“, meinem Erachten nach eine empfehlenswerte Option!), Infusionstherapie usw.

 

dann gibt es natürlich auch Therapieansätze, über die sich bei Lage der Dinge trefflich streiten lässt. In den letzten Tagen sorgt einmal mehr Laetrile für Schlagzeilen. Die wissenschaftliche Lehrmeinung ist, dass Laetrile (Amygdalin, Vitamin B17) giftig für den Menschen ist, da es als biologisch aktive Komponente Blausäure enthält. So genannte „Alternativheiler“ (die Rede ist jetzt nicht unbedingt von Heilpraktikern) hingegen schwören auf die Substanz, die sich aus Bittermandeln und Aprikosenkernen gewinnen lässt als quasi „natürliche, krebszerstörende Therapie“.

 

Ich sehe das ehrlich gesagt nicht so. Die meisten vernünftigen, ganzheitlichen Ansätze für eine biologische Krebstherapie sind sich darüber einig, dass der Energiestoffwechsel der Zelle, die Durchblutung und vor allen Dingen die Sauerstoffzufuhr (bzw. genauer gesagt, deren Fehlen) im Verhältnis zur Energiegewinnung der Zelle das Problem darstellt - und das Zellen, die langfristig zu wenig Sauerstoff bekommen, auf die Gärung zur Energiegewinnung zurückgreifen und das Entartungsrisiko dieser Zellen sehr stark ansteigt. Blausäure ist im Gewebe ein sehr potenter Sauerstoffräuber. Man braucht kein Chemiker zu sein, um festzustellen, was dies für die Zellen bedeutet…

 

Inzwischen ist man sich weit gehend darüber einig, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen muss - schwache bis mittlere Giftwirkung auf den Organismus, gelegentlich das Potenzial zur Bekämpfung von Krebsgewebe.

 

Ich möchte aber ehrlich gesagt, wenn ich selber von Krebs betroffen bin und dies weiß, auf die Therapien zurückgreifen können, die am Erfolg versprechendsten sind. Dazu zählen weder Laetrile, noch irgendwelche geistigen Heilmethoden und bitteschön erst recht nicht die so genannte „Neue germanische Medizin“, deren Theorien - die „fünf biologischen Naturgesetze“ darüber hinaus vor Fehlern nur so strotzen. Und was, bitte schön, wird in der neuen germanischen Medizin eigentlich therapiert? Nur von schönen Gesprächen ist nämlich noch kein Tumor verschwunden.

 

(Eine Randbemerkung von mir: wer einen Krebspatienten, der durch die neue germanische Medizin geheilt wurde, kennt der möge sich bitte bei mir melden - ich kenne nämlich keinen!)

 

Leider ist es nun mal so, dass die meisten Patienten von Verzweiflung getrieben sind und bei Naturheilkunde bzw. alternativen Heilmethoden kaum in der Lage sind, viel versprechend von irrational zu unterscheiden

 

Das heißt aber noch lange nicht, dass man alle naturheilkundlichen und alternativen Heilmethoden in der Krebstherapie verteufeln sollte.

 

Unbedingt empfehlen würde ich einen interessierten Patienten, der sich einer medizinischen Krebstherapie unterzieht, eine begleitende naturheilkundliche Therapie zur Begrenzung der Körperschäden. Ich denke, dass Chemotherapie nicht nur Krebs-, sondern auch gesunde Zellen abtötet, ist kein Geheimnis. Dass man hier naturheilkundlich begleitend den meisten Patienten zu einer besseren Lebensqualität verhelfen kann, ist m.E. nach ziemlich sicher. Alleine schon der regelmäßige Verzehr von Ingwer (als Nahrungsmittel oder in Kapselform) lindert bereits die Nebenwirkungen einer Chemotherapie, die korrekt eigentlich "Zytostatika-Therapie" heißt (von zyto = Zelle und statein = anhalten, nämlich den Stoffwechsel der Zelle!)

 

Krebs ist ein dramatisches Geschehen, es ist sehr „körperlich“ und vielen Patienten geht es schlecht, einige sind auch in Lebensgefahr. Für mich haben „geistige Heilweisen“ und psychologische bzw. psychotherapeutische Gedankenkonstrukte hier keinen Platz. Ob in der Medizin oder in der Naturheilkunde - gerade bei einer so dramatischen Diagnose wie Krebs kommt es auf schnelle, sichtbare und nachweisliche Erfolge an. Diese sollten keinesfalls versprochen werden - da dies niemand garantieren kann (gilt für die Medizin genauso wie für die Naturheilkunde und Alternativmedizin). Aber ein nachvollziehbares Konzept, das beim Patienten keine falschen Hoffnungen weckt sondern realistisch und auf dem Boden der Tatsachen bleibt, ist wünschenswert und stärkt die Position der Naturheilkunde in Deutschland. Luftschlösser hingegen wie die oben genannte „neue germanische Medizin“ zerstören das Vertrauen der Patienten und zerstören das Vertrauen der Bevölkerung insgesamt in die Naturheilkunde.

 

(Wird im nächsten Blogbeitrag fortgesetzt)

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