Auf der Suche nach dem Licht

So, heute geht es mal wieder mehr um das Thema “geistige Gesundheit”

Da ich Agnostiker bin (d.h., ich weiß es nicht, aber ich habe einige Vermutungen) verfolge ich gelegentlich einige Einträge zu Themen wie Glauben, Religion und Spiritualität. Und bin doch immer wieder darüber erstaunt, wie apokalyptisch lächerlich die ein- oder andere Seite für einen Menschen ab einer durchschnittlichen Intelligenz aufwärts sein kann.

Da gibt es zum Beispiel eine, aus Gründen der Höflichkeit nicht näher benannte, konservativ-christliche Website, die ausdrücklich vor so genannter “Lichtarbeit” warnt. Wobei Lichtarbeit an sich schon zweifelhaft genug ist. Genannte Seite allerdings war schon beinahe zu dumm, um sich noch über sie zu amüsieren.

Auf genannter Site wurde auf etlichen Seiten vor der “teuflischen Lichtarbeit” gewarnt, Bekenntnisse in den Schoß des Christentums zurückgekehrter veröffentlicht und verschiedene Glaubenssätze der Esoterik konservativ-christlich “widerlegt” (wie die Autoren der Seiten selbst glauben mögen). Als Resümmee konnte man ableiten, dass der einzig wahre Heilsweg der über Jesus Christus sei, alle anderen und erst recht Esoterischen bzw. spirituellen Glaubensrichtungen und Praktiken vom Teufel kommen und direkt in die Hölle führen würden und man sich doch bitteschön vor dem Verderbnis bewahren solle, indem man all dem abschwöre und in den einzig richtigen Glauben des wahren, heiligen (und erzkonservativen) Christentums zurückkehren möge.

Selten so gelacht.

Eine klitzekleine Anmerkung: wir leben mittlerweile im 21. Jahrhundert.

Ich habe selbst so meine Probleme mit verschiedenen “Esoterischen” Riten und Glaubensrichtungen, aber das ist so lächerlich, dass es weh tut.

  1. Wir leben mit unserem winzigen Staubkorn (Erde) in einem Universum, das nach Meinung der Astrophysiker rund 15 Milliarden Lichtjahre “breit” ist und, wie es heute aussieht, nicht das einzige Universum ist. Wie intelligenzmäßig eingeschränkt muss man sein, anzunehmen, dass da irgendein GOTT (wenn es ihn denn gibt) eine Person sein woll der “seinen eingeborenen Sohn Jesus auf die Erde geschickt hat, um uns von unseren Sünden zu erlösen”, wenn da vielleicht noch Millionen anderer Planeten sind, auf denen höherentwickeltes Leben herrscht (oder vielmehr Lebensformen, die in der Lage sind, Sünden zu begehen? ;-) ). Was macht der einzige ausgerechnet auf unserem kleinen, unwürdigen Planeten?
  2. Was soll der Unterschied sein zwischen einer Gruppe, die sich zum Pendeln, zu spiritistischen Seáncen oder für Tarot oder ein Kurs in Wundern trifft und einer Gruppe, die sich Oblaten reichen lässt, von denen einer behauptet, sie seien das Fleisch eines Mannes, der vor 2000 Jahren gestorben und von den Toten wieder auferstanten ist?
  3. Warum ist in der letzteren Gruppe ein solches Ritual nur dann von “irgendeiner Bedeutung, wenn ein Geweihter (also ein Priester oder ein evang. Pfarrer) es abhält?”
  4. Was kann das möglicherweise für ein Gott sein (wie gesagt, wenn er denn existiert): der nicht wollte, dass Priester sexuell aktiv sind oder in die Ehe gehen, der nicht wollte, dass Frauen geistliche Ämter bekleiden, der wollte, dass Paare rein in die Ehe gingen und diesen Zustand nie wieder verließen? Irgendwie wäre solch ein Gott für mich in seinem Denken und Willen ziemlich eingeschränkt. Und wenn es irgendwo einen Planeten mit intelligentem Leben und einer matriarchalischen Gesellschaftsform gäbe (kann ja sein, bei 15 Milliarden Lichtjahren Universum), müsste er mit einem solchen Planeten doch ziemliche Probleme haben. Oder ist da ein anderer Gott für zuständig. Vielleicht einer, der nicht will, dass Männer ein geistliches Amt bekleiden?
  5. Und wenn über Jesus der einzige Weg ins Heil zu erreichen ist, müsste Gott (wenn es ihn denn gibt) doch eigentlich fairerweise dafür sorgen, dass ihn alle Menschenkinder kennen lernen dürfen. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es in Kalahari oder Kalapogo genügend abgelegene Flecken gibt, wo Menschen ihr Dasein fristen, die noch nie etwas von Jesus Christus gehört haben und wohl nie hören werden. BÖSER Gott! Das ist aber keine Chancengleichheit! PFUI!!!

