Was zeichnet eine „krankhafte“ Angst aus?

Angst hat viele Gesichter. Man kann vor allen möglichen Dingen Angst haben. Offensichtlich sind dabei konkrete Ängste: zum Beispiel vor großen, bellenden Hunden, großen Spinnen oder Schlangen, Höhenangst, aber auch Angst vor Konflikten und Streitereien, Angst vor Prüfungen oder vor öffentlichen Reden, usw.

 

Die meisten von uns kennen auch die mulmigen und unguten Gefühle im Zusammenhang mit der Angst: ein ungewisser, unspezifischer Druck im Oberbauch, ein flaues Gefühl. Aber wo ist konkret die Grenze zur krankhaften Angst? Gehen wir von Symptomen aus, ist sie meines Erachtens dazu finden, wo Angst körperliche Symptome auslöst, die Gesundheit und Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Treten zu diesem unangenehmen, flauen Gefühl beispielsweise ein massiver Schweißausbruch, Schwindel, Herzrasen oder Atemnot hinzu, spricht man von einer krankhaften Angst.

 

Die Verbindung von Körper und Geist (das vegetative Nervensystem) wird hierdurch so massiv beeinträchtigt, dass es neben einer psychotherapeutischen Aufarbeitung der Angst gesondert bearbeitet werden muss. Bei dem „Wie“ kommt es darauf an, ob von vornherein das besteht, was man eine vegetative Dystonie nennt, oder ob sich der Betroffene in einem Dauer-Alarm-Modus befindet. Ein bisschen verständlicher ausgedrückt:

 

Der eine Typ schwankt ständig zwischen massivem Stress und totaler, körperlicher Erschöpfung, der andere Typus befindet sich dauerhaft in einem Zustand von innerem Stress mit Gereiztheit und Unruhe. Gelegentlich wird in der Psychotherapie auch Hypnose eingesetzt, was zwar nicht an die Ursache der Angst herangeht, aber immerhin dabei helfen kann, die vegetativen Spannungen zu mildern und dem Körper eine Erholung zu gönnen.

 

Ein Sonderfall der Angst ist die Versagensangst bzw. die Angst, etwas falsch zu machen. Die Betroffenen reagieren übersensibel auf Kritik. Das hat nichts damit zu tun, dass sie allgemein über sensibel sind, sondern damit, dass sie ein verschobenes Verhältnis von Arbeit zu Ergebnis bzw. einen ausgeprägten Perfektionismus haben und Kritik konkret mit ihrer Arbeit in Zusammenhang bringen. Übrigens: das körperliche Kennzeichen für diese Art von Angst ist die Spannung im Beckenbereich. Volkstümlich ausgedrückt, „kneift man die Arschbacken zusammen, um bloß keinen Scheiß zu bauen“. Damit kann eine ständige Spannung im unteren Rücken, im Beckenbereich und natürlich auch in den unteren Extremitäten mit entsprechenden Beschwerden ein Hinweis auf eine unbewusste Versagensangst bzw. die Angst, etwas falsch zu machen sein.

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