Macht es Sinn, die Bevölkerung in Gesundheits-Fragen zu bevormunden?

Nicht, dass man das nicht schon vorher getan hätte - wenn auch bisher nicht so offensichtlich. Beispielsweise wenn es um die Impfberatung geht. So haben wir zwar offiziell in Deutschland keine Impfungspflicht, aber aus Erzählungen weiß ich zu berichten, dass junge Eltern gelegentlich fast zur Impfung ihrer Kinder genötigt werden.

 

Aber darum soll es hier nicht gehen. Es geht um einen Gesetzesentwurf, der sich Gesundheit-Präventionsgesetz nennt. Mit diesem Gesetz, so glaubt zumindest die Bundesregierung, sondern langfristig chronischen Volkskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck einen Riegel vorschieben. So sollen Ärzte, Kassen und Apotheken zu einer besseren und vollständigeren Gesundheitsaufklärung beitragen, die so genannte Prävention (Vorsorgeuntersuchungen) soll stärker forciert werden sowie die Bevölkerung zu allgemein gesünderem Verhalten angemahnt werden.

 

Ob das funktioniert, darf hochgradig bezweifelt werden. Denn hier geht es darum, dass eine oder mehrere Institutionen die Bevölkerung als Ganzes ändern wollen.

 

Aus der Geschichte wissen wir bereits, dass alle bisherigen Weltverbesserungsversuche glorreich gescheitert sind. Es ist einfach eine ganz simple Tatsache: man kann Menschen nicht verändern. Entweder, sie verändert sich selbst, oder sie verändern sich eben nicht. Es ist bisher noch keine Menschen gelungen einen anderen Menschen zu verändern. Im Gegenteil könnte man mit einem solchen Gesetz, bzw. dessen spürbaren Auswirkungen, in den Bevölkerungskreisen, die sich auch bisher wenig um ihre Gesundheit gekümmert haben, mehr als alles andere eine Art Trotzreaktion auslösen.

 

Im Großen und Ganzen gibt es zwei Bevölkerungsgruppen: die einen kümmern sich freiwillig und von sich aus um ihre Gesundheit. Sie sind daran gewohnt, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Solche Menschen muss man auch nicht weiter dazu anhalten, etwas zu tun. Dann gibt es natürlich auch die anderen, die nichts für ihre Gesundheit tun wollen, oder aber auch nicht können - das muss man genauso berücksichtigen. Wer an der Armutsgrenze dahinvegetiert, kann weder mit seinem Essen wählerisch sein, noch mit seinem Wohnsitz, und an regelmäßiger Bewegung hindern ihn meist Zukunftsängste oder eine Depression. Da hilft auch kein Gesundheit-Präventionsgesetz.

 

Zudem sind einige staatlich und medizinisch propagierte "Gesundheitsmaßnahmen" von fragwürdigem gesundheitlichem Wert, will heißen: dass die Bevölkerung als Ganzes von diesen Maßnahmen tatsächlich gesünder wird, darf hochgradig bezweifelt werden. So wird beispielsweise der Nutzen von Prostatakrebs-Früherkennungsmaßnahmen von vielen hochrangigen Wissenschaftlern mittlerweile angezweifelt. Auch die Brustkrebs-Früherkennung, die Mammographie, gilt heute in ernst zu nehmenden Kreisen mehr als alles andere als gesundheitsschädigend.

 

Ernsthafte Sorgen würde ich mir auch um die Gesundheit pauschalierter, verallgemeinerter Ernährungsempfehlungen machen. Vor kurzem habe ich beispielsweise Untersuchungen gelesen, die den Verdacht aufkommen lassen, dass eine fettarme Ernährung Alterskrankheiten wie Alzheimer oder Demenz begünstigen kann.

 

Insofern: die Lösung der Gesundheits-Frage ist auch mit solchen Gesetzen nicht in Sicht...

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