Muss ich noch weiter reden?

Es gibt sicherlich viele “Geweihte” da draußen, die tolle Arbeit leisten, Seelsorge, sich um Alte und Kranke kümmern und so weiter, und das ist sehr schätzenswert.

Aber Leute. Entspannt euch endlich! Das Universum ist sehr groß, und da ist sehr, sehr viel Platz für sehr viele Dinge!

Sie verkaufen Nahrungsergänzungsmittel – und haben von Tuten und Blasen keine Ahnung!

Hatten Sie schon mal diese Art von Post in Ihrem Briefkasten?

Eine Warnung vor einem weitverbreiteten Gesundheitsproblem, die daraufhin anschließende Warnung vor der “Schulmedizin”, die einen nur vergiftet, und die Präsentation der Lösung: ein Wundermittel, das allen hilft.

Beispielsweise Arthrose (oder Gelenkschmerz) “Soundsoviele haben Arthrose – die Medizin vergiftet uns mit ihren Schmerzmitteln – wir haben die Wunderwaffe gegen Gelenkschmerz!”

Z.B. Hyaluronsäure – zum Schlucken.

So entspann sich neulich bei mir folgender Dialog, als eine Dame mit einer durchgestylten Telefonstimme mir Hyaluronsäurekapseln “als absolute Weltneuheit” (die übrigens mittlerweile 2 Jahre alt ist) schmackhaft machen wollte. “Hilft garantiert jedem!”

So, so…?

Na ja, dachte ich, klären wir die Dame (die nichts dafür konnte, weil man ihr das wiederum so vermittelt hatte) mal auf.

“Dann wussten Sie sicher auch schon, dass Hyaluronsäure kein Arthrosemittel ist, sondern eigentlich ein Dehydrierungsproblem beseitigen soll (=Austrocknung), dass mindestens die Hälfte aller Betroffenen von Gelenkschmerzen gar keine Arthrose haben und dass die meisten dieser Personen wiederum besser beraten wären damit, ihren Muskelstoffwechsel zu verbessern (Spannung und Überdehnung in Agonist-Antagonist und resultierend ein kleines Milchsäureproblem respektive mangelnde Sauerstoffversorgung – permanente Spannung und versteckte Ödeme!). Z.B. mit Arginin, Alpha-Liponsäure, rechtsdrehender Milchsäure und Enzymen?”

“Äh…” Sie überlegte einen Moment “ehrlich gesagt nein…?”

Wie gesagt: Sie  konnte nichts dafür, denn ihr hat man es sicher so erklärt. Bleiben zwei Möglichkeiten:

  1. Es versucht Ihnen jemand mit glorreicher Unwissenheit Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen. Ergebnis: es geht Ihnen besser, oder nicht. In beiden Fällen haben Sie allerdings Ihr Budget gekürzt. Kommentar: Jemand, der keine Ahnung hat, sollte so was nicht verkaufen.
  2. Der, der Ihnen das Zeug verkaufen will, hat Ahnung, weiß auch, dass es einem Drittel, günstigenfalls vielleicht der Hälfte hilft, ungünstigenfalls 10%. Kommentar: Dann ist dieser “ER” (kann natürlich auch eine “SIE” sein) jemand, der Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen will.

