Zynismus – anhand praktischer Beispiele erklärt
Liebe Leser,
Derzeit halten uns die entsetzlichen Vorgänge in Japan in Atem. Als ob Erdbeben und Tsunami nicht genug gewesen wären, droht jetzt auch noch der Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima. Das heißt, eigentlich droht er nicht, sondern ist schon so gut wie sicher.
Hier sehen wir einmal wieder, wie das so oft im menschlichen Leben der Fall ist, die wahren Helden des Alltags – die Gesundheit und Leben riskieren, um den nahezu unvermeidbaren “schlimmsten aller schlimmen Unfälle” doch noch abzuwenden. Dann gibt es viele Menschen – das sind solche wie Sie und ich – die das Geschehen gespannt verfolgen und hoffen und bangen, dass irgendwo doch noch ein positives Wunder geschieht.
Tja, und dann fällt jemandem, der sich zwangsläufig damit beschäftigt – Radioaktive Verseuchung gehört schließlich ins Ressort “Gesundheit”, auch noch das Ein- oder Andere auf, was, sehr vorsichtig ausgedrückt, in den Bereich “ZYNISMUS” fällt.
Zum Beispiel die lapidare Feststellung – aus einem bekannten Online-Wirtschafsmagazin – dass Japan demnächst ja mit einem Wirtschaftsaufschwung zu rechnen habe, da die vorhandenen Schäden ja schließlich ausgeräumt und das Zerstörte wieder aufgebaut werden müsse.
Alles, was mir zu dieser Bemerkung einfällt, ist, dass wir jetzt eine Antwort auf die Frage vieler von unserer Gesellschaft frustrierter Mitmenschen haben, ob denn der schnöde Mammon mehr wert sei als Menschenleben:
Ja. Geld ist mehr wert als menschliches Leben (Entschuldigen Sie bitte, ich finde das weiß Gott nicht toll – aber es kann nicht anders sein).
Denkt man allerdings, schlimmer geht’s nimmer und tiefer können Menschen kaum sinken, kommt die nächste “Klatsche” – der Aufmacher der letzten Ausgabe eines bekannten Nachrichtenmagazins nämlich:
“DER FEINDLICHE PLANET”
Die ersten Worte, die mir beim Anblick dieses Zeitschriftentitels durch den Kopf schossen, waren: “WIE KRANK IST DAS DENN???”
Das war, mit Verlaub, die bekloppteste Meinungsmache, die ich in Jahren von einem angeblich so sachlichen und seriösen Magazin gelesen habe!!! Warum? Nun, da wird der Eindruck erweckt, unser Heimatplanet würde irgendwelche Emotionen oder Animositäten “gegen” die Menschheit hegen. Das ist ungefähr so dumm, wie zu behaupten, fleischfressende Tiere seien “böse”, weil sie Pflanzenfresser fressen. Also kommt der Löwe in die Hölle, weil er eine Gazelle reißt und damit “tötet”, oder was?
Dann will ich jetzt mal von geistigem Tiefparterre auf Normalniveau eines denkenden Menschen zurückkehren…
Wenn wir dem Planeten Erde, gemäß der Gaia-Hypothese (ich glaube die stammt von James Lowelock) eine Art von Bewusstsein unterstellen – und ich finde den Gedanken gar nicht so abwegig – dann ist die Bewusstseinsqualität überhaupt nicht mit einer menschlichen vergleichbar. Sprich: Emotionen, Vergleiche, Gut-oder-Böse-Kategorisierung, drohen, strafen, belohnen oder was auch immer dürfte von der Bewusstseinsqualität eines Planeten weiter entfernt sein als der Mensch von einer kontrollierten Kernfusion (damit wären alle Energieprobleme auf unserem Planeten im Handumdrehen gelöst…).
Wenn wir einem Planeten tatsächlich eine Art von Bewusstsein unterstellen, dann wird “es” weder rachsüchtig, noch strafend, noch wertend, noch belohnend, noch pro oder contra Menschheit eingestellt sein. Aus dem Japan-Desaster eine “Rache des Planeten” oder eine “Bestrafung der Menschheit” herzuleiten, auf diese Idee würde kein halbwegs vernünftig denkender Mensch kommen.
