Wann muss ein Bandscheibenvorfall eigentlich operiert werden?

Bandscheibenvorfälle sind weniger häufig als akute Beschwerden mit dem Rücken, wie zum Beispiel das, was man unter dem Begriff „Hexenschuss“ kennt. Leider sind Bandscheiben Vorfälle meiner Erfahrung nach einer manuellen Therapie kaum zugänglich. Muss man sie deswegen aber operieren?

 

Bandscheibenvorfälle als „Nebendiagnose“ von Schmerz

 

Wird ein Patient mit Rückenschmerzen in einer orthopädischen Praxis vorstellig, entdeckt der Orthopäde immer mal wieder einen Bandscheibenvorfall dadurch, indem er röntgt. Der Kardinalfehler bei der Diagnose ist allerdings, dass der Schmerz fast immer direkt auf den Bandscheibenvorfall zurückgeführt wird (die meisten Physiotherapeuten wissen sicherlich, wovon ich hier spreche).

 

Das war und ist allerdings oft falsch. Behaupte nicht nur ich, behaupten auch Personen, die es sicherlich noch besser wissen als ich, beispielsweise ein Kollege, der zehn Jahre an der School of Chiropractic ausgebildet hat. Aber auch viele Physiotherapeuten, Osteopathen und Manualtherapeuten sind da mit mir einer Meinung. Ein Bandscheibenvorfall mag zwar vorliegen, er ist aber nicht unbedingt der Auslöser für den Schmerz.

 

Auch in der konventionellen, konservativen Physiotherapie oft Besserung!

 

Auch Physiotherapeuten, die sich an den Standardverfahren orientieren und damit therapieren, können mit der Zeit auch langfristig eine deutliche Verbesserung der Beschwerden eines Bandscheibenpatienten erreichen, obwohl sich am Bandscheibenschaden selbst nichts ändert. Das trifft natürlich auch (meiner Erfahrung nach erst recht) auf Anwendungen wie Dorn-Therapie, Osteopathie usw. zu.

 

Liegt der Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich vor (sehr häufig im Segment fünfter Lendenwirbel bis erster Kreuzbeinwirbel), bringt eine Korrektur des Kreuzbein-Darmbeingelenks oft eine Verbesserung der Beschwerden, auch wenn der Bandscheibenvorfall an sich nicht beeinflusst wird.

 

Anders sieht es aus bei Lähmungserscheinungen, massiven Bewegungseinschränkungen und bei Vorfällen im Halswirbelbereich

 

In solchen Fällen sollte man mit manuellen Therapien meiner Erfahrung nach besser nicht arbeiten. Auch sehr erfahrene Therapeuten sind bei Bandscheibenvorfällen im Halswirbelbereich - gerade wenn sie frisch sind - sehr zurückhaltend und vorsichtig. Treten im Halswirbelbereich Beeinträchtigungen auf, die dem Segment mit dem Bandscheibenvorfall zugeordnet werden können, bin ich für eine Operation - allerdings sollte auch hier alles optimal sein. Denn natürlich bergen OP’s im Halswirbelbereich auch ihre Risiken.

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