Mein Tipp in beiden Fällen: bevor Sie irgendein Nahrungsergänzungsmittel kaufen, investieren Sie einen zweistelligen Eurobetrag in eine Person, die Ahnung davon hat und Sie beraten kann…bevor Sie hinterher größere drei- (oder vierstellige) Beträge in irgendwelche “Wundermittel” stecken, und sich darüber wundern (darum heißen die Dinger nämlich Wundermittel!), dass sie Ihnen nach drei Monaten immer noch nicht geholfen haben!

Andreas Ulmicher

Der “zu warme” Sommer, der keiner war

Die Überschrift legt es an den Tag – diesmal geht es um’s Wetter. Jetzt werden Sie sich sicher fragen: was hat ein Heilpraktikerblog mit dem Wetter zu tun?

Nun, das Wetter ist einer unserer Wohlfühlfaktoren – oder eben nicht, wie in diesem Sommer. Denn in dem gerade frisch vergangenen Sommer dürften sich nach rationalen Gesichtspunkten allenfalls Pollenallergiker und Depressive wohl gefühlt haben. Ich persönlich weine diesem Sommer keine Träne hinterher!

Wochenlang nasskalt, dann endlich mal warm – aber verbunden mit extremer Schwüle und Unwettern mit dem Zufalls-Faktor: man wusste nicht wann, man wusste nicht wo…man wusste nur eins: sie verhagelten einem im wahrsten Sinne des Wortes die Freizeitplanung. Sonne war Mangelware wie eine beständig-schöne, trockene Witterung. Und dann die für viele sicherlich überraschende Meldung des deutschen Wetterdienstes:

“Der Sommer 2011 war im Mittel rund 0,5° zu warm!”

Das widerspricht so völlig dem gemeinen menschlichen Empfinden vom verregneten Sommer, der einem zu trockenen Frühjahr folgte. Hier einige Gründe, warum uns der nach Datenlage “zu warme” Sommer eigentlich überwiegend kühler als normal vorkam.

  1. Das subjektive Wärmeempfinden steht und fällt mit der Sonneneinstrahlung. Keine Sonne – keine Wärme. Da die Sonnenscheindauer dieses Jahr in vielen Regionen deutlich niedriger war als normal lag die “gefühlte Wärme” niedriger
  2. Dichte Wolkendecke – keine nächtliche Abkühlung. Tatsächlich war es tags kühler als normal. Allerdings nachts dafür wärmer als im Durchschnitt, da die meist vorhandene Wolkendecke die Ausstrahlung und damit Abkühlung zum Teil verhinderte
  3. Der Vergleichszeitraum: die Durchschnittswerte wurden an den Jahren 1960 bis 1990 gemessen – wer sich klimahistorisch ein bisschen auskennt: die 60er und 70er, auch noch Teile der 80er gehörten vielfach zu den “Kälteausreißern” (was, nebenbei, die Treibhaustheorie in ein etwas anderes Licht stellt)
  4. Die Konzentration der Wärmephasen auf wenige Tage. Die Tage mit sommerlicher Wärme in 2011 waren rar gesät – dafür dann allerdings gleich wieder knallheiß, wie das letzte Augustdrittel sehr schön demonstriert hat. Diese kurzen Hitzephasen heben die Durchschnittstemperatur deutlich an – haben sich aber sicherlich nicht als lange Schönwetterperioden in unser Gedächtnis eingebrannt.

Fazit: zu warm hin oder her – der Sommer 2011 wird uns – allerdings nicht lange – als nasser, kühler und verregneter Sommer im Gedächtnis bleiben.