Die Wissenschaft und der “Placebo-Effekt”
Jedes Mal, wenn die Diskussion auf Naturheilkunde kommt, kommt sie zwangsläufig auch auf Homöopathie (obwohl Homöopathie nichts mit Naturheilkunde zu tun hat). Und bei jeder dieser Diskussionsrunden fühlt sich mindestens ein “seriöser Naturwissenschaftler” berufen, die Homöopathie als “Unfug” abzutun, wo doch “klinische Studien längst bewiesen haben, dass die Wirkung homöopathischer Arzneimittel nicht größer sei als die von Placebos”. Punkt.
Fragt sich nur, ob – unabhängig von Homöopathie – der Placebo-Effekt richtig verstanden wurde.
Placebo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “ich werde gefallen” – und bezeichnet die “Heilkraft der Einbildung”. Die Heilung mit dem Nichts. Im bekanntermaßen wissenschaftskonformen “Spiegel” gab es in 2007 einen Artikel zu diesem Phänomen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-52032649.html
In der Welt der Placebos kann eine gewöhnliche Kochsalzlösung Schmerzfreiheit auslösen, wenn man dem Patienten nur “weismacht”, dass es sich dabei um ein starkes Schmerzmittel handelt. Beleuchtet man das Phänomen naturwissenschaftlich (materialistisch), dann müsste der Körper bei entsprechenden Suggestionen körpereigene Verbindungen freisetzen, die im Körper für diesen Effekt sorgen. Sinnvoll und einleuchtend. Und sinnvoll, auf diesen Effekt zu bauen, so als Arzt oder Therapeut.
Lassen wir das mit der Hormonausschüttung mal so stehen.
Doch da gibt es einige Untersuchungen zum Thema “Placebo-Effekt”, die sind hundsgemein: beispielsweise wird im obigen Artikel eine Studie mit Schwangeren erwähnt, die Brechmittel erhalten hatten, denen aber erzählt wurde, sie hätten etwas gegen die Übelkeit bekommen. Den Patientinnen ging es besser.
Das bedeutet, dass der Placebo-Effekt offenbar stärker ist als das medizinisch-materialistisch-naturwissenschaftliche Pharmakologische Dosis-Wirkungsgesetz. Stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie viele körpereigene Endorphine ausgeschüttet werden müssen, um die tatsächliche pharmakologische Wirkung einer solchen Arznei wie eben erwähnt ins Gegenteil zu verkehren (wobei zu sagen ist, dass das noch ein harmloses Beispiel war…).
Aber gehen wir davon aus, dass das wirklich funktioniert. Der Spiegel-Artikel jedenfalls, brav dem materialistisch-naturwissenschaftlichen Weltbild verbandelt, erwähnt jedenfalls immer wieder die Aktivierung bestimmter Hirnareale beim Placebo-Effekt, die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen, und so weiter.
Schon auf ein Leben in der Welt der Biochemie eingerichtet? Gut, dann geht es weiter. Im selben Artikel wird auch der Fall von Knie-Operationen erwähnt, die zum Teil tatsächlich, zum Teil aber nur scheinbar durchgeführt werden. Ein Vergleich zwei Jahre (!!!) später erbrachte den gleichen Effekt: die Schmerzen verbesserten sich in beiden Gruppen etwa gleich.
Also: heißt auf gut Deutsch: bei dem Einen wird das Kniegelenk geglättet, Schäden an Menisken so gut es geht beseitigt und das Kniegelenk durchgespült. Bei dem Anderen nicht.
Sollte nach sage und schreibe zwei Jahren das Gehirn nicht gemerkt haben, dass man ihm mit der Scheinoperation einen Bären aufgebunden hat, und das Knie noch genauso verschlissen, die Menisken noch genauso geschädigt und rauh ist? Also, dass das Gehirn aufgrund eines halbstündigen Dämmerschlafs und ein bisschen Plätschern in einem wasserbefüllten Eimer (s. Artikel) geschlagene 2 Jahre schmerzstillende Endorphine ausschüttet, obwohl das Knie noch genauso geschädigt ist wie vorher…ich denke, wir kommen hier in einen gewissen Grenzbereich der Glaubwürdigkeit, oder wie sehen Sie das, lieber Leser?
Aber drehen wir den wissenschaftlichen Spieß doch einfach mal um.
Der seriöse Naturwissenschaftler / Mediziner / Pharmakologe behauptet, Homöopathie wirke allein aufgrund des Placebo-Effektes. Ich rate mal zu folgendem Experiment:
Stellen Sie einem Teilchenphysiker, der sich mit subatomaren Teilchen beschäftigt, jeweils:
- ein Barbiturat
- einen Betarezeptorenblocker
- ein Antibiotikum
- ein Hormonpräparat
- ein Schmerzmedikament
zur Verfügung, damit er diese mit seinen Methoden analysiere. Ich wette, er wird Ihnen ins Gesicht sagen, dass all diese Medikamente nur aufgrund des Placebo-Effektes wirken können.
Diese Substanzen sind nämlich alle absolut gleich zusammengesetzt: alle bestehen aus Protonen, Neutronen und Elektronen.
Also, alles Placebo oder was?