Wieder einmal: gesättigte versus ungesättigte Fettsäuren

Es mag zwar ein wenig besserwisserisch klingen, aber so allmählich kommt die Wissenschaft dahinter, was ich schon seit zig Jahren predige - und, damit es nicht heißt, ich würde mich mit fremden Federn schmücken: natürlich viele andere auch. In mehreren deutschen Massenmedien wurde die Studie, die vor kurzen im Fachblatt „Annals of internal medicine“ veröffentlicht wurde, besprochen: es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr gesättigter Fettsäuren (also überwiegend tierischer Fette) und dem Risiko, an Herzinfarkt oder einer sonstigen Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken.

 

Viele Naturheilkundler und Alternativmediziner wurden bis vor kurzem lächerlich gemacht, wenn Sie dieses behauptet haben und werden jetzt doch bestätigt.

 

Da dies aber kein Selbstbeweihräucherungsblog ist, sondern ein kritischer Blog, der sich mit Themen aus Medizin und Ernährung auseinander setzt, leiten wir gleich weiter zur nächsten logischen Frage: ist schlemmen jetzt erlaubt?

 

Nein, unbegrenzt nicht. Das liegt aber nicht an den gesättigten Fettsäuren an sich, sondern an mehreren anderen Komponenten, die bei ihrem Verzehr mit einfließen. Zum Beispiel: da es sich, wie gesagt, bei den gesättigten Fettsäuren überwiegend um tierische Fette handelt, ist ihr Verzehr häufig mit tierischen Nahrungsmitteln verbunden. Diese wiederum enthalten viel Eiweiß. Der sinnvollen Zufuhr von Eiweiß wiederum ist - individuell unterschiedlich - eine Grenze gesetzt. Wo Eiweiß nicht mehr vollständig verdaut werden kann, kommt es zu Problemen, die indirekt über einen gewissen Stressfaktor auf das Herz-Kreislauf-System einwirken. Ich will Ihnen den „Werdegang“ eines solchen Problems einmal anhand eines kurzen Beispiels erläutern:

 

Ein Mensch gewöhnt sich über einen gewissen Zeitraum an eine gewisse Eiweißzufuhr. Ebenso gewohnheitsmäßig neigt er dazu diese beizubehalten. In jungen und mittleren Jahren ist dies zumeist kein Problem. Mit steigendem Alter allerdings kann es sich zu einem Problem auswachsen, da die Kapazität des Verdauungstrakts, Eiweiß komplett zu verdauen und zu verwerten mit dem zunehmenden Alter abnimmt. Die Folge: mehr Eiweiß gelangt unverdaut in den Dickdarm und ist dort verschiedenen Zerfallsprozessen unterworfen, deren Abbauprodukte den Stoffwechsel zum Teil nicht unerheblich belasten. Diese Belastung merkt man unter Umständen viele Jahre lang nicht. Diese Abbauprodukte, wie zum Beispiel Ammoniak oder Schwefelverbindungen, müssen entgiftet werden, belasten aber den menschlichen Stoffwechsel mit Stress. Und wie jeder Art von Stress, werden auch durch diesen bestimmte Hormone freigesetzt, die allerdings ihrerseits wiederum die Schleimhäute des Körpers, aber auch die Enzym bereit stellenden Organe wie die Bauchspeicheldrüse nachhaltig schwächen. Die Schwäche der Bauchspeicheldrüse wird mittelfristig auch den hormonellen Anteil (die Langerhans’schen Inseln) betreffen. Diabetes bzw. metabolisches Syndrom können sich einstellen.

 

Einem erhöhten Blutzuckerspiegel folgt bald hoher Blutdruck durch Ablagerungen in den Gefäßen, wodurch das Herzinfarktrisiko sukzessive steigt. Die Durchblutung wird allgemein weiter verschlechtert, was sie selbst verständlich auch auf innere Organe bezieht. Ein Teufelskreis entsteht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vorprogrammiert.

 

In der Komplexität der menschlichen Ernährung eine einzige Komponente zu isolieren und ihr ein krankmachendes bzw. gesundheitsförderndes Potenzial zu attestieren, ist sehr problematisch. Man muss immer den Zusammenhang betrachten. Hat sich jemand mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren ernährt, ist die Wahrscheinlichkeit recht, dass er „geschlemmt“ hat und er nicht zum Maß halten geneigt hat. So sind nicht unbedingt immer überholte Erkenntnisse das Problem, sondern es ist die Angewohnheit, eine einzelne Komponente der menschlichen Ernährung auf das Gesamtbild zu übertragen.

 

Es ist davon auszugehen, dass Wissenschaftler in naher Zukunft weiterhin durch neue Erkenntnisse über das Thema Ernährung überrascht werden…

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