Ein diskussionswürdiges Kapitel: Hygiene in Kliniken

Eine gleichermaßen erstaunliche wie erschreckende Meldung findet sich dieser Tage im Nachrichtenmagazin auf „Focus“. Nach dieser Meldung sollen jährlich etwa 30.000 Patienten von Krankenhäusern an Infektionen sterben, die sie im Krankenhaus bekommen hätten. Bisher war man von etwa halb so vielen ausgegangen. Wie immer, wird an dieser Stelle die Forderung nach mehr Klinikpersonal und besserer Hygiene laut.

 

Aber liegt es wirklich nur an schlechter Hygiene und mangelndem Personal?

 

Ich denke nein.

 

Auch bei Patienten mit degenerativen Erkrankungen müssen wir heute davon ausgehen, dass sie, wenn sie ins Krankenhaus kommen, bereits erhebliche immunologische Defizite haben. Warum das sicher feststeht? Ganz einfach: die meisten dieser Patienten (degenerativer Erkrankungen betreffen überwiegend ältere Patienten im letzten Lebensdrittel) haben vor einem Krankenhausaufenthalt in den meisten Fällen bereits jahrelang Medikamente genommen. Ob Schmerzmittel, Kortisonpräparate, andere Entzündungshemmer oder was auch immer: Fast alle Medikamente, die zur Eindämmung von Beschwerden bei chronisch-degenerativen Erkrankungen eingenommen werden, verändern - meist indirekt - die Reaktionen unseres Immunsystems und die Fähigkeit zur Entgiftung.

 

Ebenso liegt es in der Natur der Sache, dass man eine komplette Klinik nicht vollständig keimfrei halten kann. Das ist nicht einmal möglich mit einem einzelnen Zimmer auf der Intensivstation, ja, nicht einmal in der OP. Ein weiteres Problem ist, dass im Zuge einer chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung in irgendeiner Form Antibiotika eingesetzt werden, die ihrerseits wiederum das Immunsystem schwächen.

 

Das letzte Problem, dass in der Natur der Sache liegt und auch mit noch so viel Aufwand einfach nicht behoben werden kann: Erreger egal welcher Art verändern ihr Erbgut, wenn Sie in Kontakt mit Desinfektionsmitteln oder Medikamenten kommen, die ihren Stoffwechsel stören. Da ein Erreger an sich nur eine sehr kurze Lebensspanne hat, ist die genetische Anpassung natürlich viel schneller möglich als bei einem Menschen.

 

Ich wage einmal zu behaupten: selbst wenn man überhaupt nicht aufs Geld achten würde und würde Kliniken so ausstatten, dass alle Bereiche ab der Wachstation aufwärts nur noch durch „Schleusen“ betreten werden dürften - auch für Angehörige der Patienten - und wirklich alle Teilbereiche des Klinikums so gut wie es geht keimfrei gehalten werden würden - würde die Zahl der Ansteckungen bei weitem nicht wie erwartet zurückgehen.

 

Abgesehen von jungen Unfallpatienten und Gebärenden (denen eine Ansteckung mit einem Krankenhauskeim natürlich auch widerfahren kann) kommt eigentlich niemand mit einer optimalen Vitalität und Gesundheit ins Krankenhaus. Und selbst diese Kategorien von "gesunden Patienten" stehen aufgrund des Geschehens unter einem erhöhten Stresslevel, was das Immunsystem natürlich genauso dämpft.

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