Mit dem Spiegel-Titel wird aber eben dieser Eindruck erweckt. Nicht gerade eine journalistische Meisterleistung, wie ich finde!
Alles, was die Katastrophe in Japan an Lernstoff “hergibt”, sagt eher etwas über fortgeschrittene Verblödung (von mir vermutet als Folge von Profitgier) der Menschheit aus als über Rachegelüste unserer heißgeliebten, aber mit Füßen getretenen Erde.
Klar, die Erschließung und Nutzung geothermischer Energie (in Japan mehr als reichlich vorhanden) wäre mit wesentlich mehr Aufwand und deutlich geringeren Gewinnspannen verbunden gewesen. Aber wer anders herum 52 Atommeiler, bei denen aus Kernspaltung Energie gewonnen wird, an eine hochaktive tektonische Plattengrenze stellt und davon ausgeht, “da passiert schon nichts”, der wird irgendwann früher oder später mit dem ganz simplen Gesetz von Ursache und Wirkung konfrontiert.
Darum handelt es sich in Japan nämlich.
(Oder, um’s mal auf dem Niveau des eingangs besprochenen Tiefparterre auszudrücken: die Jungs haben mit dem Feuer (der Kernspaltung) gespielt und sich dabei fürchterlich die Finger verbrannt)
Das Phänomen der nicht existierenden Schlacken
Heute ist mal wieder Aschermittwoch,
Und wie so oft an diesem Tag, der den Beginn der Fastenzeit markiert, erscheinen wieder die recycelten Artikel im Internet, mit dem Tenor “Fasten ist Quatsch, Entschlackung nicht notwendig, denn Schlacken gibt es nicht im menschlichen Körper”.
Im Schlepptau solcher Artikel wird die Kommentarfunktion dann in allerschönster Regelmäßigkeit einmal wieder für die Fehden zwischen “seriöser Medizin” und der, na ja, anderen Medizin missbraucht. Man könnte auch sagen, alle Jahre wieder…
Ob Fasten jetzt nun eine sinnvolle Methode ist, dem Körper zu neuer Vitalität zu verhelfen, darüber lässt sich auch in naturheilkundlichen Kreisen trefflich streiten. Aber darum geht’s nicht. Es geht mir auch nicht darum, mich für die eine oder die andere Theorie stark zu machen. Das machen schon zu viele.
Mir geht es vielmehr um Folgendes: Mediziner (also, gemeint sind jetzt die “Schulmediziner”) nennen sich selbst ja immer “Naturwissenschaftler”. Sie negieren vehement die Anwesenheit von “Schlacken” im menschlichen Körper. Nur, wenn ich wirklich wissenschaftlich vorgehe, müsste ich doch irgendwie eine Definition von etwas haben, dessen Anwesenheit im Organismus ich kategorisch ausschließe. Sprich, wenn ich behaupte:
“Schlacken gibt es nicht!”
Dann muss ich definitiv wissen, worum es sich bei “Schlacken” überhaupt handelt, denn wenn ich es nicht weiß, kann ich nach rein naturwissenschaftlicher Definition nicht zweifelsfrei ausschließen, dass es existiert. Ich kann es nicht! Wenn ich nicht weiß, worum es sich bei einem Krakulbastilan handelt, kann ich auch nicht mit “endgültiger” Bestimmtheit sagen, dass es nicht existiert.
Also, liebe “SCHULMEDIZINER”!
Ich hätte gerne von Euch eine Definition zum Thema “Schlacken”.
Und BITTE, kommt mir jetzt nicht mit Hochofenschlacken und so einem Kleinkinderkram. Ich setze das wissenschaftliche Niveau eines Mediziner voraus und nicht eines Kindergartenkindes von vier!
Denn erst wenn ich weiß, was es ist, kann ich definitiv sagen, ob es oder ob es nicht im menschlichen Körper vorhanden sind. Protonen sind zum Beispiel im menschlichen Körper vorhanden. Im Betarezeptorenblocker genauso. Also, liebe Mediziner:
“WAS SIND SCHLACKEN???”
Kleiner Tipp: Gallensteine, Nierensteine, Arteriosklerose, Lipome können es nicht sein – denn die gibt es definitiv im menschlichen Körper!
Andreas Ulmicher