Eine kleine Geschichte über die Sonne
Liebe Leser,
Es gab mal eine Zeit – das ist mittlerweile rund 50, 60 Jahre her, da waren wir wieder wer, und gönnten uns was. Fleisch war ein Stück Lebenskraft. Schließlich mussten wir uns (also, nicht wir, vielmehr die beiden Generationen vor uns) sich für die harten, Kriegsjahre mit all ihrem Mangel und Leid belohnen.
Viel Eiweiß und Fett waren Trumpf, und – vielleicht werden Sie sich erinnern, wenn Sie älter als ich sind – es gab in den 50ern und 60ern auch dieses nette, kleine Getränk, das wir alle so “liebten”: den Lebertran, für die gesunden Knochen und gegen Rachitis.
Die Fleisch- und Fett-Generation von damals ist heute mindestens 65 bis 70, eher schon Mitte 70 bis Mitte 80 und schlägt sich mit degenerativen Alterserkrankungen herum: Diabetes, Arthrosen, Herz-Kreislauferkrankungen die wichtigsten.
Dann kamen die Siebziger und Achtziger Jahre. Fleisch und Fett waren auf einmal gefährlich, Vollkorn und Müsli waren Trumpf. Zunehmend warnten Wissenschaftler vor den Folgen des Ozonlochs, empfahlen die Sonne eher zu meiden, und wenn, dann starke Sonnenschutzmittel zu verwenden. Und der Lebertran (mit all seinem “Vitamin” D) geriet langsam aber sicher in Vergessenheit.
Neue Erkrankungen kamen auf, schon in der jungen Generation: Allergien, Autoimmunkrankheiten, Asthma. War eine Allergie in den 70ern noch ein Phänomen, betrifft sie heute mindestens jeden zweiten, eher mehr. Auch Krankheiten wie Morbus Crohn, Multiple Sklerose und Diabetes I sind seit zwei Jahrzehnten auf dem Vormarsch.
Und dann auf einmal das!
Ein Herr Lutz und ein Herr Atkins (und etliche andere Ernährungswissenschaftler) empfehlen, mehr Eiweiß zu essen, und vor kurzem empfahl die Deutsche Gesellschaft für Asthma, sich “möglichst ohne Sonnenschutz eine halbe Stunde am Tag der Sonne auszusetzen” – NA SO WAS!!!
Sonne, und hier insbesondere die lange Zeit als “schädlich” gebrandmarkten UV-B Strahlen, erzeugen in der Haut das “Vitamin” (eigentlich ist es ein Hormon) D. Das eine nicht unerhebliche Rolle in der Koordination unseres Immunsystems spielt.
Lange Zeit ging man davon aus, Sonne und die Sonnenbrand erzeugenden UV-B Stahlen seien “schädlich” aufgrund ihrer Hautkrebsgefahr. Eiweiß sei “schädlich”, weil es zu degenerativen Krankheiten führe, die ein Naturheilkundler oft (irrtümlicherweise) als “Übersäuerungskrankheit” bezeichnet.
Aber nichts von alledem ist schädlich. Schädlich sind einzig und allein Einseitigkeiten.
Das trifft für die Sonne zu:
Eine halbe oder eine Stunde Sonne am Tag auf der Haut tun uns gut,
Eine Verbrennung zweiten Grades ist schädlich.
Eine vernünftige Portion Eiweiß ist wichtig für den Zellaufbau, die Muskulatur, die Hormone und nicht zuletzt den Säure-Base-Haushalt.
Zuviel davon kann die Nieren schädigen und langfristig überhaupt chronische Krankheiten hervorrufen.
Das gilt für Ernährung, trinken, Arbeit und ausruhen, Produktiv und unproduktiv sein, Sport und jeden anderen Lebensbereich auch.
Ohne die Sonne gäbe es uns nicht. Ich hatte schon als Jugendlicher den Sprüchen misstraut, dass die Sonne “den tödlichen Hautkrebs bringt” und war auch während meiner kranken Jahre viel und oft draußen in der Sonne. Offensichtlich nicht zu meinem Schaden, denn der Morbus Crohn schweigt – seit nunmehr über 13 Jahren. Die Sonne mag einen Teil dazu beigetragen haben.
Wenn ihnen irgendwo empfohlen wird, etwas komplett zu vermeiden, dann hat er entweder keine Ahnung, oder er lügt Sie an. Es sei denn, Sie haben eine ernste Krankheit und müssen bestimmte Dinge tatsächlich meiden (bei Dialysepatienten ist es so, diese müssen auf sehr viele Dinge achten, auch bei schweren Diabetikern und bei gewissen Verdauungs- und Stoffwechselleiden beispielsweise). Wenn einer sagt, “je mehr, desto besser”, ist es genauso. Sie sollten auch dann nicht 6 Tassen Kaffee am Tag konsumieren, wenn es Ihnen irgendein angeblicher “Gesundheits-Experte” empfiehlt. Sie würden ja auch nicht extra mit dem Rauchen anfangen, oder?
Sie brauchen auch nicht zwei Stunden am Tag zu trainieren. Eine halbe Stunde reicht, aber diese möglichst regelmäßig.
Und, wenn Sie morgen ein paar Stündchen Zeit erübrigen können: gehen Sie mal an die Sonne.
Andreas Ulmicher