Der Drahtseilakt in der Onkologie: können pflanzliche Substanzen Schäden durch Chemotherapie verhindern?

Chemotherapie tötet Krebszellen. So weit, so gut. Aber es wäre zu viel verlangt, wenn ein chemischer Stoff zwischen einer gesunden Zelle und einer Krebszelle unterscheiden würde. Deswegen leiden Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie (eigentlich: Zytostatika-Therapie) unterziehen, wie der sprichwörtliche Hund. Deswegen ist die Chemotherapie nicht nur in Naturheilkreisen unter Kritik. Die Argumentation, Chemotherapie würde unter Umständen mehr Schaden anrichten als der Krebs selbst, scheint in einigen Fällen jedenfalls nicht allzu weit hergeholt zu sein.

 

Da liegt es nahe, nach Substanzen zu suchen, welche die gesunden Zellen schützen, aber keinen Einfluss auf die Wirkung der Chemotherapie an sich haben. Doch solche Substanzen zu finden, ist, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen zu entdecken.

 

Scheinbar ist vor kurzem, nämlich erst im Januar diesen Jahres, Forschern ein kleiner Durchbruch gelungen: eine Substanz mit Namen Rocaglamid, die in der traditionellen chinesischen Medizin gegen Entzündungen eingesetzt wurde, scheint gesunde Zellen tatsächlich vor den Auswirkungen einer Chemotherapie zu schützen. Nun hat das ganze allerdings einen kleinen Haken, den man zwischen den Zeilen lesen muss:

 

Denn der Wirkstoff schützt keineswegs das Erbgut der gesunden Zellen. Versuche haben gezeigt, dass auch unter dem Einfluss von Rocaglamid die DNA der gesunden Zellen geschädigt wird. Warum die Zellen trotzdem überleben, lässt sich damit begründen, dass Rocaglamid einen Eiweißbaustein ausschaltet, der den programmierten Zelltod einleitet, den so genannten p53.

 

Wenn die gesunden Zellen überleben, ihr Erbgut aber durch die Chemotherapie dennoch geschädigt wird, wird das natürlich die Frage auf, wie es denn in der langfristigen Prognose für den Patienten aussieht. Denn mit einem geschädigten Erbgut ist die Gefahr der Neuentstehung von Krebs natürlich wesentlich erhöht. Auf gut Deutsch: es gehen zwar weniger gesunde Zellen zu Grunde, was eventuell auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie abgemildert, Mittel-und langfristig sieht es allerdings nicht nach einem wirklichen Gesundheit-Vorteil aus. Oder doch?

 

Im gleichen Artikel behaupten die Forscher, dass das Ausschalten von p53 das Krebsrisiko langfristig nicht erhöhen würde.

 

Was aber nicht über die Tatsache hinweg täuscht, dass andere pflanzliche Wirkstoffe einen wesentlich größeren Nutzen in der Bekämpfung von Krebs entfalten können, wie beispielsweise Curcumin, Salvestrole und andere sekundäre Pflanzenstoffe. Vielleicht sollte man diesen Stoffen in der Medizin ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen?

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